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„Manche brauchen einen Wachrüttler“

Volleyball: Gergely Chowanski über die sportliche Talfahrt

Er kam als Routinier vor der Saison von Absteiger Wuppertal, nun steckt er mit dem TV Rottenburg im Tabellenkeller: Kapitän und Zuspieler Gergely Chowanski (31) sagt im TAGBLATT-Interview, dass er die Hoffnung auf die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft noch nicht aufgegeben hat.

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Artikelbild: Volleyball: Gergely Chowanski über die sportliche Talfahrt

TAGBLATT: Herr Chowanski, wenn Sie sich zurückversetzen in den vergangenen Sommer, als Sie beim TV Rottenburg unterschrieben haben: Wie haben Sie sich damals die Saison bei Ihrem neuen Arbeitgeber vorgestellt?

GERGELY CHOWANSKI: Ich bin ja hierhergekommen, weil ich unbedingt noch einmal spielen wollte. Insofern hat sich der Wechsel sportlich für mich gelohnt. Die Saison mit dem Verein habe ich mir zwar schon erfolgreicher vorgestellt. Im Vordergrund steht allerdings der Spaß am Volleyball.

Der Abstieg ist praktisch nicht mehr möglich, die Playoffs auch in weiter Ferne. Wie motivieren Sie sich für die letzten vier Spiele?

Ich möchte die Saison für uns als Verein und auch als Mannschaft so gut wie möglich zu Ende bringen. Das sind wir auch den Zuschauern und den Sponsoren schuldig. Und wenn man sich das Programm unserer Konkurrenten anschaut, dann haben wir schon noch eine Chance auf die Playoffs.

Normalerweise wird im Profisport in solch sportlich schwierigen Situationen der Trainer infrage gestellt. Woran liegt es, dass das beim TV Rottenburg mit Hans Peter Müller-Angstenberger nicht passiert?

Im Volleyball ist es generell eher selten, dass der Trainer im Kreuzfeuer steht. Außerdem wissen alle im Verein, was sie an ihm haben.

Sie sind in Wuppertal zuletzt selbst Spielertrainer gewesen. Welche Tipps können Sie dem Trainer geben?

Wir besprechen schon relativ viel. Aber da geht es dann mehr darum, die eine oder andere Idee auszutauschen. Ich habe ja auch schon elf Jahre in der Bundesliga gespielt und ein paar Erfahrungen sammeln können.

Wird da dann auch kontrovers diskutiert?

Kontrovers würde ich nicht sagen. Es ist meist eine Ideenfindung. Ich sage nicht, diese Trainingsübung war jetzt schlecht oder so. Es geht eher darum, zu überlegen, was die nächsten Trainingsschwerpunkte sein könnten.

Häufig nutzen sich bestimmte Methoden bei Trainern mit den Jahren ab. Kann der langjährige Trainer Müller-Angstenberger die Mannschaft noch richtig motivieren?

Das ist für mich schwer zu beurteilen, weil ich erst seit dieser Saison dabei bin. Ich glaube aber generell, dass sich die Motivation bei Spielern, die Leistungssport betreiben, nicht abnutzen kann. Und wenn man selbst motiviert ist, dann braucht man nur einen Richtungsweiser.

Der TV Rottenburg steht auf dem vorletzten Tabellenplatz. Wie erklären Sie sich diese schwache Saison?

So schlecht, wie die Tabellensituation aussieht, sind wir nicht. Wir haben drei Spiele erst im Entscheidungs-Satz verloren. Wenn wir die gewinnen, dann haben wir sechs Punkte mehr auf dem Konto und die Welt sieht schon wieder ganz anders aus. Aber es ist nun mal, wie es ist. Das ist für mich jedoch schwer greifbar, weil wir gut arbeiten. Wir hatten jedoch sicherlich auch das eine oder andere schlechte Spiel, gerade auswärts. Und dann waren auch nicht immer alle Schiedsrichter-Entscheidungen ganz glücklich.

Eine alte Sportler-Weisheit sagt, das gleicht sich über eine Saison hinweg alles aus.

Dann werden wir die nächsten vier Spiele verdammt viel Glück haben.

Wie ist denn die Stimmung im Training beim TV Rottenburg? Gibt’s da jetzt nur noch hängende Köpfe oder darf man auch mal einen Scherz machen?

Der Ernst der Lage ist uns durchaus bewusst. Den Kopf lässt deshalb aber keiner hängen. Es ist eher so, dass wir hoffen, dass wir die nächsten vier Spiele gewinnen werden.

Der Trainer hat kürzlich im TAGBLATT gesagt, es gebe zu viele ruhige Typen in der Mannschaft, der Konkurrenzkampf würde zu friedlich ablaufen. Hat er recht?

Jeder kämpft um seinen Platz. Aber ich gebe dem Trainer recht, es könnte etwas mehr sein. Aber das sieht er letztlich besser als ich. Aber manche brauchen eben einen Wachrüttler von Zeit zu Zeit. Ich sage meine Meinung, wenn mir etwas nicht passt – manchmal lauter, manchmal leiser.

Ist der Ton nun rauer geworden im Training?

Rauer nicht, aber direkter. Es ist jetzt eher so, dass mal eine klare Ansage kommt. Und das ist auch gut so.

Welche Rolle haben Sie als Kapitän in dieser sportlich schwierigen Situation?

Ich versuche, alle zusammenzuhalten, und die Jungs daran zu erinnern, was ihre Aufgabe als Sportler ist – nämlich Spiele gewinnen. Ich bin selbstverständlich auch der verlängerte Arm des Trainers.

Wie sind Sie mit Ihrer eigenen Leistung diese Saison zufrieden?

Ich bin zufrieden. Klar hätte ich mir gewünscht, dass der eine oder andere Pass besser angekommen wäre. Es gibt schließlich immer Raum für Entwicklung.

Sie haben vergangenes Jahr für eine Saison unterschrieben. Gibt es bei Ihnen eine Tendenz, wie es weitergehen soll?

Ich fühle mich sehr wohl hier. Es sprechen viele Dinge dafür, dass ich hier weitermache. Sportlich habe ich noch drei, vier Jahre vor mir. Ich hatte eine gute Vorbereitung und fühle mich so fit, wie schon lange nicht mehr.

Fragen von Vincent Meissner

Rottenburg schmettert am Sonntag beim Moerser SC
Noch vier Spiele in der regulären Runde: Zum drittletzten Auswärtsspiel nächsten Sonntag (16 Uhr) fahren die Volleyballer des EnBW TV Rottenburg zum Tabellenvierten Moerser SC in die Sporthalle in Mühlheim an der Ruhr. Im Hinspiel in Tübingen führte Rottenburg bereits mit 2:0 nach Sätzen, verlor letztlich jedoch 2:3. Die Chancen auf einen Einzug in die Playoffs, die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, sind nur noch gering: Rottenburg hat vier Punkte Rückstand auf Platz acht. Rottenburg hat die vergangenen fünf Spiele verloren. Nach seinem Patellasehnen-Riss im Knie (wir berichteten) fehlt Mittelblocker Thomas Ranner.


03.02.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 03.02.2012 - 08:50 Uhr

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