08.02.2012 Drucken Empfehlen
[X]
 per eMail empfehlen


   

Jeder soll Wirtschaft können

Börse Stuttgart stellt Lehrmaterial für Realschulen und Gymnasien vor

Schulkooperationen sind in Zeiten des drohenden Fachkräftemangels in Mode gekommen. Die Börse Stuttgart gibt Lehrern nun Unterrichtsmaterial an die Hand, um die ökonomische Grundbildung zu fördern.

Anzeige


UTE GALLBRONNER
Artikelbild: Börse Stuttgart stellt Lehrmaterial für Realschulen und Gymnasien vor Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer beim Börsenspiel mit zwei Schülern des Konstanzer Scholl-Gymnasiums. Foto: Börse Stuttgart

Stuttgart "Ökonomisches Basiswissen ist ein Bürgerrecht", sagt Christoph Boschan, Geschäftsführer der baden-württembergischen Wertpapierbörse. Diese beiden Begriffe fallen an diesem Tag in der Stuttgarter Börse immer wieder, und genauso oft wird betont, dass dieses Basiswissen an den Schulen nicht ausreichend vermittelt wird. Das soll nun anders werden. In Zusammenarbeit mit Lehrern und dem Kultusministerium hat die Börse zwei Jahre lang getüftelt und erprobt. Herausgekommen ist ein Paket mit Lehrmaterial für Realschulen sowie ein viel umfangreicheres für wirtschaftsorientierte Gymnasien.

An der Konstanzer Geschwister-Scholl-Schule wurde bereits getestet, von leidgeprüften Abiturienten. "Ein Teil des Kurses hatte die Realwirtschaft bereits ausprobiert und ist damit auf den Bauch gefallen", sagt Lehrer Matthias Scholliers. Die Schüler grinsen. T-Shirts mit Mundartsprüchen wollten sie verkaufen. Die Idee sei durchaus angekommen, letztlich passte aber das Geschäftsmodell nicht, wie sie heute wissen.

Also ein Schritt zurück zur Theorie und damit zum Pilotprojekt der Börse. Dabei war das alles gar nicht so theoretisch, wie die Schüler feststellten. "Wir haben nicht einfach nur Definitionen gelernt, sondern wie man das alles am konkreten Beispiel anwendet", erzählt Katharina. Sie haben Grundlegendes erfahren über Preisbildung, Aktien, Investmentfonds oder Anleihen. Sie haben auch gelernt, dass Angebot und Nachfrage nicht alles ist, sondern wie politische Entscheidungen oder Umweltfaktoren unternehmerische Entscheidungen beeinflussen.

Das Praktische für den Lehrer: "Es ist alles ganz nah an dem, was im Unterricht gemacht wird." Von Frontalunterricht bleibt nicht mehr viel übrig: "Die Schüler haben eine Aufgabenstellung, aber das Wissen, um sie zu lösen, haben sie nicht. Deshalb sind sie gezwungen, sich dieses Wissen selbstständig anzueignen." So einfach funktioniert moderne Schule.

Christoph Lammersdorf, Vorsitzender der Geschäftsführung der Börse Stuttgart, ist von diesem Projekt mehr als nur überzeugt, er ist regelrecht begeistert und zwar aufgrund ökonomischer Aspekte: "Aus unseren Umfragen wissen wir, dass es Bedürfnisse für solche Informationen gibt. 84 Prozent messen Kenntnisse in Finanzfragen große Bedeutung zu, andererseits fühlen sich 52 Prozent wenig bis überhaupt nicht gut informiert."

Die Nachfrage ist also da, aber das Angebot passt nicht. Dazu komme der finanzkrisenbedingte schlechte Ruf der Anlageberater. "Wir brauchen keine totale Regulierung der Beratung, sondern wir müssen es den Menschen ermöglichen, dass sie den Beratern auf Augenhöhe begegnen", fordert Lammersdorf. Sein handfestes Beispiel: "Ein Vater von Zwillingen, der ein neues Auto kaufen will, lässt sich ja auch kein Cabrio andrehen. Auf diesem Feld kennen sich alle aus."

Es gilt die ökonomische Basisbildung zu fördern, und da setzt man am besten in den Schulen an. Um die einmalige Geldanlage und das regelmäßige Sparen geht es beim Material für Realschulen. Acht Lernmodule sowie die Fallstudie "Stuttgarter Solar" gehören zum Gymnasialpaket. Alles ist auch in englischer Sprache erhältlich, wird mit Hilfe von Wissenspielen vertieft.

Für Lammersdorf ist seine Vision von der wirtschaftlichen Allgemeinbildung noch nicht Realität. "Mathematik und Rechnen ist ein mindestens so hohes Kulturgut wie Lesen und Schreiben", sagt er. Deshalb gelte es schon bei Grundschülern anzusetzen. "Und dann ist da noch die Frage, was wir mit Schülern machen, die keinen Wirtschaftsunterricht haben oder in anderen Bundesländern zur Schule gehen." Bildungsministerin Gabriele Warminski-Leitheußer versprach schon mal bei den Kollegen zu werben.

08.02.2012 - 08:30 Uhr

Anzeige

Anzeige


Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T�bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Anzeige


Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion

Single des Tages
Anzeige
Coole Streetwear - Mode von Carhartt gibt es bei Def-shop