Die Druckmaschinenhersteller stecken in der Krise. Doch nicht nur sie allein, die Druckbranche insgesamt muss mit heftigem Gegenwind kämpfen. Vor allem für kleinere Druckereien wird die Luft immer dünner.
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Die Hersteller von Druckmaschinen müssen sich gesundschrumpfen. Im Bild ein Blick ins Innenleben einer Maschine von Heidelberger Druck. Foto: dpa
Frankfurt/Heidelberg Die Zahl der Druckereien in Deutschland sinkt seit Jahren, der Druckmaschinenhersteller Manroland musste Insolvenz anmelden - Pessimisten sagen angesichts der Konkurrenz durch iPad und Co. bereits das Ende der Ära Gutenberg voraus. Doch so schlecht wie es scheint, geht es der Branche nicht. "Es wird heute mehr gedruckt als je zuvor", sagt der Präsident der diesjährigen Print Media Messe Drupa im Mai in Düsseldorf, Bernhard Schreier, der auch Vorstandschef der Heidelberger Druckmaschinen AG ist.
Allerdings kommt Heidelberger Druck nicht aus den roten Zahlen. Die Heidelberger hatten erst kürzlich angesichts der weiterhin rückläufigen Nachfrage den Abbau von bis zu 2000 Stellen weltweit angekündigt. "Wir wollen diesmal auf der sicheren Seite sein und nicht noch mal eine Restrukturierung machen", sagte Schreier. Das Unternehmen hat bereits einen Radikalumbau mit tausenden Stellenstreichungen hinter sich. Heidelberger Druck hofft zudem, von den Schwierigkeiten des Konkurrenten profitieren zu können. Es gebe erste Abschlüsse mit ehemaligen Manroland-Kunden, sagte Schreier. "Wir werden durch die Branchenkonsolidierung Marktanteile gewinnen."
Die deutsche Druckmaschinenbranche steckt seit Jahren in der Krise, zuletzt schreckte die Insolvenz der Nummer zwei unter den Druckmaschinenherstellern die Branche auf. Zwar steigt der Bedarf an Gedrucktem in den Schwellenländern und auch der Verpackungsdruck gilt als Wachstumsmarkt. Aber die zunehmende Digitalisierung in den Medien nagt an den Umsätzen der Kunden, den Druckereien.
Die alle vier Jahre stattfindende Leistungsschau in Düsseldorf sorgt regelmäßig für gut gefüllte Auftragsbücher bei den Druckmaschinenherstellern. Nicht nur deshalb schöpft die Branche Hoffnung. Trotzdem profitieren nicht alle Bereiche, der Markt für gedruckte Bücher, Zeitungen und Zeitschriften dürfte eher schrumpfen. Wachstumschancen sieht die Branche vor allem im Verpackungs- und Etikettendruck oder dem Digitaldruck.
Nach einem geschätzten minimalen Umsatzplus von 0,2 Prozent auf 20,3 Mrd. EUR im vergangenen Jahr rechnet der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) 2012 mit einem Umsatzzuwachs in der deutschen Druckindustrie von rund 1,5 Prozent.
Der Werbedruck steht laut Schreier für rund 40 Prozent des Weltmarktes für Druckerzeugnisse mit einem Volumen von insgesamt über 400 Mrd. EUR. Zwar hat die Online-Werbung einen Teil vom lukrativen Kuchen inzwischen für sich vereinnahmt, doch nach wie vor ist Print mit einem Anteil von über 40 Prozent der stärkste Werbeträger in Deutschland, wie BVDM-Hauptgeschäftsführer Paul Albert Deimel berichtet. Er geht davon aus, dass das Anzeigenvolumen weiter sinken wird, dafür würden aber andere Werbeformen wie Direktmailing und Beilagen zulegen. Online-Drucker machen klassischen Druckereien allerdings zunehmend das Leben schwer. Ihre Stärke: Sie sind vergleichsweise billig.
Hoffnungen setzt die Branche daher vor allem auf den Verpackungsdruck. Er lässt sich nicht durch Online-Druck ersetzen und macht bisher rund 25 Prozent des Weltmarktes für Druckerzeugnisse aus. Zwar spielen die boomenden Märkte in Schwellenländern für die deutschen Drucker laut Deimel kaum eine Rolle. Doch auch in Europa sieht die Branche Spielräume, weil die Bedeutung der Verpackung als Image- und Werbeträger steigt. Bis 2014 wird dem Verpackungsdruck weltweit ein Wachstumspotenzial von 17 Prozent vorausgesagt.
"Es ist also völlig falsch, den Niedergang der Branche zu besingen, allerdings wird nicht jede der noch rund 10 000 Druckereien in Deutschland überleben", sagt Deimel. Vor allem die kleineren Betriebe mit 20 Mitarbeitern und weniger dürften es angesichts des anhaltenden Preiskampfes schwer haben, es sei denn sie spezialisieren sich auf besondere Dienstleistungen oder Nischenprodukte.
Und die Druckmaschinenhersteller? Sie setzen unter anderem auf Schwellenländer wie China und Brasilien, wo der Verpackungsdruck boomt.