Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner hat Rick Santorum überraschend drei Vorwahlen gewonnen. Beobachter halten ihn dennoch für nicht vermittelbar: Er ist extrem konservativ.
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PETER DE THIER
Gegen Homosexuelle und Schwangerschaftsabbruch, für Familienwerte und Bomben auf den Iran: Der Republikaner Rick Santorum. Foto: afp
Washington Die Siegesserie des bereits als Favorit geltenden republikanischen Bewerbers um die Kandidatur für die US-Präsidentschaft, Mitt Romney, ist gestoppt. Mit drei überraschenden Siegen bei den Vorwahlen in den US-Bundesstaaten Colorado, Minnesota und Missouri hat sich der christlich-konservative Kandidat Rick Santorum wieder ins Gespräch gebracht und damit eine der größten Schwächen des Hoffnungsträgers bloßgelegt: Dem als moderat geltenden Romney stehen konservative Wähler nach wie vor skeptisch gegenüber.
Noch vor wenigen Tagen deutete alles auf ein Duell zwischen Präsident Barack Obama und dem ehemaligen Gouverneur von Massachusetts, Romney, hin. Nach seinen überzeugenden Wahlerfolgen in Florida und Nevada werde der Multimillionär nicht mehr zu bremsen sein, glaubten Experten. Nun aber machten ihm konservative Wähler im mittleren Westen einen Strich durch die Rechnung. Deren Kriterium: Der steinreiche Romney sei zu moderat und verstehe nicht die Sorgen des Durchschnittsbürgers, während Santorum für jene "konservative Familienwerte" eintritt, die Wählern in Amerikas "Bible Belt" am Herzen liegen
Die Strategie des ehemaligen Senators aus Pennsylvania scheint somit Früchte zu tragen. Lange Zeit lag er in den Wählerumfragen hoffnungslos abgeschlagen an letzter Stelle. Dann konzentrierte sich Santorum auf die Auftaktveranstaltung in Iowa, wo der 53-Jährige sämtliche 119 Wahlbezirke besuchte. Mit dem anschließenden Sieg beim traditionsreichen "Caucus" positionierte sich Santorum als "konservative Alternative". Bei den Vorwahlen landete er dann wieder auf den hinteren Rängen und konzentrierte sich auf Staaten mit einem hohen Anteil konservativer Wähler.
Von seinen drei Siegen beflügelt, attackierte Santorum den Präsidenten. "Ich stehe nicht vor ihnen als konservative Alternative zu Mitt Romney", sagte er vor jubelnden Anhängern in St. Louis. "Ich stehe hier als konservative Alternative zu Barack Obama." Von der Schlappe enttäuscht, versuchte das Romney-Lager, das schlechte Abschneiden herunterzuspielen. "Wir können nicht jede Woche gewinnen", sagte Romney-Berater Stuart Stevens und betonte, sein Kandidat werde nun sämtliche Ressourcen auf die Super-Tuesday-Vorwahlen am 6. März konzentrieren.
Doch obwohl er zum Liebling des rechtsgerichteten Parteiflügels aufgestiegen ist, halten die meisten politischen Experten Santorum für zu konservativ, um als Spitzenkandidat tragfähig zu sein. Unter anderem behauptet der achtfache Vater, er habe "ein großes Problem mit Homosexuellen". Schwulenehen lehnt er ebenso ab wie legalen Schwangerschaftsabbruch und er würde Ehebruch zur Straftat machen. Die Trennung von Kirche und Staat lehnt Santorum kategorisch ab. Er will von schärferen Waffenkontrollen nichts wissen und bezieht in der Außenpolitik einige als extrem geltende Positionen. Unter anderem fordert er den Austritt der USA aus vielen internationalen Organisationen und würde nicht zögern, iranische Ziele zu bombardieren, sollte sich Teheran weigern, seine Atomlager für Inspektoren zu öffnen.
Als wahrer Sieger des Abends gilt Obama, dessen Wahlmanager sich angesichts der Zerstrittenheit unter den Republikanern die Hände reiben können. Romney hingegen verfolgt eine andere Strategie: Er sieht den internen Kampf zwischen den beiden konservativen Herausforderern Santorum und Newt Gingrich. Sie werden weiter um die Stimmen rechtsgerichteter Wähler buhlen. "Früher oder später wird Gingrich und Santorum das Geld ausgehen", glaubt der demokratische Stratege Paul Begala. "Darauf wartet Romney relativ gelassen."