Jahrelang wurde auf Italiens Straßen eine Hymne auf einen Camorra-Boss geträllert. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.
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BETTINA GABBE
Rom Die Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft von Neapel hat Ermittlungen gegen den Sänger und Autor einer Hymne auf einen Camorra-Boss aufgenommen. Der Video-Clip "O capo clan" von Nello Liberti verherrliche die kriminelle Welt der Mafia und stifte das Publikum zur Unterwerfung unter die Regeln von Clan-Chefs an, lautete die Begründung.
Das zuständige Untersuchungsgericht verfügte die Festnahme von 41 Personen, die am Bandenkrieg der Nachbarstadt Ercolano beteiligt sein sollen. Der Sänger der Hymne auf den 2007 in der Haftanstalt von Parma an einem Herzinfarkt verstorbenen Clan-Chef Vincenzo Oliviero bleibt derweil auf freiem Fuß.
Drei Darsteller aus dem Video-Clip für die beanstandete Hymne verschwanden indes hinter Gittern. Sie spielten in dem knapp fünf Minuten währenden Video sich selbst als ausführende Organe des Mafia-Bosses. Der Clip zeigt neapolitanische Jugendliche, die bei der Suche nach Arbeit allein auf die örtliche Mafia-Organisation Camorra vertrauen.
Während der Neapolitaner Nello Liberti im örtlichen Dialekt mit süßlicher Stimme die Tugenden des Clan-Chefs rühmt, erhalten die Jugendlichen den Auftrag, eine Person zu töten, deren Namen sie auf einem Zettel mitgeteilt bekommen. Nach der Hinrichtung findet sich der Clan-Chef hinter Gittern wieder. Er sehnt sich nach Frau und Kindern. In seiner Zelle bittet er Gott, sich um seine Familie zu kümmern: "Wenn Du aber keine Zeit hast, mach dir keine Sorgen, ich kümmere mich selbst drum."
Der in der Hymne gefeierte Boss war 2004 zum Zeitpunkt der Entstehung des Videoclips noch auf der Flucht. "Der Clan-Chef macht keine Fehler, denn für die Familie ist er der Boss, der wissen muss, wie man befiehlt!"
Der Boss sei nicht böse, ihm gebühre Respekt, beschwört die Stimme des Neapolitaners im Video die Zuhörer. "Wenn er doch mal einen Fehler gemacht hat, dann aus schierer Not und sicher auf Gottes Wunsch hin." Nach dem der Ohrwurm jahrelang auf den Straßen von Ercolano geträllert wurde, verschwand der Sänger mittlerweile aus seiner Heimatstadt, um auf See sein Glück zu suchen.