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Handel brummt, Vögel hungern

Gewinner und Verlierer der anhaltenden Kältewelle

Eis und Schnee haben Deutschland seit mittlerweile gut einer Woche fest im Griff. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz: Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer der anhaltenden Kältewelle?

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DPA
Artikelbild: Gewinner und Verlierer der anhaltenden Kältewelle Stillstand am Genfer See: Dieses Boot ist mit so viel Eis überzogen, dass das Gewicht es nach unten drückt. Foto: Imago

Die Gewinner

Artikelbild: Gewinner und Verlierer der anhaltenden Kältewelle Auf Meisenknödel und anderes "Zubrot" sind Gartenvögel jetzt angewiesen.

Heiz- und Sanitärunternehmen: - Die Telefone stehen bei den Minusgraden nicht still. Heiz- und Sanitärunternehmen reparieren geplatzte Wasserrohre und ausgefallene Heizungen im Akkord.

Pannendienste: ADAC-Pannenhelfer sind im Dauereinsatz. Bei Eisschrank-Temperaturen kapituliert die eine oder andere Autobatterie - der häufigste Grund, warum die Helfer derzeit gerufen werden.

Allergiker: Die Kältewelle ist für Allergiker ein großes Glück. Die Belastung durch Erlen- und Haselpollen sei im Moment sehr gering, heißt es beim Deutschen Allergie- und Asthmabund.

Wintersportler: Skifahrer und Langläufer mussten lange auf Kälte und Schnee warten - nicht nur auf den Skipisten der Zugspitze und im Harz herrscht deshalb seit Tagen reger Betrieb.

Kürschner: Die Berliner Kürschner freuen sich derzeit über steigende Umsätze. Der bei Umweltschützern verpönte Pelz "ist einfach wärmer als jede Steppjacke", sagte Innungs-Obermeister Peter Hoppe.

Brennstoffunternehmen: Die Kälte treibt viele Hausbesitzer zu Last-Minute-Käufen beim Heizöl. Zuvor hatten sie sich wegen der hohen Preise zurückgehalten.

Textilbranche: Der Handel wird nun doch mehr Winterkleidung los.

Der Verkauf von Jacken, Handschuhen und Schals brummt. Auch die Jecken wollen nicht frieren - Plüschkostüme sind gefragt.

Die Verlierer

Solarenergie: - Schnee und Eis haben die Erzeugung von Solarenergie in Süddeutschland in einen Winterschlaf versetzt. "Wenn mehr als zwei Zentimeter Schnee auf den Anlagen liegt, wird kein Strom mehr produziert", erklärte Hartmut Will von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie in München.

Schifffahrt: Zahlreiche Flüsse liegen unter Packeis und zwingen Binnenschiffer in die Häfen. Einige Schiffer bangen bereits um ihre Existenz. Immerhin: In Magdeburg konnte Eisbrecher "Seebär" einen festgefahrenen Frachter befreien.

Eisdielen: Der große Verlierer der Kältewelle sind die Eisdielen. Wenn überhaupt, ist dieser Tage "Heiße Liebe" gefragt - Vanilleeis mit heißen Himbeeren.

Heimische Vögel: Die Vögel sind derzeit nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) verstärkt auf Futter aus Menschenhand angewiesen. Am bretthart gefrorenen Boden ist für die Wintervögel nicht allzu viel zu finden.

Wattvögel: Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer haben bereits dutzende erfrorene Wattvögel an den Stränden im Nationalpark Wattenmeer gefunden. Sie hätten die vergangenen Nächte mit Tiefsttemperaturen unter minus 15 Grad nicht überlebt, teilten Vogelexperten gestern in Husum (Schleswig-Holstein) mit. Allein am westlichen Büsumer Deich wurden 91 tote Vögel gefunden. "Wahrscheinlich haben die Vögel im fast völlig vereisten Wattenmeer keine Nahrung mehr gefunden und sind deshalb verhungert", vermutet Diplom-Biologe Klaus Günther, Vogelexperte der Schutzstation. An Strand-Spaziergänger appelliert der Experte, zu rastenden Vögeln größere Abstände einzuhalten: Unnötiges Aufscheuchen koste zuviel Energie.

Autofahrer: Die Kälte zwingt immer mehr Autos in die Knie. Entweder macht die Batterie schlapp, oder der Diesel ist eingefroren. Der Umstieg auf Bus und Bahn ist nicht immer eine gute Idee. Vielerorts gibt es auch bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben Probleme.

Viehwirtschaft: In offenen Ställen wird die Wasserversorgung schwieriger, weil Leitungen einfrieren und Tränken vereisen. Die Kühe selbst sind aber entspannt. "Die geben sich ja gegenseitig Wärme ab", sagte ein Sprecher des Landesbauernverbands in Baden-Württemberg.

Urlauber auf Mallorca: Die spanische Ferieninsel Mallorca hat die tiefsten Temperaturen seit 40 Jahren registriert. In Palma de Mallorca sind bereits minus 5,7 Grad gemessen worden.

Zootiere: Die Giraffen in der Wilhelma in Stuttgart müssen sich wegen Glatteises mit einer Ausgangssperre abfinden. "Die Gefahr, dass sich die Tiere die Beine brechen, ist einfach zu groß", sagte Wilhelma-Zoologe Günther Schleussner.

Streunerkatzen: Freilebende Katzen finden bei Minustemperaturen nur schwer Futter oder einen trockenen Schlafplatz. Viele der Tiere erfrieren oder sterben an Unterernährung. Wer ein Gartenhaus hat, kann beispielsweise die Tür einen Spalt geöffnet lassen. Als Alternative sind auch ein Karton oder eine ausgestopfte Kiste geeignet, erläutert die Tierschutzorganisation Vier Pfoten.

Wichtig sei bei der Kälte auch, den Tieren Futter anzubieten. Denn natürliche Beutetiere wie Mäuse oder Insekten sind bei Frost oder Schnee nur schwer zu finden.

09.02.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 09.02.2012 - 08:42 Uhr

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