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Kalt, kälter, klirrend

Europa friert bei eisigen Temperaturen - Erneut Todesopfer im Osten

Deutschland friert. Der ADAC ist im Dauereinsatz. In Niedersachsen hat die Kälte erneut ein Todesopfer gefordert. Auch in Polen und Tschechien stieg die Zahl der Kälte-Opfer weiter.

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DPA/AFP
Artikelbild: Europa friert bei eisigen Temperaturen - Erneut Todesopfer im Osten Autofahrer werden auf rutschigen Fahrbahnen ausgebremst (wie oben auf der A96 in Bayerisch-Schwaben), Schiffe wie der "Seelöwe" in Berlin müssen sich durch Eisschollen kämpfen. Spaß haben dagegen die Schlittschuhläuferinnen in Hamburg: Die zugefrorene Außenalster darf seit gestern auf eigene Gefahr betreten werden. Fotos: dpa

Offenbach . Es bleibt klirrend kalt. Die Nacht zum Dienstag hat zum Teil Temperaturen um die minus 25 Grad gebracht. Rekordwerte waren nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aber meist nicht dabei. In Nordrhein-Westfalen brachte es die Kälte auf Temperaturen bis zu minus 22,5 Grad (in Nettersheim) - was zumindest in Nordrhein-Westfalen nach Messungen des Wetterdienstes Meteomedia für die bislang kälteste Nacht sorgte. In Niedersachsen hat es erneut einen Kältetoten gegeben.

Ein 75-jähriger Rentner war bereits vergangene Woche auf einem Feldweg zwischen Husum und Brokeloh in eisiger Kälte gefunden worden. Eine Obduktion habe Unterkühlung als Todesursache ergeben, sagte eine Polizeisprecherin gestern.

In Polen ist die Zahl der Kältetoten ebenfalls gestiegen. In der Nacht zu gestern erfroren sechs meist obdachlose Menschen, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums in Warschau mit. Damit starben seit Beginn der Kälteperiode allein in Polen 68 Menschen an den Folgen der Kälte.

In Tschechien stieg die Zahl der Kältetoten seit Beginn der Kälteperiode auf 20. In einer Prager Kleingartenkolonie fanden Polizisten gestern die Leiche eines 44 Jahre alten Obdachlosen.

Die tiefste Temperatur wurde zuletzt mit minus 24,8 Grad in Sindelova (Schindlwald) im westlichen Erzgebirge gemessen. Bei spiegelglatter Fahrbahn kam es im ganzen Land zu zahlreichen Verkehrsunfällen. In der Gemeinde Kasejovice in Westböhmen rutschte ein Lastwagen in ein Wohnhaus.

Mit Temperaturen um minus 14 Grad war es in Polen gestern zwar nicht mehr so kalt wie in der vergangenen Woche. Mehrere Schulen vor allem in ländlichen Regionen blieben jedoch geschlossen, weil Heizungsrohre in der Dauerkälte kaputt gingen. Der Dauerfrost bremst auch den Fußball im Warschauer Nationalstadion aus: Wegen der andauernden Minustemperaturen seien die polnischen Rasenrollen gefroren und könnten nicht ausgerollt werden, berichtete die "Gazeta Wyborcza". Nun soll Rasen aus Holland das erste Spiel am Samstag ermöglichen - doch auch der kam angefroren in Polen an.

Auf den Straßen in Deutschland ist der ADAC derzeit im Dauereinsatz. In Mecklenburg-Vorpommern haben die Pannenhelfer bei sibirischer Kälte derzeit fast viermal so viel zu tun wie sonst. Die Zahl der Einsätze stieg auf bis zu 811 am Tag, davon 85 Prozent wegen defekter Batterien, teilte der ADAC Hansa gestern in Schwerin mit. Normal seien im Jahresdurchschnitt täglich etwa 225 Einsätze. Am Stettiner Haff im Nordosten war am Montag der Rekordwert von minus 29 Grad gemessen worden.

Der Dauerfrost lässt erste Binnenschiffer um ihre Existenz bangen. "Nachdem der letzte Winter schon so heftig war und wir drei Monate lahmgelegt waren, trifft uns dieser umso härter", sagt Kapitän Reinhard Weiß aus Hohenwarthe bei Magdeburg. Er mache jeden Tag rund 1000 Euro Verlust, wenn seine beiden Schiffe im Eis auf der Elbe festsitzen.

Seit einer Woche können die beiden Schubboote des 56-Jährigen den Magdeburger Hafen nicht mehr verlassen. "In solchen Zeiten kommen da schon mal Existenzängste auf", sagte Weiß. "Die entstandenen Verluste können wir das ganze Jahr nicht aufholen." Zwar habe jede Jahreszeit so ihre Tücken für die Schifffahrt - Hochwasser, Niedrigwasser oder Stürme - doch der Winter sei die härteste Belastungsprobe.

Indes scheinen die kältesten Nächte jetzt erst einmal vorbei zu sein, doch bleibe es tagsüber frostig, sagen die Wetterexperten. Morgen erwarten sie von Osten her ein neues Schneefallgebiet, das vor allem der Südosthälfte Deutschlands wieder einige Zentimeter Neuschnee bescheren soll.

08.02.2012 - 08:30 Uhr

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