Mathe-Studenten der Stuttgarter Uni waren durch einen fehlenden Schlüssel an einer Klausur gehindert. Die gilt für sie automatisch als bestanden.
Anzeige
WOLFGANG RISCH
Stuttgart Die Mathematik, ist auf der Homepage des Fachbereichs der Universität Stuttgart zu lesen, "ist eine moderne Schlüsseltechnologie mit ständig wachsender Bedeutung". Wobei die Betonung nicht immer auf Technologie liegen sollte, sondern gelegentlich auch auf Schlüssel. "Klassische Anwendungsgebiete sind die Physik und die Ingenieurwissenschaften", mitunter aber auch nur das Schloss, das den Zugang zu den theoretischen Fundamenten auch "der Biologie, der Medizin oder den Gesellschaftswissenschaften" ermöglicht. Oder eben nicht.
An einem Schloss - genauer: dem passenden Schlüssel - sind "durch eine Verkettung unglücklicher organisatorischer Umstände" (Uni-Kanzlerin Bettina Buhlmann) am Samstag mehrere hundert Studenten gescheitert, die eine Klausur "Höhere Mathematik I für Ingenieurstudiengänge" ablegen sollten und stattdessen in klirrender Kälte vor dem Hörsaal standen. Die Uni lässt sie jetzt nicht noch zusätzlich im Regen stehen, sondern entschuldigt sich "in aller Form" - und wertet die Klausur als bestanden.
Unter den Kommilitonen, die die Prüfung in den elf anderen Hörsälen ablegen mussten, sorgt dies nach Medienberichten für Verstimmung. Einige sollen ob der gefühlten Ungerechtigkeit des vermeintlichen Frei-Scheins schon mit dem Anwalt gedroht haben. Der Unmut ist dem Vernehmen nach vor allem bei jenen groß, die am Samstag durchgefallen sind.
Die Leitung der Stuttgarter Uni hält gleichwohl an dieser Entscheidung fest, "nach Abwägung aller möglichen Vorgehensweisen", begründet Kanzlerin Buhlmann die Haltung und erneuert in einem Schreiben die Zusage vom Samstag, die Ausgesperrten müssten die Klausur nicht nachschreiben, könnten dies aber tun, wenn sie wollten, um ihren Leistungsstand überprüfen zu lassen.
Buhlmann verweist in diesem Zusammenhang sozusagen auf das kleine Einmaleins des Studierens: Die Scheinklausur diene mit dazu, zur Modulprüfung zugelassen zu werden, sei also ein "Instrument der Selbstkontrolle", ein Antreten zur Modulprüfung ohne bestandene Scheinklausur erhöhe das Risiko des Durchfallens. Vor diesem Hintergrund sei eine Schlechterstellung der Studierenden, die am Samstag nicht ausgesperrt waren, nicht zu erkennen, "auch wenn manche dies subjektiv vielleicht anders empfinden". Soll heißen: Der Schlüssel zum Erfolg ist das angeeignete Wissen, nicht der Frei-Schein.