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Morsche Bäume müssen weg

Motorsäge wird allein in Stuttgart jedes Jahr 700 Mal gebraucht

Für Stuttgart 21 sind mehr als 100 Bäume im Schlossgarten abgeholzt worden. Auch in vielen anderen Städten fallen derzeit Bäume. Proteste sind meist zwecklos, in der Regel gilt: "Baurecht vor Baumerhaltung".

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LSW

Stuttgart Nicht nur im Stuttgarter Schlossgarten wird abgeholzt: Die Südwest-Städte lassen auch in diesem Jahr tausende Bäume umsägen, die alt und brüchig sind oder einem Bauvorhaben weichen müssen. Allein in Stuttgart sind es Jahr für Jahr rund 700 Bäume, in Heilbronn in diesem Winter etwa 600, in Karlsruhe 510, in Mannheim 366, in Freiburg etwa 300, in Ulm in diesem Jahr mindestens 285. Dies ergab eine Umfrage. In einer Woche beginnt die Vegetationsperiode - dann darf bis Ende September nicht mehr gerodet werden.

"Viele Fällentscheidungen werden kurzfristig getroffen, zum Beispiel aus Gründen der Verkehrssicherheit", sagt Svenja Stickert von der Stuttgarter Stadtverwaltung. Bevor ein dicker Ast abbreche oder gleich ein Baum umstürze, wird er vorsorglich entfernt. Im Stadtteil Bad Cannstatt müssen zwölf Bäume für den Bau eines Sportplatzes und zweier Tennisplätze weichen. Acht Laubbäume sollen zum Ausgleich nachgepflanzt werden.

Allein die Landeshauptstadt zahlt jährlich zwei Millionen Euro für Bauminspektionen. In Ulm belaufen sich die Kosten für die Pflege auf 600 000 Euro, in Tübingen auf etwa 200 000 Euro.

Proteste gegen Abholzungen gibt es auch außerhalb von Stuttgart, wenn auch nicht so heftig. Die Karlsruher Rathaussprecherin Helga Riedel zeigt Verständnis: "Es ist uns ein Anliegen, Stadtbäume zu erhalten, da sie für das Stadtklima wichtig sind." In Karlsruhe suche man den Dialog mit naturverbundenen Bürgern. Allerdings habe man auch die Erfahrung gemacht, die man aus Stuttgart kennt: "Der Hinweis auf demokratische Entscheidungen, die Baumfällungen zur Folge haben, hat bei Betroffenen nicht immer Überzeugungskraft."

In Freiburg gelte grundsätzlich "Baurecht vor Baumerhaltung", betont Martin Leser vom Garten- und Tiefbauamt. In der Stadt gibt es 50 000 Straßen- und Parkbäume. Viele der etwa 300 Bäume, die in diesem Winter gefällt werden, seien entweder verpilzt oder dürr. Auch in Mannheim ergaben regelmäßige Inspektionen, dass viele der städtischen Robinien von Wurzelstockfäule befallen sind und darum nicht stehen bleiben können. In Tübingen kommen in diesem Winter nur 39 Bäume weg: "Die Fällungen waren aufgrund von verschiedenen Krankheiten oder wegen Sturmschäden notwendig", erklärt Sprecher Christian Sander. Gezählt werden dabei nur Bäume mit mehr als 30 Zentimeter dickem Stamm.

Heilbronn versucht wie die anderen Städte auch, für jeden gefällten Baum auch einen neuen zu pflanzen. Das gilt aber nur, wenn ein Baum nicht genug Platz zum Wachsen hatte. Gefällt würden vor allem Straßenbäume, hieß es. Diese hätten ohnehin nur eine Lebenszeit von 40 bis 60 Jahren.

"Auf jeden gefällten Baum sollten zwei Neupflanzungen kommen", sagt der Sprecher der Stadt Konstanz, Walter Rügert. Zwischen 1999 und 2009 habe es 850 Fällungen gegeben - und 2000 Neupflanzungen. Ähnlich in Karlsruhe: 742 Jungbäume machen in diesem Winter die 510 abgeholzten Bäume mehr als wett.

Die städtischen Kontrolleure können nicht nur abholzen, sondern auch pflegen. "Schwerpunkt ist die Kronenpflege", sagt Riedel in Karlsruhe. Dazu gehört auch das Freischneiden von Straßenbeleuchtungen oder Verkehrsschildern. Seilkletterer steigen in die Wipfel und entfernen überflüssiges Geäst. In Karlsruhe betrifft das jährlich etwa 12 500 Bäume. In Stuttgart wird jeder vierte der 100 000 städtischen Bäume beschnitten - selten aus kosmetischen, meist aus sicherheitsbedingten Gründen.

22.02.2012 - 08:30 Uhr

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