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Eine Starterschule für Ravensburg

Hauchdünne Mehrheit nach Aus für Modellversuch

Länger gemeinsam lernen - Ravensburg war da im Südwesten vornedran. Mit dem Wechsel zu Grün-Rot wurde das Schulrebellen-Modell regierungsamtlich. Jetzt beantragt die Stadt auch eine Gemeinschaftsschule.

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ALFRED WIEDEMANN
Artikelbild: Hauchdünne Mehrheit nach Aus für Modellversuch Ravensburg hat jetzt auch noch den Finger gestreckt: Die Stadt will im Herbst zu den ersten gehören, die eine Gemeinschaftsschule bekommen. Archivfoto

Ravensburg Den Antrag auf eine Modellschule musste Ravensburg zurückziehen, die Stadt will jetzt aber im Herbst eine Gemeinschaftsschule: Mit 19 zu 18 Stimmen hat der Gemeinderat beschlossen, einen Antrag beim Kultusministerium zu stellen. Die Stefan-Rahl-Schule im Ravensburger Süden mit einem Einzugsgebiet von 15 000 Menschen soll unter den "Starterschulen" sein. 94 Buben und Mädchen gehen auf die Grundschule im Ortsteil Obereschach, 110 sind es in Klasse fünf bis neun, die neue Schulform soll mit Klasse fünf beginnen.

SPD, Grüne, Freie Wähler und "Bürger für Ravensburg" setzten sich mit nur einer Stimme Mehrheit durch, die CDU sah noch Beratungsbedarf, die Stadtverwaltung wollte auch noch länger am Schulentwicklungskonzept feilen.

"Wir können zufrieden sein", sagt Manfred Lucha, Landtagsabgeordneter, Grünen-Fraktionschef im Ravensburger Stadtrat - und lange im Einsatz für längeres gemeinsames Lernen. Eine Modellschule wollte Ravensburg schon gegen den Widerstand der schwarz-gelben Regierung. Ohne Trennung nach der vierten Klasse, mit jahrgangsübergreifendem Unterricht in Lerngruppen mit 25 Schülern, aufgeteilt in vier Stufen - mit den Klassen 1 bis 3, 4 bis 6, 7 und 8, 9 und 10.

Einer setzte sich unermüdlich für das neue Lernen ein: Rudolf Bosch, Rektor der Kuppelnau-Schule in der Innenstadt, bekannt geworden als "Hauptschulrebell". 2007 hatte er mit anderen Rektoren per Brief an Kultusminister Helmut Rau (CDU) dazu aufgefordert, am gegliederten Schulsystem endlich zu rütteln. Die "Hauptschulrebellen" mussten sich einen Rüffel abholen. Aufgeben war aber nicht. Bosch, der zur Grünen-Fraktion im Gemeinderat zählt, arbeitet inzwischen im SPD-geführten Kultusministerium, berät Schulen, die an der neuen Gemeinschaftsschule interessiert sind.

Jetzt soll die erste Gemeinschaftsschule in Ravensburg nicht Kuppelnau heißen, sondern Stefan-Rahl-Schule. Als das Land den oberschwäbischen Modellversuch wegen zu großer Nähe zur neuen Gemeinschaftsschule ablehnte, wurde zuerst die Neuwiesenschule in der Südstadt ausgeguckt als Ort fürs neue Lernen. Doch Eltern und Lehrer wollten nicht. Nächster Standort war die Kuppelnau. Grund- und Werkrealschule sollten fusionieren. Das schmeckte manchen Eltern nicht. Obereschach sprang in die Bresche, legte ein ausgereiftes Konzept vor und konnte auf das Votum des Ortschaftsrats verweisen.

Ravensburg hat Chancen, sich noch einzureihen bei den Gemeinschaftsschulen, die im Südwesten zum Schuljahr 2012/2013 loslegen. Nachzügler-Schulen müssten allerdings "die hohen Anforderungen erfüllen", die bei den bereits ausgesuchten "Starterschulen" angelegt wurden, sagt Armin Kübler vom Kultusministerium. 34 Schulen sind schon gesetzt, Mitte Januar präsentierte das Ministerium die Liste. Ravensburg stand nicht darauf, aber drei Orte aus dem Landkreis: Bergatreute, Amtzell und Eglofs.

Lucha hofft, dass die Rahl-Schule den Zuschlag bekommt. Und im Herbst 2013 auch die Kuppelnau-Schule. "Eine Gemeinschaftsschule auch für die Innenstadt, das wäre perfekt." Geld müsse die Stadt dafür aber schon in die Hand nehmen. "Das neue Bürgerrathaus muss eben warten", meint Lucha - der angepeilte Zentralbau für die auf elf Gebäude verteilte Stadtverwaltung.

09.02.2012 - 08:30 Uhr

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