Frost: Viel Arbeit für Autowerkstätten und Flaschner
Autobatterien ausverkauft. Flaschner und Heizungsinstallateure im Dauereinsatz. Die eisigen Temperaturen fordern ihren Tribut. Manche Frostschäden ließen sich aber leicht vermeiden, sagen Experten.
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Uschi Hahn
Wenn nach frostigen Nächten die Batterie streikt, ist nachbarschaftliche Starthilfe gefragt. Wenn allerdings die Batterie kaputt ist, bleibt der Wagen bei nächster Gelegenheit wieder stehen. Bild: Metz
Kreis Tübingen. Im Autohaus Schell an der Tübinger Europastraße steht die Waschanlage still. Eingefroren, wie Hans-Peter Schell sagt. Schlimm sei das nicht, findet er: „Im Moment würde ich eh niemand raten, sein Auto zu waschen.“ Zu groß ist die Gefahr, dass die Feuchtigkeit an den Gummidichtungen im Nu vereist und die Türen zufrieren. Schlimmer für ihn und seine Kundschaft ist da schon, dass die Autobatterien in den gängigen Größen ausverkauft und auch die Lager der Lieferanten leer sind. Bis Nachschub kommt, könne es „ein paar Tage dauern“.
Täglich bis zu zehn Noteinsätzen fahren der Techniker Uli Herzog und seine Kollegen aus dem Autohaus Schell derzeit. Sie werden gerufen, weil der Wagen morgens gar nicht erst anspringt oder während der Fahrt plötzlich der Motor stottert. Grund ist dann meist versulzter Treibstoff. „Vor allem die Diesel-Einspritzer fallen aus“, sagt Hans-Peter Schell. Dass der Kraftstofffilter wegen des vor Kälte klumpigen Sprits verstopft, könne „auch während der Fahrt passieren“.
Dabei bräuchte man nur an der Tankstelle zur richtigen Zapfsäule greifen und frostsicheren Winterdiesel tanken. Von der früher üblichen Beimischung von Benzin in den Dieseltank rät Schell indes ab: „Das vertragen die Motoren heute nicht mehr.“
Fast zwanzig Grad Minus in der Nacht und Tagestemperaturen, die immer noch weit unter Null liegen: Das streikt derzeit auch so manche Heizung. Auch hier ist versulztes Öl das Problem, wie Benjamin Schaible aus Poltringen sagt. Sein Vater ist Innungsmeister der Flaschner und Heizungsinstallateure im Kreis Tübingen. Bisher hielten sich die frostbedingten Noteinsätze der Schaibles und ihrer Mitarbeiter im Rahmen. Erst drei Mal, so der Juniorchef, wurden sie zu eingefrorenen Wasserleitungen gerufen. „Da wurde zu wenig geheizt“, sagt Schaible. Eine der Problemzonen sei dabei der Kniestock unterm Dach alter Häuser. Da seien oft weder die Wände ausreichend gedämmt noch die Leitungen ordentlich isoliert. Schaibles Tipp: „Immer ausreichend heizen.“ Auch wenig benutzte Räume sollten immer überschlagen sein. Und damit es dem Öltank nicht zu kalt wird, sollte man nicht nur alle Kellerfenster schließen, sondern im Zweifelsfall auch einen Elektro-Radiator aufstellen. „Aber auf keinen Fall mit einer offenen Flamme heizen“, warnt Schaible.
Sorgloser als die Ammerbucher scheinen die Tübinger mit der Frostgefahr umzugehen. Jedenfalls sind die Mitarbeiter der Firma Dinkel, „seit drei vier Tagen mit nichts anderem mehr beschäftigt, als Wasserrohre abzudichten“, wie der Chef Georg Thalmüller sagt. So wurden sie am Wochenende in eine leer stehende Gastwirtschaft gerufen, die gerade renoviert wird. „Da waren Wasser und Heizung komplett eingefroren“, so Thalmüller. Aber es waren auch alle Fenster gekippt. „Den Leuten kann man dann halt nicht helfen“, sagt der Dinkel-Chef. Häufig erlebe man auch, dass Klofenster „aus Gewohnheit“ gekippt sind. Ein kleiner Heizkörper sei dann „schnell eingefroren“ – und das selbst dann, wenn er „er in Betrieb ist“, weiß Thalmüller. Auch er warnt vor zu viel Lüftung im Heizraum. „Da wird das Fenster gekippt, weil es nach Öl riecht“, berichtet der Experte. „Und irgendwann ist das Öl unter fünf Grad und dann versulzt es“, stellt er fest.
Wie sein Poltringer Kollege rät auch der Mann von Dinkel dazu, „in allen Räumen die Beheizung sicherzustellen“. Denn schon, wenn die Zirkulation an nur einer Stelle unterbrochen sei, könne im Wasserleitungssystem „alles zufrieren“. Der Thermostat müsse immer „auf eins oder zwei stehen“. Und das auch dann, wenn man verreist. „Sonst kommt man aus dem Urlaub zurück und dann ist der Supergau da.“
Wenn aber eine Leitung erst einmal vereist sei, sagt Thalmüller, sei es das Wichtigste „dass das zugefrorene Teil abgesperrt wird“. Sonst nämlich droht spätestens bei Tauwetter der große Wasserschaden.