Das Ex-Kino Löwen als Bühne für Tübinger Nachwuchsbands
Gleich fünf Nachwuchsbands aus der Jamclub Musikschule rockten am Freitagabend im ehemaligen Kino Löwen. Für die 200 Zuhörer waren das drei Stunden Groove satt.
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DOROTHEE HERMANN
Blackout sind die derzeit jüngste Band im Tübinger Jamclub. Von der Lichttechnik dramatisch in Szene gesetzt, begeisterten sie am Freitagabend im ehemaligen Kino Löwen bei der Bandnacht der Jamclub Musikschule.Bild:Ulmer
Tübingen. Den schwärzesten Namen hat sich die jüngste Band ausgesucht: Blackout stimmten mit bluesartigen Gitarrenakzenten auf die Bandnacht im Kino Löwen ein, um ihre Cover-Version von „Stand by me“ dann recht poppig zu bringen. Dass sie auch einen härteren, treibenderen Rhythmus beherrschen, zeigten sie schon beim zweiten Anlauf mit ihrer Interpretation von „Out of my Mind“. Frontfrau Rahel Secking konnte sich von dem starken Sound tragen lassen.
Weil die Musiker/innen erst 13 bis 18 Jahre alt sind, begann das Konzert bereits um 19 Uhr. Um diese Zeit saßen noch etliche kleine Geschwisterchen im Publikum, die spielerisch Mikrophone imitierten oder im Mittelgang tanzten.
„Wir haben Ton- und Lichttechnik mitgebracht, damit eine Rockkonzert-Atmosphäre entsteht“, sagte Jamclub-Mitgründer Jörg Honecker. Der Club Voltaire war am Freitagabend Mitgastgeber.
Härte und ein melancholischer Drive, der direkt ins Herz ging, war das Markenzeichen von Ginatonic. Mit ihren Hüten in Grau, Rot und Schwarz arbeiteten sie gekonnt an einem einheitlichen Band-Image. „Also, wir machen jetzt ein bisschen Lärm“, sagte die 16-jährige Sängerin Gina Mocigenba. Ginatonic orientierten sich an Vorbildern wie Fallout Boy oder Pretty Reckless und überraschten mit stilistischen Feinheiten: Bei einem Song schien sich Ginas Stimme erst aus röhrenden Bass- und Gitarrenlinien hervorzuschrauben. Manchmal nahmen die fünf das Tempo minimal zurück – was eine viel stärkere Wirkung erzielte, als wenn sie immer gleichförmig weitergebrettert hätten.
Jamplitude begann mit einem melodischen, tänzerischen Rock und Keyboard-Linien wie vom Synthesizer. Sie stellten ihre frischproduzierte CD vor, „Creative Work at Night“. Darauf ist Otis Reddings Hit „Sitting on the Dock of the Bay“ der einzige Cover-Song: Mit Reggae und Calypso unterlegt und vom Schlagzeug akzentuiert, klang er, als hätten Jamplitude eine ganze Ballade daraus gemacht.
Feinste Handarbeit boten die an Krautrock und Alternative geschulten Oranges are Off. Sie nutzten die E-Gitarre experimentell als Geräuschemacher. Leise hallendes elektronisches Gefrickel an den Saiten inkorporierte psychedelische Erinnerungen in den harten Rocksound. Auch sonst holten sie unerwartete, zusätzliche Klanglinien aus den Instrumenten heraus: beispielsweise eine Art Vokalisierung der E-Gitarre. Gastsängerin Sarah Emilsson klang danach etwas angegospelt beziehungsweise jazzig.
Henry Hammer & The Nails präsentierten sich in grünlichem Licht. Der nur dreiköpfigen Indie-Band gelang ein unglaublicher Sound. Die passende, ein wenig düstere Stimme hatte Gitarrist Henry Hammer. Ihre Nummern schienen am meisten in sich abgerundet, mitunter sogar mit Industrial-Elementen.