[X]
 per eMail empfehlen


   

Ein Fenster für die Kultur

Chöre und Orchester fordern Konzertsaal am Europaplatz

Die Tübinger Exponenten der klassischen Musik machen mobil: Sie schlagen vor, den allseits erwünschten Innenstadtsaal auf dem Europaplatz anzusiedeln – am besten zusammen mit der Musikschule in einem „Zentrum der Kultur und Musikvermittlung“.

Anzeige


Wilhelm Triebold
Das sommerliche Luftbild zeigt vorne die (Grün-)Fläche, auf der zusammen mit einem Streifen des ... Das sommerliche Luftbild zeigt vorne die (Grün-)Fläche, auf der zusammen mit einem Streifen des jetzigen Busbahnhofs irgendwann das Baufenster für neue Gebäude am nördlichen Europaplatz eröffnet werden soll (heute stehen dort noch WC-Container als Ersatz für das geschlossene Bahnhofsklo). Was könnte hier alles hinkommen? Der Einzelhandel – oder dann doch lieber die Kultur? Archivbild: Grohe

Tübingen. Er ist ein wichtiger Faktor im Tübinger Kulturleben. Seit 25 Jahren organisiert der „Lammkreis“ (der so heißt, weil er sich im Gemeindehaus „Lamm“ triff) jährlich rund 300 Konzerte, trifft Absprachen, verteilt die Termine übers Jahr. Nun haben die Vertreter der 38 Tübinger Chöre und Orchester eine Erklärung verfasst, mit der sie den Gemeinderat und den Oberbürgermeister Boris Palmer auffordern, „einen Innenstadtsaal konkret zu planen und zu verwirklichen“.

Starkes Bedürfnis nach einem Innenstadtsaal

Dieser Innenstadtsaal wurde zwar auch von Palmer immer favorisiert – und auch mal gegen die Sudhaus-Ausbaupläne in Stellung gebracht. Doch konkret tat sich nichts. Zwar sollen von der Stadt bis 2015 rund 80 Millionen Euro verbaut werden, vor allem in Schulen, Rathäusern und auch am Europaplatz.

Doch ein Konzertsaal taucht in den Planungen nirgends auf. Deshalb weist der „Lammkreis“ jetzt nicht nur auf die „große Resonanz“ und Akzeptanz hin, die dem Angebot an klassischer Musik in der Bürgerbefragung zur Kulturkonzeption gerade bescheinigt wurde. Auch sprach sich eine Mehrheit der Antwortenden für einen Saal im Zentrum aus. „Das starke Bedürfnis nach einem solchen Saal wurde durch die Bürgerbefragung klar bestätigt“, folgert der „Lammkreis“.

Bereits im vergangenen Sommer sprach eine Delegation der Konzertsaal-Befürworter direkt beim OB vor. „Lammkreis“-Leiter und Kirchenmusikdirektor Ingo Bredenbach hatte da aber nicht den Eindruck, bei Boris Palmer offene Türen einzurennen. Dabei gibt’s sogar konkrete Ideen, wie solch ein Innenstadtsaal umzusetzen wäre.

Vorgeschlagen wird ein „Zentrum der Kultur und Musikvermittlung“. Dazu gehört ein Saal mit 600 bis 800 Plätzen und Konzertakustik, der dann auch anderweitig zu belegen ist. „Er wäre gut auslastbar“, ist Bredenbach überzeugt. Zu den Nutzern würden die Tübinger Chöre und Orchester, Laienmusikverbände und Kirchengemeinden zählen, aber auch die Tübinger Schulen, Kammermusiker, die Kirchenmusikhochschule, „Neue-Musik“-Projekte, Tanzschulen, und nicht zuletzt die Musikschule, die derzeit noch an der Frischlinstraße logiert.

Dort herrscht bekanntlich dringender Sanierungsbedarf, es wird auch an einen Neubau gedacht. Weil bereits „ein Raumprogramm mit Finanzierungsmodell für einen Neubau existiert, halten wir einen Saal in der Innenstadt als ‚Zentrum der Kultur und Musikvermittlung‘ für realistisch und durchführbar“, so die Befürworter, zu denen neben Bredenbach auch der Universitätsmusikdirektor Philipp Amelung, der Rektor der Kirchenmusikhochschule Christian Fischer, Reutlingens Philharmonie-Intendant Cornelius Grube und schließlich Musikschulleiterin Annette Tinius-Elze gehören.

Mit professionellem Saalmanagement, so die Überlegungen, könnte dieser Saal dann auch für weitere Veranstaltungsformate zur Verfügung stehen, für Kongresse, Vorträge oder für Termine aus Gesellschaft und Politik. Wenn auch die Musikschule an den Europaplatz umziehen würde, ließe sie sich womöglich in dieses Betreiber-Management einbinden.

Die Fürsprecher des Innenstadt-Konzertsaals beklagen, dass Tübingen als Stadt mit rund 89 000 Einwohnern weder über eine Stadthalle noch über ein Kongresszentrum verfügt, in dem überhaupt größer dimensionierte Aufführungen stattfinden können. Die stattlichsten Räumlichkeiten, die Stiftskirche mit über 1400 Plätzen und der Festsaal mit seinen 800 Sitzen, sind beide nur bedingt und beschränkt geeignet. Und der Sudhaussaal, der jetzt erweitert wird, zielt auf ein anderes Publikum.

Als Standort für den Innenstadtsaal schwebt Bredenbach und seinen Mitstreitern der Europaplatz vor, an dem es im nördlichen Abschnitt künftig ein Baufenster geben soll, wenn der Busbahnhof verkleinert und die Zufahrt dorthin neu gelegt wird.

In die Finanzierung könnten die – demnächst sowieso fälligen – Millionen für die Sanierung oder den Neubau der Musikschule eingebracht werden, aber auch der Erlös für das Grundstück zwischen Frischlin- und Wilhelmstraße, auf der die alte, marode Musikschule jetzt steht.

Pauschalangebote im „Kulturpaket“?

Der „Lammkreis“ fordert außerdem, dass die Ergebnisse der Bürgerbefragung spürbar in die zu verabschiedende Kulturkonzeption einfließen. Und dass die Fortentwicklung der Chor- und Kirchenmusik nachhaltig gefördert wird, „um die reiche Chor- und Orchesterlandschaft als eines der wesentlichen Merkmale Tübingens öffentlichkeitswirksamer werden zu lassen“.

Bredenbach geht sogar noch weiter: Das außerordentliche Kulturangebot in Tübingen ließe sich deutlich besser vermarkten, meint er. Warum nicht Pauschalangebote, mehrtägige „Kulturpakete“ für Wochen- oder Wochenend-Touristen, die beispielsweise die kommende Matthäus-Passion beinhalten? Da gebe es einiges zu tun.

09.02.2012 - 08:30 Uhr

Anzeige

Anzeige


Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T�bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Anzeige


Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion

Single des Tages
Anzeige
Coole Streetwear - Mode von Carhartt gibt es bei Def-shop