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Blasinstrumente froren ein

Schwalldorfer hatten trotz Kälte tierischen Spaß

Warme Pelze und Turnübungen – hunderte Narren entwickelten beim zwanzigsten Schwalldorfer Umzug eigene Rezepte im Umgang mit den eisigen Temperaturen.

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Martin Zimmermann
Ein paar Grad mehr hätten beim Schwalldorfer Umzug am Samstag wohl auch diesen holländischen ... Ein paar Grad mehr hätten beim Schwalldorfer Umzug am Samstag wohl auch diesen holländischen Tulpenmädels (und ihren Tulpen) aus Hechingen gut getan. Bild: Faden

Schwalldorf. „Mehr als 1300 bis 1500 Hästräger verkraftet der Flecken nicht“, sagte Zunftmeister Rolf Haaga. „Wir haben den Umzug auf eine Stunde kalkuliert.“ Denn nach dem Umzug ist schließlich vor der Fleckafasnet. Und um in den zahlreichen, zu Fasnetslokalen umfunktionierten Garagen und Scheunen Schwalldorfs den Ton angeben zu können, hatten sich etwa die Vorstandsmitglieder des Obernauer Musikvereins als Schafe verkleidet und sorgten dort als „Indoor Hupers“ für Stimmung.

Die Instrumente erst drinnen auszupacken erwies sich als kluge Entscheidung, denn draußen war es so kalt, dass einigen Lumpenkapellen beim Umzug gar die Blasinstrumente einfroren. Wohl dem, der bei solchen Temperaturen in ein Fellkostüm schlüpfen konnte. Die einheimische Bärengruppe hatte sich einige tierische Verstärkung mitgebracht. Ob Sondelfinger Füchse, Hirschauer feurige Hunde, Rottenburger Bären, Wolfenhausener Burgstall-Wölfe oder ein einzelner weißer Bär aus Talheim – Pelz scheint wieder in Mode. Die Hirrlinger Frösche, eine freie Narrengruppe hielt sich dagegen mit Akrobatik, wie Salto und Flick-Flack warm.

Dem Treiben der Schwalldorfer Elbenloch-Hexen, aus denen 1989 die Schwalldorfer Narrenzunft hervorging, tat die Kälte keinen Abbruch. Sie drehten dieses Jahr wieder junge Mädchen, durch ihr von Moderator und Vize-Zunftmeister Ralph Fischer als „Kotzmaschine“ bezeichnetes Strohkarussell. „Nach einer Fahrt mit dem Ding, ist es auch schon gestandenen Männern schlecht geworden“, wusste Fischer. Verglichen mit dem mechanischen Strohkreisel der Schwalldorfer war das motorisierte, drehbare Strohgefängnis der Rottenburger Wengert-Hexen fast schon humaner Strafvollzug.

Dass man Hexen auf keinen Fall reizen soll, erfuhr Ralph Fischer, als er eine auf einem Wagen mitfahrenden Hexe „faul“ nannte. Die Weilermer Burghexe beantwortete die Provokation mit einem gezielten Schneeballwurf. Einen weiteren Volltreffer bekam der Kommentatorenwagen, auf dem Ortsvorsteher Klaus Krajewski an seinem blauen Sakko eifrig Anstecknadeln der verschiedenen Zünfte sammelte, von der Konfettikanone der Hirschauer Bürgerwache verpasst.

Nicht auf den Wagen, sondern auf den Hut des Ortsvorstehers hatten es „d‘Schnapper“ aus Zell, einem Stadtteil Esslingens, abgesehen. Dass Liebesbekenntnisse nicht immer erwidert werden, musste der Jugendbetreuer der Niedernauer Stoagrättle erfahren. Kaum hatte er seinen Narrensamen nach einer gelungenen Pyramide ein „Ich liebe Euch“ entgegengeschleudert, schallte es prompt zurück: „Wir dich nicht.“

Bei manchen Fasnetsfiguren ließ sich vom Aussehen auf die Herkunft schließen. Wer seine Haare so lang trägt, wie die „Schwarze Männle“, der kann nur aus der Studentenstadt Tübingen kommen. Trägt der Narr dagegen, wie die Börstinger, einen Sägbock auf dem Kopf, so kommt er aus dem schaffigen Starzach.

Der Letzte Teilnehmer des Umzugs hatte das kurioseste Fahrzeug: Ein Göttelfinger Clown fuhr in einem Badewannen-Fahrrad. Schließlich stellte Rolf Haage mit einem zufriedenen Blick auf die Uhr fest, dass seine Zeitplanung perfekt aufgegangen war: „Genau eine Stunde.“

Die Schwalldorfer Feuerwehr, die von einem auf einer Schlepperpritsche stehenden Holzofen Hotdogs verkaufte, hatte eine Stunde vor dem Umzug noch einen Einsatz, den Werner Kammerer, Leiter der Jugendfeuerwehr so beschrieb: „Auf der Steige hat einer Öl und Kühlwasser getrielt. Das haben wir halt noch g‘schwind weg putzt.“

Info: Mehr Bilder vom Umzug gibt es auf www.tagblatt.de

13.02.2012 - 08:00 Uhr | geändert: 13.02.2012 - 08:04 Uhr

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