Ruhe und Platz für Eishockey und Pirouetten: Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenen Bischoff-See ist derzeit eine Alternative zu Gedrängel und Musik in den Eishallen. Falls es nicht weiter schneit.
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Martin zimmermann
Eishockey auf dem Baggersee Bischoff bei Kiebingen am Montagnachmittag. Am Freitag noch brachen zwei Leute ein, konnten sich aber retten.Bild: Zimmermann
Kiebingen. Nur Vogelgezwitscher und das Quietschen der Kufen auf dem Eis ist zu hören. Etwa ein Dutzend Eisläufer und einige Spaziergänger verlieren sich auf der großen Eisfläche des zwischen Kiebingen und Hirschau gelegenen Baggersees. Sie können sich aus dem Weg gehen oder spontane Eishockey-Mannschaften bilden. Christiane Baumann kommt jedes Jahr hierher, um ihre Pirouetten zu drehen. „Dieses Jahr ist das Eis hier besonders glatt, so dass man gut laufen kann“, erzählte die Rottenburgerin am Montag. Der See liege im Schatten und friere jedes Jahr als erster See zu.
An einer anderen Stelle des zugefrorenen Gewässers spielt ihr Mann mit den Söhnen Eishockey. Am Wochenende hatten einige Jugendliche Tore mitgebracht und stehen lassen. Ein Erwachsener kommt spontan mit seinem Eishockeyschläger hinzu, später folgen einige Jugendliche. „In den letzten Jahren war hier ein älterer Mann, der ein Loch ins Eis bohrte, die Eisdicke bestimmte, und den See dann als Erster betrat und damit freigab“, berichtet Baumann.
Am Montag war der ganze See von einer dicken Eisschicht bedeckt. Spaziergänger konnten durch das klare Eis wie durch eine Fensterscheibe auf den Grund blicken. An einigen Stellen sind Wasserpflanzen im Eis eingefroren. „Guck mal, da ist ein gefrorener Fisch“, ruft ein Kind. Ein Moment später folgt Entwarnung: „Jetzt hat er sich doch bewegt und ist weggeschwommen.“ Am gestrigen Dienstag waren nach den Schneefällen erstmal keine Eishockeyspieler mehr zu sehen. Zwar hatten einige Unentwegte noch das Spielfeld geräumt. Als keine weiteren Mitspieler kamen, gingen aber auch sie nach Hause.
Auf dem Rolu-See, den die Rottenburger Fischerfreunde gepachtet haben, waren dieses Jahr keine Schlittschuhläufer zu sehen. „Vor einigen Jahren sind uns viele Karpfen verendet, weil sie von den Geräuschen der Kufen geweckt wurden“, erzählt Peter Trautner, der Zweite Vorsitzende der Fischerfreunde. Deshalb schicken die Fischer jeden Läufer, den sie sehen vom Eis. „Auf dem Bischoff-See ist das nicht ganz so schlimm, weil der See größer und tiefer ist und sich die Läufer auf dem See verlieren“, sagt Trautner.
Ganz ungefährlich ist der winterliche Spaß auf zugefrorenen Seen nicht. „Von außen ist es manchmal schwer einzuschätzen, ob alle Teile des Sees richtig gefroren sind. Am Freitag sind zwei Personen auf dem Bischoff-See eingebrochen“, berichtet Trautner, dessen Verein auch diesen See betreut. Da die Einbrüche in Ufernähe geschehen seien, sei den Verunglückten aber nicht viel passiert.
Warum die Besitzer der Privatseen, also beispielsweise das Kieswerk Bischoff, das Betreten des Eises nicht offiziell erlauben können, erklärt der Leiter des Rottenburger Ordnungsamts, Eduard Bomm: „Dann wären sie auch verantwortlich, wenn jemand einbricht. Das ist ähnlich wie mit dem Baden im Sommer.“ Die Seebesitzer dürften deshalb über Schneefall nicht unglücklich sein. Am Neckar, für den die Stadt zuständig ist, hat Bomm Schilder „Betreten verboten“ aufstellen lassen. Vorm Betreten der noch nicht geschlossenen Eisdecke des Flusses warnt er ausdrücklich: „Das ist lebensgefährlich.“