Es erinnert an einen Wohngemeinschafts-Knacks. Unter den Linden 23 in Reutlingen hängt der soziokulturelle Segen schief. Seit geraumer Zeit treffen sich die Macher des franz. K und der Soki GmbH, die das benachbarte Café Nepomuk betreibt, zu Gesprächen mit einem eingeschalteten Mediator.
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Matthias Stelzer
Die Schlichtungsgespräche sind offenbar nötig, weil man unter dem gemeinsamen Dach von Kulturzentrum und Nepomuk schon lang darum ringt, wie eine gedeihlich kooperative oder gegebenenfalls auch eine räumlich getrennte Zukunft aussehen könnte. Ein Prozess, der es abseits der Mediation – auch weil die Nepomuk-Seite ihr Heil spontan in der Flucht vor die Türen suchte – schon in die Öffentlichkeit geschafft hat.
„Das franz. K will dem Nep kündigen“ – dieses Gerücht kursiert schon länger in der Stadt. Aber auch das franz. K, das Hauptmieter des Gebäudes ist, hat schon Unterstützer gefunden. Es gehe darum, dass die Strukturen im Café nicht geeignet seien, den Kulturbetrieb nebenan sinnvoll zu flankieren, sagen sie. Und in einem kursierenden Aufruf der Nepomuk-Geschäftsführungsgruppe zu Solidaritätsbekundungen gegen das franz. K wollen nicht wenige den Auftakt zu einer Schlammschlacht sehen.
Nachdem nun erste Leserbriefe zum Thema auftauchen, traten die beiden Seiten diesem Eindruck mit einer gemeinsamen Presseerklärung entgegen. Darin heißt es: „Der Pachtvertrag der Soki GmbH als Betreiberin der Gastronomie Nepomuk läuft 2014 aus. Wir – franz. K und Soki GmbH – haben hierüber Gespräche begonnen. Wir bitten die Öffentlichkeit und die Vertreter der Medien, den nicht öffentlichen Charakter dieser Vertragsgespräche zu respektieren. Ein moderierter Prozess ist bis Anfang Mai vorgesehen, im Anschluss daran werden wir alle Interessierten über Ergebnisse oder den aktuellen Stand informieren.“ Mehr nicht, kein Wort zum Grundkonflikt.
Dabei lässt sich dieser geschichtlich vergleichsweise schnell umreißen. Es ist nämlich nicht neu, dass in Reutlingens soziokultureller Szene über die Art des Arbeitens, die Lebenseinstellung gegenüber Lohnarbeit gestritten wird. Professionalisierung als Veranstalter (inklusive Selbstausbeutung) oder selbstbestimmte Genügsamkeit als alternativer Gastrobetrieb (jenseits der in unserem Wirtschaftssystem durchaus verbreiteten Hamsterrad-Praxis) – diese polarisierende Frage wurde schon aufgeworfen, bevor das franz. K in seiner heutigen Form Gestalt angenommen hatte.
Und so gesehen ist es nur logisch, dass der alte Konflikt jetzt, nachdem das franz. K zum professionell arbeitenden Erfolgsmodell geworden ist, wieder aufs Tapet kommt. Die Kluft zwischen den beiden Seiten ist eher gewachsen. Anspruch von franz. K und gewollte Wirklichkeit im Nepomuk liegen offensichtlich weit auseinander. Eine Tatsache, die man auch als Besucher des Hauses wahrnimmt. Es ist sichtbar, dass Kulturbetrieb und Kneipe schlecht aufeinander abgestimmt sind. Spürbar, dass die Unterschiedlichkeit der beiden GmbHs nicht (mehr) zu gegenseitiger Inspiration, sondern zu negativen Schwingungen führt.
Um im Wohngemeinschafts-Bild zu bleiben: Da streiten sich Leute, die sich eigentlich mögen, inzwischen aber gemerkt haben, dass ihnen ihr Alltag unter einem Dach Schwierigkeiten bereitet. Aus der einstigen Wunsch-WG ist offensichtlich eine schlechte Zweck-Gemeinschaft geworden. An diesen – irgendwie auch soziokulturellen – Reibungsflächen arbeitet sich die Mediation ab. Hoffentlich entsteht dabei ein für beide Seiten akzeptabler Grundriss.