„Ziehet, ein bisschen geht noch!“, rief Rektor Ralf-Michael Röckel, aber bis zu seinem Schreibtisch in der Gustav-Werner-Schule reichte die Menschenkette dann doch nicht. Kirchengemeinderat Roland Nonnenmacher rechnete nach: 600 Personen auf 730 Metern gaben sich die Hände und besiegelten so die neue Kirchengemeinde Walddorfhäslach.
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Walddorfhäslach. Die Kirchenglocken beider Kirchen läuteten ihr Festgeläut. Mit einer Playmobilanimation hatte Nonnenmacher zuvor den Gottesdienstbesuchern humorvoll erläutert: „Sie nehmen an nichts Illegalem teil. Und wenn Sie denken, was ist denn das für einer, der neben Ihnen steht: Geben Sie ihm trotzdem die Hand.“
Vier Jahrzehnte nach der Vermählung der bürgerlichen Gemeinden Walddorf und Häslach haben zum 1. Januar auch die Kirchengemeinden diesen Schritt getan. Bei einem Festgottesdienst in der frisch renovierten Gemeindehalle feierten mehr als 600 Gemeindeglieder die Liebeshochzeit oder die Vernunftehe – wie die Allianz zu nennen sei, da gingen die Ansichten auseinander, sagte Walddorfs Pfarrer Hartmut Dinkel, Häslachs Pfarrerin Eike Baumann stimmte zu. Beide sprachen von Aufbruchstimmung, von Risiken und von Chancen.
„Seid getrost und unverzagt“ war der Predigttext. Viel ändert sich nicht. Die beiden Pfarrer mit anderthalb Stellen sind jetzt für ganz Walddorfhäslach zuständig. Bisher war Häslach eine halbe Stelle zugeteilt. Gottesdienste gibt es weiterhin in beiden Orten. „Wir haben so viele Gläubige, die passen gar nicht in eine Kirche“, sagte Pfarrerin Baumann. Walddorf hat etwa 2000, Häslach um die 1000 Gemeindeglieder. Die Gemeinde lebe im Gottesdienst, sagte die Dekanin Marie Luise Kling-de Lazzer, die Institutionen müssten sich dem anpassen.
Drei Chancen sieht sie in der Vereinigung: größere Einheiten, größere Vielfalt und einfachere Verwaltung. „Für die Pfarrer bleibt mehr Zeit für die Seelsorge.“ Bürgermeisterin Silke Höflinger beglückwünschte die Kirchengemeinde zum „Loslassen von Altvertrauten“. Das Opfer vom Sonntag ging zur Hälfte an die Flüchtlingshilfe „Shelter now“. Der Rest wird gespart für ein Gemeindehaus in Häslach. Das Grundstück ist bereits gekauft.