Zu einer amüsanten Opern-Parodie aus dem frühen 19. Jahrhundert auf Mozarts „Zauberflöte“ luden am Samstagabend fünf Künstler der Tübinger Kammeroper.
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Madeleine Wegner
Alexander Strauss (vorn im Bild) las die gereimten Verse der Opernparodie auf Mozarts Zauberflöte – begleitet von vier Musikern der Tübinger Kammeroper. Bild: Metz
Tübingen. „Stellen Sie sich vor, sie sind Aristokraten im ausgehenden 18. Jahrhundert“. Mit diesen Worten lud Alexander Strauss das rund 30-köpfige Publikum am Samstagabend zu einer Zeitreise ein. Denn bereits kurz nach der Uraufführung 1791 gab es viele Bearbeitungen von Mozarts „Zauberflöte“ – darunter auch Parodien. „Und die waren oft besser besucht als die ursprüngliche Zauberflöte“, sagte Strauss, der seit 1994 künstlerischer Leiter der Kammeroper Tübingen ist.
Mehrere dieser parodistischen Bearbeitungen aus dem frühen 18. Jahrhundert verband „Die travestierte Zauberflöte“ im Pfleghofsaal. Dazu gehört die von Johann Wendt, der so manche Mozart-Oper mit aus der Taufe gehoben und diese zudem oft für die Besetzung Flöte und Streichertrio bearbeitet hatte. 1812 kam eine weitere musikalische Bearbeitung durch den Theaterkapellmeister Wenzel Müller hinzu, ein parodistisches Libretto verfasste unter anderem der Theaterdirektor Carl Friedrich Hensler.
Die gereimten Verse luden so manches Mal zum Lachen ein. Alexander Strauss gab als Leser dabei den betrunkenen Sarastro genau so überzeugend wie etwa die eifersüchtige Pamina. Auch in den Details erlaubt sich das Libretto so manchen Spaß: Anstatt – wie im Original – von einer Schlange wird Tamino zu Beginn der neuen Fassung von einem Bären gejagt. Mit Besen, Bratenspieß und Ofengabel rücken die drei Dienerinnen dem pelzigen Tier zu Leibe. Doch streiten sie danach nicht etwa verliebt darum, wer bei dem Geretteten bleiben darf – nein, in der verdrehten Zauberflöte streiten sie sich um den Gewinn des Bärenfells.
Mit Triangel statt magischem Glockenspiel
Musikalisch spiegelten die Tremoli der Streicher Dietrich Schütz (Violine), Ursula Plagge-Zimmermann (Viola) und Jörg Rieger (Violoncello) in einem kurzen szenischen Einwurf die Jagd wider. Das Erlegen des Tieres hingegen endete in einem Glissando. Die Bratsche imitierte kurz darauf das Bellen des Papageno, der im Original ja nun eigentlich mit einem Mundschloss gestraft ist. All das waren freilich nur kleine, aber nicht weniger amüsante musikalische Einfälle. Doch auch bei den ausgedehnteren Stücken überzeugten die vier Musiker mit beschwingtem Spiel, mozartschem Witz und Spielfreude. Mitunter virtuos zeigte sich dabei Stefanie Kessler an der Traversflöte.
„Eine Flöte, ein Triangel – schützen euch vor jedem Mangel“, mit diesen Worten übergibt die Königin der Nacht ihre Geschenke an Tamino und Papageno. Diese sollen die beiden schützen auf dem Weg ins Reich Sarastros, das kurzerhand nach Wien verlagert wurde. Und dieser Weg, der sich am Ende etwas hinzog, wurde doch zu einem durchaus vergnüglichen und amüsanten Abend.