Das musikalische Potential des Hinterkulissen-LTTs
Tübingen.Im LTT-Ensemble gibt es einige in Bands spielende Musiker. Seit Samstag weiß man, dass das auch für die Abteilungen hinter den LTT-Kulissen gilt. Denn das war ihr Abend.
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Die singende Theater-Marketingleiterin Angela Hölzer und ihre Bandkollegen von My Crush. Bild: Groebe
Der LTT-Saal glich dabei einem große Pater Noster: Die Zuschauer gingen raus und rein, manche fuhren alle Runden mit, andere nur, solange ihr Bekannter oder Kollege oder der Papa auf der Bühne stand. Lockere Atmosphäre, gute Laune, moderiert vom Michael, also Herrn Miensopust, der sich freute, dass das Publikum länger aufbleiben durfte. Er kommt ja vom Kinder- und Jugendtheater. Und es sollte tatsächlich ein langer, langer Abend werden, weshalb man auch schon um 19 Uhr begann.
Und zwar mit Funk-Jazz-Rock vom Bad Niedernau-Ensemble. In ihm spielt Reinhold Oelke aus der Ton-Abteilung. Dass einer vom Ton auch privat mit Tönen zu tun hat, erstaunt sicher nicht so sehr wie die Dominanz der Beleuchter an diesem Abend: Erst Redeyed Rick und dann Scarface Martin. Ja, das sind Namen! Da denkt man eher mal an Rothäute. Rick, ein Ire, trat solo auf. Erst mit Banjo, dann mit Gitarre. Er trug einen tadellosen Anzug, sprach in tadellosem Kauderwelsch aus Irisch und Deutsch viel über Krankheit, Tod und Trunksucht, wirkte dabei sehr charmant, zauberte Gegenstände aus seinem Jackett und bot Songs aus den frühen Tagen des Blues, auch Tom Waits-Balladen.
Scarface Martin Burmeisters Band – „Der Matze, der früher Chefkoch in der Kneipe war, ist auch dabei“ – behauptet von sich, Schaukelstuhlrock zu spielen. Aber das war dann schon um einiges wilder. Ein schönes Stück von Paul Weller war dabei, auch selbstgeschriebenes. „Voll unter Strom / da geht das Licht an“ singen sie, ein Lied über die eigene Beleuchterzunft.
Wer macht eigentlich das Licht, wenn die Beleuchter auf der Bühne stehen? „Wir sind noch ein paar mehr.“ Ja dann. Auch schön: Während Scarface die Gitarre wechselt und vorübergehend ein Brummton entsteht, merken die inzwischen im Publikum sitzenden Bad Niedernauer um den Toningenieur Oelke als erste, dass da was nicht stimmt, schauen besorgt zur Technik nach hinten, rufen „Martin, es brummt!“ auf die Bühne. Immer im Dienst.
Wie kommt man eigentlich zum Instrument? Zum Beispiel, indem man sich zur Kommunion ein Mofa wünscht und dann wird es „nur“ eine Gitarre. Ein kleines hübsches Detail aus Miensopusts Gesprächen mit den Musikern, ein anderes: „Weil Musik der beste Sex des Alltags ist“. Sagt Angela Hölzer auf die Frage, wie sie zur Musik kommt. Rick sitzt inzwischen auch im Publikum und hört dem acoustic Rock/Pop zu, den Hölzers Band My Crush spielt. Eingängig, verträumt, peppig, sogar mit einer Steppeinlage. Und mit Publikumsanimation, wie man sich das von der Marketingfrau des LTT auch erwarten darf.
Und welchen Musikstil würde man jetzt von einem Mitarbeiter der Schlosserei erwarten? Metal! Hard! Klar. Genau das macht Range X, eine Band, in der außer Manuel Bernhardt lauter Menschen spielen, die Dettlings heißen, Mössinger sind, eigentlich aus Horb kommen, Schwäbisch schwätzen und englisch singen. Laut.
Nicht deswegen aber trotzdem muss der Berichterstatter gehen bevor Stereobox und die Bluesakademie mit Werkstättenleiter Eugen Krauss auf die Bühne kommen. Schade. Ein ander Mal. Und ein ander Mal, nämlich schon kommendes Wochenende im Vorfeld der anstehenden LTT-Premiere mehr über das Hilfsprojekt, an das Teile des Eintrittsgelds gingen. Es sei toll und alles andere als selbstverständlich, dass Intendantin Simone Sterr sie alle mal auf die Bühne ließ, lassen die Bands noch dankend wissen. Finden wir auch.Peter Ertle