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In Bässen baden

„Bass Culture“ feierte Geburtstag im Epplehaus

Am Samstag war der Berliner Reggae-Sänger Longfingah zu Gast im Tübinger Epplehaus. Und präsentierte zum „Bass Culture“-Geburtstag eine explosive Show, die Genre-Grenzen sprengte.

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Tübingen. Der dunkle Gewölbekeller des Jugendzentrums ist voller tanzender Menschen, als der Hauptact des Abends gegen zwei Uhr das Mikrophon ergreift: Longfingah aus Berlin. „Do you want some rocksteady music?“ - Zustimmung beim Publikum. Kein Wunder, denn Selector (Reggae-DJ) Ivan Kovacs aus Budapest/Tübingen hat den Raum über das Soundsystem der Gastgeber „Jah Army High-Fi“ vorgeheizt: Die Anlage ist in den letzten Jahren so gewachsen, dass sie mit ihren großen aufeinander gestapelten Boxen gerade noch in den niedrigen Keller passt. Der Bass klingt mächtig.

Es ist nur logisch, dass der Bass der Veranstaltungsreihe ihren Namen gibt: „Bass Culture“ startete vor zwei Jahren mit Solo Banton und hat seitdem weitere Reggae-Berühmtheiten nach Tübingen gelockt, etwa die Briten King General und Dougie Wardrop. Doch die Veranstalter Torsten Sarfert, Dennis Digikal und Jah Navigator von „Jah Army High-Fi“ konzentrieren sich nicht nur auf Acts aus dem Ausland. Im Dezember etwa war die „Digital Alliance“ zu Gast, ein südwestdeutscher Zusammenschluss von fünf Soundsystems, die auf raren digitalen Reggae spezialisiert sind.

Hagen „Longfingah“ Rockahrs musikalisches Repertoire ist enorm und spiegelt sich in seinem aktuellen Album „Cityopian Spirit“ wider, das das Ergebnis seines unermüdlichen Tourens der letzten Jahre darstellt. Ob Epplehaus, Summerjam oder Indien, ob mit seiner Band „Dub Engineers“, mit dem Produzenten-Duo „Illbilly Hitec“ oder mit Selector Signore Sereno („Palmbeats Intl.“) aus Jena– Longfingah ist viel unterwegs. Wer denkt, Reggae sei eine homogene Musikrichtung, kann durch „Cityopian Spirit“ viel lernen: Reggae ist weit mehr als Sonnenschein-Roots, und Reggae ist weit mehr als Dancehall-Battle. Longfingah ist vor allem „conscious“ und erzählt Geschichten. Von Babylon (in der Reggae-Metaphorik die kapitalistische Welt), von Deutschland, von seinen Reisen. Nun kann er ein Kapitel über Tübingen hinzufügen, das sicher von guten Vibes handeln wird.

Longfingah und Sereno bescherten der tanzenden Menge noch bis in die Morgenstunden abgewetzte Turnschuhsohlen. Ein Stockwerk höher sah es im Saal zu Tobe Tronics („Beatdiggaz“) Hip-Hop-Beats ähnlich aus. Tübingen hat am Samstag wieder ein ausgiebiges Bad in Bassklängen genommen und kann sich auf 2012 freuen. Mehr Basskultur wird kommen, soviel steht fest. kd

23.01.2012 - 08:30 Uhr

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