Gerade mal fünf gemeindeeigene Bauplätze kann Ofterdingens Bürgermeister Joseph Reichert noch anbieten. Dann sind die kommunalen Flächen im Baugebiet Banweg endgültig weg.
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Susanne Mutschler
Die Gerokstraße (samt Seitenarmen) verläuft von oben links nach unten rechts: Unser Bild zeigt einen Teil des Baugebietes Banweg im Herbst. Mittlerweile wurden weitere Bauvorhaben begonnen.Bild: Grohe
Ofterdingen. „Ich wollte Bevölkerungszuwachs“, erinnert sich der Ofterdinger Bürgermeister Joseph Reichert. Deshalb machte er sich im Gemeinderat für den Ausbau des Baugebiets Banweg stark. Mit der Erschließung des nördlich der Straße gelegenen Teils wollte er 2004 jungen Familien den Umzug in das damals nur etwa 4360 Bürger starke Ofterdingen schmackhaft machen. Die Kommune bot pro Kind 5000 Euro Nachlass auf die Grundstückspreise, das hatte es zuvor im Landkreis noch nirgends gegeben. „Die Strategie hat sich bestätigt“, erklärt der Bürgermeister. 39 Familien mit 74 Kindern kamen seither in den Genuss dieser Förderung.
Heute wie damals findet er das Baugebiet Banweg als „eines der schönsten im Steinlachtal“. Bis 2004 war es der Gemeindeverwaltung noch um die Bebauung südlich des Banwegs gegangen. Der Verkauf verlief zögerlich, möglicherweise warteten schon damals einige Bauwillige darauf, bis endlich der attraktivere Nordteil erschlossen würde. Denn von dort hat man freie Aussicht auf Mössingen, die Alb und den Hohenzollern. Reichert weiß, dass die landschaftliche Schönheit die Kaufentscheidung für einen Bauplatz beeinflusst. Aber ebenso wichtig sei die familienfreundliche Infrastruktur im Ort. Deshalb sei ihm gleich beim Spatenstich für das Quartier Banweg Nord klar gewesen, dass Ofterdingen seine Betreuungsangebote in den Kindergärten und der Schule ausbauen müsse. „Da haben wir nicht erst den Bedarf abgewartet.“ Was die Ganztagesbetreuung angehe, habe Ofterdingen eine „Spitzenstellung“ im Landkreis.
Der Traum vom Bevölkerungszuwachs
Umgekehrt helfen die neu zugezogenen Familien der kleinen Gemeinde Ofterdingen dabei, die örtlichen Gemeinschaftseinrichtungen zu erhalten. „Was würde aus der Burghofschule, wenn wir das Baugebiet nicht hätten?“, fragt sich Reichert. Das Areal umfasst 68 gemeindeeigene (von denen nur noch fünf zu haben sind) und 61 privat angebotene Bauplätze. In die 62 fertiggestellten Häuser sind bereits 225 neue Ofterdinger eingezogen. Der Bürgermeistertraum von der Bevölkerungsvermehrung beginnt Wirklichkeit zu werden.
Als Planer für das Banweg-Gelände konnte Reichert den preisgekrönten Ludwigsburger Ingenieur Hans Schänzel gewinnen. Jener verpasste dem Gebiet durchgehend eine Südorientierung und den zwischen 3,5 und acht Ar großen Parzellen viel Grün. Inzwischen sei dieses Konzept „ein wenig verwässert“, denn zur einfacheren Vermarktung wurden 2011 einige der größeren Gemeindebauplätze in mehrere kleine aufgeteilt.
Nach Reicherts Erfahrung ist bei vier Ar Fläche und einem Quadratmeterpreis von 230 bis 250 Euro bei den meisten Bauherren die „Schmerzgrenze“ erreicht. Neuen Auftrieb bekam der Grundstücksverkauf durch die aktuelle Finanzkrise. „Der Trend geht zur Immobilie“, sagt der Bürgermeister. Allein im vergangenen Jahr konnte die Kommune zehn Bauplätze losschlagen.
Über einen Kreisverkehr, an dem sich die nächstgelegene Bushaltestelle befindet, gelangt man von Norden in das Quartier. Den südlichen Abschluss macht der Banweg. Die Häuser, die überwiegend von den Eigentümern selbst genutzt werden, reihen sich entlang des Minnesängerwegs, der Gerokstraße und der verbindenden Stichstraßen. Sie sind fast alle wärmegedämmt gebaut, und sehr viele haben Fotovoltaikanlagen auf dem Dach. Allein 44 Bauplätze verkaufte die Gemeinde an Auswärtige. Die neuen Bürger stammen aus dem Raum Mössingen, Reutlingen und Tübingen, manche sind aus dem Ortskern herausgezogen und einige wenige kommen sogar aus dem Stuttgarter Umfeld. Soziologisch seien sie „bunt gemischt“, bei den Berufen gehe es „querbeet“ vom Handwerker bis zum Akademiker.
Reichert weiß, dass er für ein Baugebiet mit stattlichen zehn Hektar Ausdehnung heute weder eine Mehrheit im Gemeinderat noch eine Genehmigung vom Regierungspräsidium bekommen würde. Inzwischen habe die Verdichtung der Innenräume Vorrang, und der Flächenverbrauch für Einfamilienhäuser werde heftig kritisiert. Doch ohne die „Wertschöpfung“ aus den Grundstücksverkäufen im Banweg hätte Ofterdingen seine Ortskernsanierung kaum finanzieren können, argumentiert er.
Als überdimensioniert angeprangert
Schon 2006 hatte der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer das Baugebiet als „überdimensioniert“ angeprangert. Als ökologischen Ausgleich hatte er vorgeschlagen, einen Teil der Siedlung über die benachbarte Biogasanlage mit Energie zu versorgen. „Aber zu diesem Zeitpunkt waren alle Leitungen schon im Boden“, formuliert Reichert sein damaliges Unverständnis. Die Biogas-Energie geht mittlerweile über eine Leitung in die Kurklinik Bad Sebstiansweiler.