Sturm Lothar hat Folgen hinterlassen: In Ofterdingen wachsen die jungen Fichten und Weißtannen so schnell empor, dass sie ausgelichtet werden müssen. Das ist gut für alle, die ihren Weihnachtsbaum selbst – und ganz legal – aus dem Wald holen möchten.
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Waldweihnacht ist auch schön, aber in Ofterdingen dürfen die Leute ihren Baum auch mit nach Hause nehmen – gegen einen Obulus von fünf Euro pro Fichte und 20 Euro pro Weißtanne.Archivbild: Mozer
Ofterdingen. Es klingt nach einem richtigen Event: Eine „musikalische Begleitung mit Waldhorn“ kündigt Revierförster Reinhold Gerster an; das Jugendhaus Ofterdingen entfacht ein Lagerfeuer, bietet warme Getränke und einen Imbiss an; die Jugendfeuerwehr kümmert sich drum, dass es kein Verkehrschaos gibt; und sogar ein Netzgerät steht zur Verfügung, mit dem die temporären Waldarbeiter ihre Christbäume gut verpacken und somit ohne Probleme ins Auto hieven können. Mitbringen sollten sie allerdings eine Säge oder Axt, Schnüre und Seile, feste Schuhe und Handschuhe – die Fichten sind sehr stachelig.
Eine Rammertfichte ist keine Nordmanntanne
Treffpunkt ist am Waldparkplatz Hardtsee. Von dort aus darf man ausnahmsweise mit dem Auto in den Wald fahren. Damit alles in geregelten Bahnen läuft, wird der Weg zur Einbahnstraße – diese Lehre haben die Organisatoren aus dem Vorjahr gezogen. Deswegen dürfen Ortskundige auch nicht über das sogenannte Sandsteinbrückle anreisen, weil dort alle Fahrzeuge wieder aus dem Wald geleitet werden. Wer einen Baum fällen möchte, bekommt um 9.30 Uhr eine Einweisung von Revierförster Gerster.
Nicht überall haben die Stürme Lothar (1999) und davor Vivian / Wiebke (1990) so gravierende Schäden hinterlassen wie im Ofterdinger Wald – und nicht überall sind Geologie und Boden so beschaffen, dass massenweise Fichten auf den kahlen Flächen nachwachsen. In Nehren beispielsweise ist „die Fichtennaturverjüngung standortbedingt eher selten“, erklärt Gerster: „Hier haben sich entsprechend der Böden optimal angepasste Laubhölzer etabliert. Kurzum: Im Forstrevier Steinlach-Wiesaz kommt nur in Ofterdingen eine so üppige Fichtennaturverjüngung vor.“
Allerdings warnt der Förster auch vor übertriebenen Ansprüchen an einen Baum aus dem heimischen Wald: „Die Fichten und Weißtannen sind im rauen Klima des Rammerts gewachsen und deshalb eher filigran und stachelig. Mit der Fülle und Pracht einer gezüchteten Nordmanntanne können sie nicht annähernd mithalten. Wer sich solch einen Baum wünscht, ist beim Weihnachtsbaumhändler besser beraten.“
Wie in den Vorjahren auch kommt der Erlös dem Jugendhaus Ofterdingen zu Gute. Dessen Mitglieder stemmen die Aktion zusammen mit dem Forstrevier und der Jugendfeuerwehr. gs
Info: Familien sind besonders willkommen bei der Baum-Aktion am Samstag, 17. Dezember, von 9.30 bis 13 Uhr im Hardtwald Ofterdingen, an der Landstraße Richtung Dettingen (am Waldbeginn nach der ersten scharfen Rechtskurve links abbiegen).