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Hausarzt für Ofterdingen gesucht

Längere Wege und Wartezeiten nach Praxisschließung

Im Sommer ging der Ofterdinger Hausarzt Eckard Merkel in den Ruhestand. Und mit ihm auch seine Praxis. Seither versucht die Gemeinde vergeblich, einen Nachfolger zu finden.

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susanne wiedmann

Ofterdingen. Es kann keine Dauerlösung sein. Das ist Bürgermeister Joseph Reichert klar. Demnächst hat er ein Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Er sieht es als kommunale Aufgabe, sich für einen weiteren Allgemeinmediziner in Ofterdingen zu engagieren. Die Gemeinde plant, ein Geschäftshaus in der Schillerstraße zu bauen, in dem Platz genug wäre für eine Arztpraxis. „Der Investor sucht gerade nach Nutzern“, teilt Reichert mit. Er appelliert auch an die Ofterdinger, sich umzuhorchen und nachzufragen, ob jemand eine Praxis eröffnen wolle.

Seit sich Eckard Merkel in den Ruhestand verabschiedet hat, gibt es nur noch eine Hausarztpraxis in Ofterdingen (wir berichteten). Zu wenig bei einer Gemeinde mit 4600 Einwohnern. Merkels Patienten haben sich „homogen auf das Steinlachtal verteilt“, sagt der Mössinger Hausarzt Andreas Gammel. Allein zwischen 50 und 60 Patienten hat er aufgenommen. „Das ist noch machbar und bringt uns nicht über die Kante.“ Trotzdem sei es spürbar mehr Arbeit. Und die Patienten müssten länger auf Termine warten. Bereits montags seien die Sprechstunden bis mittwochs ausgebucht. „Das war vor sechs, sieben Jahren noch anders.“ Und wie sich die Situation im Winter – etwa bei einer Grippewelle – entwickelt, wird sich zeigen.

Wenigstens habe das Landratsamt mittlerweile bei der KV interveniert. Die Ärzte erhielten anfangs für Merkels Patienten kein Honorar, da sich das „Regelleistungsvolumen“ nach dem dritten Quartal des Vorjahres richtete. „Zumindest behandeln wir sie jetzt nicht mehr umsonst“, sagt Gammel.

Nein, es gebe noch keinen Notstand, resümiert der Mössinger Allgemeinmediziner. „Wenn aber noch zwei Praxen im Steinlachtal schließen würden, wäre es nicht mehr zu verkraften. Oder der Service wird schlechter“, prognostiziert Gammel.

Für die Bevölkerung sei es wichtig, dass sich ein weiterer Hausarzt oder eine Hausärztin in Ofterdingen niederlässt, betont Thomas Seyfarth, Geschäftsführer der KBF Neckar-Alb, die gemeinsam mit der Gemeinde das Seniorenhaus Mauritiusblick betreibt. Noch gebe es keine Versorgungslücke. „Aber wie wird sich die Situation verändern, wenn die Einwohner älter werden?“, fragt Seyfarth besorgt.

Bis zum Sommer wurden die Bewohner des Seniorenhauses von Eckard Merkel und der Ofterdinger Allgemeinmedizinerin Michaela Messing gemeinsam betreut. „Natürlich ist jetzt die Belastung für Frau Messing größer“, sagt Seyfarth. Mit einer Kollegin betreibt Messing die nun einzige Hausarzt-Praxis in Ofterdingen. Sie suche händeringend nach einem weiteren Kollegen oder einer Kollegin, sagte sie uns im Juli. Gerne hätten wir jetzt nach einigen Monaten nochmals mit ihr gesprochen. Trotz vielfacher Anfrage wollte sie dem TAGBLATT keine weitere Auskunft über die aktuelle Situation geben.

Lisa Federle hingegen, die kürzlich zur Vorsitzenden der Kreisärzteschaft gewählt wurde, kündigte an: „Ich werde mich um das Thema kümmern.“ Nicht nur auf dem Land sei es für Allgemeinmediziner schwierig, einen Nachfolger zu finden. Bereits in Tübingen sei sie von einem Kollegen angesprochen worden, der einen Nachfolger suche und keinen finde.

Es ist uns wichtig, weiterhin eine gute Infrastruktur zu haben, betont SPD-Gemeinderätin Ruth Blaum, die den Besuchsdienst des Krankenpflegevereins leitet. Deshalb sei es dringend nötig, dass wieder eine zweite allgemeinmedizinische Praxis öffnet. Die bestehende Ofterdinger Gemeinschaftspraxis sei sehr voll, weiß Blaum. „Aber viele ältere Menschen können nicht mehr nach Mössingen fahren. Eine ebenerdige Praxis in Ofterdingen wäre schön, sagen viele Senioren.“

Bei den Allgemeinmedizinern im Steinlachtal seien die Patienten gut aufgehoben, berichtet Bärbel Wellhäuser, die die Zweigstelle Bodelshausen/Ofterdingen der Diakonie-Sozialstation leitet. Für sie ist die Arbeit allerdings aufwändiger geworden, weil Merkels Patienten nun auf verschiedene Ärzte verteilt sind. Für die älteren Patienten, weiß sie, sei es nun ein größerer Umstand, ihren Hausarzt aufzusuchen. Sie hätten nicht nur längere Wege, sondern auch längere Wartezeiten. „Es wäre ein Segen, sagen viele, wenn wieder ein Arzt nach Ofterdingen käme.“

04.11.2011 - 08:30 Uhr

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