In der evangelischen Landeskirche ist der Remmingsheimer Posaunenchor eher ein Nachzügler. Doch während manch anderer Posaunenchor nur mit Mühe alle vier Stimmen sicher besetzen kann, wirken die Remmingsheimer mit ihren 67 Bläserinnen und Bläsern ungewöhnlich vital.
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michael hahn
Die älteren Herrschaften in „Weschde ond Krawatt“, die Nachwuchsspieler/innen im blauen Polo- oder T-Shirt: Die Altersspanne im Remmingsheimer Posaunenchor reicht von zehn bis 75. Seit 15 Jahren gehören auch Kesselpauken zum Ensemble.Bild: Posaunenchor
Remmingsheim. Posaunenchöre sind etwas typisch evangelisches. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts gab es vor allem in pietistisch geprägten Kirchengemeinden eine richtige Gründungswelle. Gespielt werden übrigens nicht nur Zugposaunen, sondern alle Blechblas-Instrumente von der Trompete bis zur Tuba.
Die Posaunenchöre begleiten die Gottesdienste musikalisch, spielen an kirchlichen Feiertagen, auf Gemeindefesten, Geburtstagen und Beerdigungen. Ihren Auftrag leiten sie aus der Bibel ab: „Lobet ihn mit Posaunen“, heißt es in Psalm 150. Mit dieser religiösen Ausrichtung grenz(t)en sich die Posaunenchöre stets von Militärkapellen und von säkularen Musikvereinen ab.
Einen solchen übergreifenden Musikverein gibt es in Remmingsheim gar nicht (anders als etwa in Wolfenhausen oder Nellingsheim). Deswegen füllt der Posaunenchor hier eine Lücke. Den Spielmannszug der Feuerwehr und das Akkordeonorchester betrachte man nicht als Konkurrenz, sagt der Posaunen-Vorstand Walter Höffl.
Als ihr Ursprungsdatum betrachten die Remmingsheimer Bläser den 24. September 1961. Damals besuchten einige Remmingsheimer den evangelischen Jungmännertag auf dem Killesberg – und waren vom Posaunenspiel dort so beeindruckt, dass sie gleich selbst einen Bläserchor gründen wollten. Mit Hilfe von befreundeten Posaunenchören in Kilchberg, Dusslingen und Mössingen besorgte man sich die ersten Instrumente, und am 1. Advent 1961 spielte das neue Ensemble zum ersten Mal „Macht hoch die Tür“ in der Remmingsheimer Kirche.
Von den neun Gründungsmitgliedern leben noch sechs, drei davon spielen noch aktiv. Darunter ist auch der heutige Ehrenvorstand Theo Wandel, der 36 Jahre lang als Vorstand aktiv war. „Er war der Motor“, sagt sein Nachfolger Höffl. Dirigent ist seit 1994 Wilhelm Luginsland.
Ungewöhnlich am Remmingsheimer Posaunenchor ist die starke Jugendarbeit – und hier der hohe Mädchenanteil. Jahrzehntelang war das Posaunenspiel eine reine Männersache.
Eher selten ist es auch, dass sich ein Posaunenchor eine Art Uniform zulegt. Mit „Weschde ond Krawatt“ wolle man halt eine gewisse Einheitlichkeit demonstrieren, sagt Höffl dazu. „Die haben wir uns zu unserem Vierzigsten angeschafft.“ Damit gleicht sich das evangelische Ensemble aber auch den weltlichen Musikvereinen an, zumindest optisch.
Auch das Repertoire der Remmingsheimer besteht nicht nur aus Chorälen, sondern auch aus moderner Literatur. Dabei achte man aber immer auf einen gewissen „geistlichen Hintergrund“, betont Höffl – wie beispielsweise bei „One Moment in Time“ von Whitney Houston. „Das wird oft bei Hochzeiten gewünscht“, sagt Höffl.
Auf anderen modernen Schnickschnack verzichtet der Posaunenchor. Er hat auch keine Internetseite. Und die 36-seitige farbige Jubiläums-Festschrift kommt ganz ohne bezahlte Inserate aus.
Der Posaunenchor ist kein eigener Verein, sondern eine Untergruppe der Kirchengemeinde. „Wir sind eine von vielen Gruppen“, sagt Höffl bescheiden. Formal gehören die evangelischen Posaunenchöre zum Evangelischen Jugendwerk – auch wenn einige Bläser längst im Rentenalter sind.
Mit ihrem Posaunenchor zeigt die Kirchengemeinde aber auch im weltlichen Remmingsheim Präsenz, beispielsweise beim jährlichen Wengertfest am Pfingstmontag oder beim Maibaum-Aufstellen (im Wechsel mit anderen Vereinen).
Festgottesdienst in der Stäblehalle
Am kommenden Sonntag, 23. Oktober, ist um 10 Uhr Jubiläumsgottesdienst in der Stäblehalle. Dazu kommen auch befreundete Posaunenchöre aus Ergenzingen, Kilchberg und Sulz/Neckar. Anschließend ist Stehempfang mit Grußworten und Ehrungen langjähriger Mitglieder. Zum Jubiläum hat der Posaunenchor eine ansprechend gestaltete Festschrift herausgegeben (36 Seiten). Besonders pfiffig: das Bild auf der Rückseite!