Neustettens Bürgermeister Gunter Schmid warb im Nellingsheimer „Hirsch“ für seine Wiederwahl
Statistisch betrachtet, kam jeder zehnte Nellingsheimer am Montagabend in den örtlichen „Hirsch“, um beim Wahlkampfauftakt von Neustettens Bürgermeister Gunter Schmid dabei zu sein. Kritik musste der bislang ohne Herausforderer gebliebene Amtsinhaber dabei tatsächlich keine einstecken.
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willibald ruscheinski
Wahlkampf auf dem Dorf wie gemalt: Eine Schankstube mit Bollerofen und hölzerner Wandtäfelung; an die 50 Männer und Frauen, die es kümmert, was in ihrem Flecken los ist; und ein Kandidat (Gunter Schmid, im Bild rechts), der bereits als Bürgermeister amtiert und sich schon deshalb kaum dabei erwischen lassen muss, dass er über etwas nicht Bescheid wüsste. Bild: Ulmer
Nellingsheim. Groß politisiert wurde nicht in einer der schönsten erhaltenen alten Schankstuben im Landkreis. Eher wohnten die rund 50 Gekommenen einer Art Bürgerversammlung bei, in der der Amtsinhaber Rechenschaft ablegt über das seit seiner Erstwahl 2004 Geschaffte. Und das passt zum nüchternen Stil des 42-jährigen Diplomverwaltungswirtes, der nicht nur auf mittlerweile zwei Jahrzehnte Rathaus-Praxis verweisen kann: „Bei mir“, wirbt er als „zuverlässiger, kompetenter und ehrlicher Ansprechpartner“ für seine Wiederwahl, „stehen immer Sachfragen im Vordergrund. Ich bin keiner Partei verpflichtet, nur meinem Amt und den Bürgern.“
Also breitet Schmid erst einmal aus, was sich mit ihm als Rathaus-Chef eine Amtsperiode lang getan hat. Fazit vorab: „Wir haben keinen Bereich vernachlässigt, sondern die Aufgaben ganzheitlich angepackt.“ Zum Beispiel die Kinderbetreuung: Angebote für Unter-Drei-Jährige gibt‘s, neben so vielem anderen, inzwischen in allen Ortsteilen, dazu gemeindeweit Ganztagsbetreuung und Öffnungszeiten, die so flexibel sind, dass Eltern jeden Wochentag anders gestalten können.
Durch eine Kinderförderung bei der Grundstücksvergabe greift das ineinander mit einer Baulandpolitik, die sich zum Ziel gesetzt hat, ständig Fläche für junge Familien aus der Gemeinde vorhalten zu können. „Weil mich die vielen privaten Baulücken gestört haben“, so Schmid, entschied sich der Gemeinderat 2007 bei der Ausweisung der „Gärten“ in Remmingsheim erstmals ein neues Umlagemodell anzuwenden, das einen Großteil der Fläche in die Hand der Gemeinde gibt.
Gleichzeitig, so Schmid, habe Neustetten übers Landessanierungsprogramm (Remmingsheim) und Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (Nellingsheim) die Erneuerung der Ortskerne vorangetrieben. Auch die Ansiedlung des Bonus-Marktes (als „letzte Chance“, einen Nahversorger in der Gemeinde zu halten), die Einführung von flächendeckend Tempo 30, die Anlage eines neuen Häckselplatzes oder den Anschluss aller drei Orte ans schnelle DSL-Internet, die ein Drittel der Energiekosten sparende komplette Auswechslung aller Straßenlampen und eine Feuerwehr, deren ältestes Fahrzeug gerade mal 13 Jahre auf dem Buckel hat: Alles Errungenschaften, die Schmid im Schnelldurchlauf einer fast nicht enden wollenden Leistungsbilanz streift.
„Wenn Sie mir vor acht Jahren gesagt hätten, dass wir all das machen müssen, hätte ich mir‘s vielleicht noch einmal überlegt“, scherzt er und setzt dann mit dem Kassensturz ganz ernsthaft einen obendrauf. „Damit wir unseren Kindern auch noch einen Gestaltungsspielraum erhalten können“, sei in den vergangenen acht Jahren „kein einziger Cent“ aus der Rücklage entnommen worden. Und das bei einem Investitionsvolumen von 16 Millionen Euro samt einem „recht hohen Level“ der Aufgabenerfüllung, das sich der Kandidat selbst attestiert.
„Keine Spinnereien“, aber eine am Bedarf der Bürger orientierte Sicherung des Bestehenden verspricht er an diesem Abend speziell den Nellingsheimern. Der örtliche Kindergarten werde „ohne Wenn und Aber erhalten“, desgleichen das 2007 für bald eine Million sanierte und umgebaute Bürgerhaus. Nicht zur Disposition stehen für den Bürgermeister auch die örtlichen Feuerwehrabteilungen, die es als „Allzweckwaffe der Gemeinde“ zu stärken gelte. Und unbedingt festhalten will er – trotz einer Auslastung, die das zu einem dicken Zuschussgeschäft macht – am Back- und Schlachthaus im 500-Einwohner-Ortsteil: „Klare Ansage, das wird in den nächsten acht Jahren saniert.“
DSL soll endlich
richtig schnell werden
„Noch nicht optimal“, räumt der Bürgermeister ein, sei derzeit die DSL-Versorgung Nellingsheims: Wegen der langen Kupferkabel von der Vermittlungsstelle in Remmingsheim kommen am anderen Ende Nellingsheims nur noch 3 Megabit Bandbreite an. „Ich halte es für notwendig“, bekennt Schmid, „diesen Zustand zur Not auch ohne Zuschüsse aus Stuttgart zu verbessern.“ Also will er Glasfaserkabel nach Nellingsheim legen, unterwegs das Neustetter Gewerbegebiet mitnehmen und die Telekom den kleinsten Ortsteil mit einem eigenen Verteiler bedienen lassen.
Nach so viel geballter Information brauchen die Bürger/innen erst einmal fünf Minuten Trinkpause, ehe sie zunächst zögerlich, dann mit wachsender Begeisterung Fragen stellen. Die Brisanz der Themen jedoch ist überschaubar: Von den Feuersirenen, die nach der Einfügung der digitalen Alarmierung zur Disposition stehen könnten, über Hundekot auf Spazierwegen bis hin zu nicht funktionierenden Türschließern im Bürgerhaus reicht die Skala der kleineren und noch kleineren Schmerzen.
„Große Probleme und Ungereimtheiten habe ich nicht festgestellt“, fasst auch der Kandidat am Ende selbst zusammen, nachdem er aufmerksam Rede und Antwort gestanden hat. Und keiner auf den Stühlen widerspricht, wenn Schmid sagt: „Es sind Kleinigkeiten, die im laufenden Betrieb noch einer Nachjustierung bedürfen. Aber sagen Sie mir‘s, dann wird‘s umgehend erledigt.“
Info Nächstes Bürgergespräch mit Gunter Schmid ist am heutigen Mittwoch um 19.30 Uhr im Wolfenhausener Mostbesen.