Lebensmittelmarkt verliert Umsatz und Fördermittel
Der Bonus-Markt in Remmingsheim steht wieder mal auf der Kippe. Denn die Bundesregierung will künftig weniger so genannte Ein- Euro-Jobs finanzieren.
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michael hahn
260 Quadratmeter Verkaufsfläche: Seit vier Jahren betreibt die Bonus-GmbH einen Lebensmittelmarkt an der Remmingsheimer Ortsdurchfahrt.Archivbild
Remmingsheim. Die gemeinnützige Bonus-GmbH mit Sitz im Stuttgarter Hallschlag betreibt seit Herbst 2007 einen Lebensmittelmarkt an der Remmingsheimer Hauptstraße, als Nachfolger des früheren „IK“-Ladens. Für einen kommerziellen Markt hatte sich Remmingsheim mit seinen gut 2000 Einwohnern einfach als zu klein erwiesen.
Im Bonus-Markt arbeiten fünf Leute in so genannten Ein-Euro-Jobs – meist junge Leute oder Langzeit-Erwerbslose, die vom Tübinger Jobcenter gefördert werden. Sie erhalten „Hartz IV“ plus einen Stundenlohn von 1,50 Euro. Die Bonus-Jobs sollen die Erwerbslosen auf reguläre Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisse vorbereiten.
Die Bonus-GmbH bezahlt den fest angestellten Marktleiter und die sozialpädagogische Betreuung. Insgesamt betreibt Bonus 36 Lebensmittelmärkte im Großraum Stuttgart, darunter auch zwei in Kusterdingen und Hirrlingen.
Am Montagabend erläuterten Bonus-Geschäftsführer Manfred Kaul und Horst Bokma, der Leiter des Tübinger Jobcenters, das Konzept im Neustetter Gemeinderat.
Bürgermeister Gunter Schmid hatte die beiden Herren eingeladen, nachdem er erfahren hatte, dass die Bonus-GmbH ihren Mietvertrag auf Oktober 2012 gekündigt hatte. Denn Geschäftsführer Kaul befürchtet, dass das Jobcenter künftig weniger Ein-Euro-Jobs finanzieren wird. Horst Bokma bestätigte: „Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass wir kürzen müssen“ (siehe Kasten).
Dabei war der Remmingsheimer Markt bisher relativ erfolgreich bei der Weitervermittlung der Jobber. 36 Leute hätten bisher in dem Laden gearbeitet, sagte Kaul dem TAGBLATT. Davon hätten immerhin neun im Anschluss einen regulären Arbeits- oder Ausbildungsplatz gefunden. Die anderen 27 Jobber „mussten wir in die Arbeitslosigkeit entlassen“, sagt Kaul. (Nicht mitgezählt sind Leute, die schwanger wurden oder in eine Therapie wechselten). Diese Vermittlungsquote von 25 Prozent liege deutlich über dem Landesdurchschnitt.
Auch dies bestätigte Horst Bokma: „Der Laden läuft gut.“ Der Tübinger Jobcenter-Chef weiß dies auch aus eigener Anschauung, weil er selbst in Remmingsheim wohnt und gelegentlich bei Bonus einkauft.
Mit den vom Jobcenter bezahlten Jobbern komme der Remmingsheimer Markt gerade so hin, sagte Kaul. Die Verwaltungskosten der Bonus-Zentrale müssen derweil die größeren Bonus-Läden erwirtschaften. Das sei aber keine Dauerlösung.
Wenn das Jobcenter künftig tatsächlich weniger Ein-Euro-Jobs vergeben sollte, dann müsse man eben über andere Modelle für einen dörflichen Lebensmittelladen nachdenken, sagte Kaul. Er nannte die Stichwörter „Ehrenamt“ und „Bundesfreiwilligendienst“. Vielleicht werde auch die neue Landesregierung ein Förderprogramm für Ausbildungsplätze auflegen.
Und er wandte sich direkt an den Gemeinderat: „Die Kommune könnte sagen: Wir finanzieren einen Ausbildungsplatz im Bonus-Markt. Oder wir zahlen eine Mietsubvention“ – ähnlich, wie es manche Landgemeinden schon für Allgemeinärzte tun. Da intervenierte jedoch Bürgermeister Schmid: „Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Da bekommen wir eine lange Liste von Arztpraxen und Apotheken, die Mietsubventionen brauchen könnten.“
Die Remmingsheimer Situation wird dadurch verschärft, dass der Bonus-Umsatz sinkt. In den Vorjahren lag er knapp über 500 000 Euro, im laufenden Jahr wird er deutlich darunter bleiben. Das bedeutet umgerechnet, dass jeder Remmingsheimer im Monat für 20 Euro in dem Laden einkauft.
Gemeinderätin Petra Jugl beklagte zwar „das permante Kommen und Gehen“, weil die Jobber maximal sechs Monate im Markt arbeiten (manche brechen auch früher ab). Jugl: „Ich vermisse einen durchgängigen Ansprechpartner.“ Aber sie lobte auch: „Das Soritment ist sehr gut. Es gibt keinen Grund, da nicht einzukaufen.“
Und Bürgermeister Schmid sagte über den sinkenden Umsatz: „Da sind unsere Bürger gefordert. Der Bonus-Markt ist unsere letzte Chance auf einen Lebensmittelmarkt am Ort. Das muss den Neustettern klar sein.“
Die Instrumentenreform und die Ein-Euro-Jobs
Bundestag und Bundesrat diskutieren derzeit über eine erneute Reform der Arbeitsmarktpolitik. Die so genannte Instrumentenreform sieht vor, dass die Mittel für Ein-Euro-Jobs und ähnliche Maßnahmen gekürzt und die Kriterien dafür verschärft werden. Diese Entwicklung läuft schon seit mehreren Jahren. Das Tübinger Jobcenter hatte 2008 noch mehr als eine Million Euro für Ein-Euro-Jobs zur Verfügung; im laufenden Jahr sind es noch 600 000 Euro, und 2012 voraussichtlich noch weniger, sagte Horst Bokma am Montag. Derzeit laufen im Landkreis Tübingen gut 200 Ein-Euro-Jobs. Fünf davon sind im Remmingsheimer Bonus-Markt.