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Bauplätze und Betreuungsplätze

Bürgermeister Schmid freut sich auf zweite Amtszeit

Mangels Gegenkandidaten fällt der Wahlkampf in Neustetten wieder einmal aus. Mit drei Informationsveranstaltungen (in jedem Ortsteil eine) im Dezember und nun einem doppelseitigen Prospekt kann der ehemalige Fußballer Gunter Schmid auch als Bürgermeisterkandidat den Ball flach halten.

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Michael Hahn
Auch auf eine „seniorengerechte Gestaltung“ will Schmid achten, schreibt er in seinem ... Auch auf eine „seniorengerechte Gestaltung“ will Schmid achten, schreibt er in seinem Wahlprospekt. Dazu gehört auch der Umbau des Remmingsheimer Rathauses, das neuerdings über ein ebenerdiges Bürgerbüro und einen Aufzug verfügt. Und das Pflaster auf dem neu gestalteten Dorfplatz sei besonders rollatorfreundlich.Bild: Mozer

Neustetten. Der Tag nach Weihnachten war ein spannender Tag in Gunter Schmids Kalender. Da endete die Bewerbungsfrist für die Neustetter Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag. Seine eigene Bewerbung hatte der 42-jährige Amtsinhaber gleich zu Beginn der Frist im November im Rathaus-Briefkasten eingeworfen. Dann blieb wochenlang alles ruhig – aber manchmal meldet sich noch jemand auf den letzten Drücker. Doch auch am 27. Dezember ging keine zweite Bewerbung mehr ein – und so ist Gunter Schmid am Sonntag der einzige Kandidat. Die Wiederwahl ist ihm damit sicher.

Artikelbild: Neustettens Bürgermeister Gunter Schmid warb im Nellingsheimer „Hirsch“ für seine Wiederwahl

Ein Wahlkampf findet damit im Stäble nicht statt. Das hat schon Tradition. Denn mehr als 30 Jahre lang regierte hier unangefochten Rudi Maier, der 1971 die Fusion der drei Dörfer Remmingsheim, Wolfenhausen und Nellingsheim eingefädelt hatte. Als Maier vor acht Jahren in den Ruhestand ging, kam es zum ersten Mal zu einem echten Wahlkampf in Neustetten. Gunter Schmid war damals schon seit mehreren Jahren der leitende Fachbeamte im Rathaus. Mit dem gebürtigen Herrenberger Heiko Meixner hatte er einen ernsthaften, ähnlich qualifizierten Gegner – und gewann die Wahl dann doch mit einer satten Dreiviertel-Mehrheit.

An den Wahlaussagen messen lassen

Doch auch ohne Herausforderer ließ Schmid einen professionell gestalteten Wahlprospekt erstellen. Den ließ er in der vergangenen Woche zusammen mit dem Gemeindeboten an alle Neustetter Haushalte verteilen (auf eigene Kosten). So viel Verbindlichkeit müsse schon sein, sagte er dem TAGBLATT bei einem Gespräch im Remmingsheimer Rathaus. Und: „An dem Flyer möchte ich mich auch messen lassen.“

Seine Wahlaussagen von vor acht Jahren habe er „zu hundert Prozent erfüllt“, sagt Schmid nicht ohne Stolz über seine erste Amtszeit. Unter der Überschrift „was geschafft ist“ listet er einiges davon auf: neue Baugebiete, die Sanierung öffentlicher Einrichtungen in allen drei Ortsteilen, bis zum „Kauf eines Unimogs“ für den kommunalen Bauhof.

Die größten Veränderungen aber gab es bei der Kinderbetreuung durch die Gemeinde. Vor acht Jahren war die so genannte Regelgruppe tatsächlich noch die Regel: der Kindergarten (selbstverständlich erst ab drei Jahren) war vormittags geöffnet, schloss über Mittag, und bot nachmittags nochmal zwei Stunden an. In größeren Städten ist dies längst ein Auslaufmodell. Aber auch das kleine Neustetten bietet mittlerweile im Kindergarten und in der Grundschule Ganztagsbetreuung an. Und selbstverständlich auch Plätze für Kleinkinder.

Nicht nur günstige Bauplatzpreise

Letzteres ist ab 2013 sowieso vorgeschrieben. Aber Schmid packte den Ausbau der Kinderbetreuung auch aus Überzeugung an. Er will „die Bevölkerungszahl stabil halten“ (vom sprunghaften Wachstum der 1980er und 1990er Jahre ist keine Rede mehr). Nur so könne Neustetten seine Infrastruktur dauerhaft erhalten.

Dafür müsse die Gemeinde um junge Familien werben. „Da nützt es nichts, nur niedrige Bauplatzpreise anzubieten. Die Leute brauchen auch eine gute Kinderbetreuung. Das muss man alles ganzheitlich sehen.“ Neustetten setze überdurchschnittlich viele Erzieherinnen ein und verlange trotzdem nur relativ niedrige Gebühren. Schmid: „Das spricht sich rum.“

Entsprechend groß sei die Nachfrage nach Bauplätzen etwa im Remmingsheimer Neubaugebiet „Gärten I“. Um die Bebauung besser steuern zu können, hat die Gemeinde hier alle Grundstücke erworben und überlässt die Vermarktung nicht mehr den einzelnen privaten Grundstückseigentümern. Früher hielt sich die Kommune weitgehend raus – und entsprechend viele Baulücken klaffen noch in den früheren Neubaugebieten.

Eine gute Kinderbetreuung fördere aber nicht nur den Bauplatzverkauf, sondern diene auch dem kulturellen Leben im Dorf, argumentiert Schmid. Die heutigen Kindergartenkinder gehen später vielleicht mal in den Sportverein oder zur Feuerwehr.

Welches Auto fährt der Bürgermeister?

Die meisten Neustetter Kinder kennen den Bürgermeister sogar persönlich. Denn ein Besuch im Rathaus steht fest im Lehrplan der Grundschule. Dann erklärt Schmid die Aufgaben einer Kommune: Wasserversorgung, Gehwege, et cetera. Die Kinder erkundigen sich eher nach der Person: „Die fragen immer: Was für ein Auto fahren Sie?“, erzählt Schmid. Seine Antwort fällt dann eher ernüchternd aus: „einen Golf“. Immerhin kann der Bürgermeister mit seinen Haustieren punkten: zwei Hasen.

Stattliche 16 Millionen Euro hat die Gemeinde während Schmids erster Amtszeit investiert, vor allem in Umbauten und Sanierungen. Dieses Niveau wird sich in der zweiten Amtszeit wohl kaum halten lassen. Das nächste Großprojekt ist allerdings schon beschlossen. Für rund eine Million Euro will die Gemeinde in diesem Jahr ein neues Gebäude für eine Kinderkrippe und die Bücherei bauen – gleich neben dem Kindergarten.

Mit den einmaligen Baukosten ist es nicht getan. „Wir können keine neue Bücherei bauen und diese dann nur zwei Stunden in der Woche öffnen“, sagt Schmid. Bisher decken vier Ehrenamtliche diese zwei Stunden ab. Künftig müsse die Gemeinde „auch mehr Personal zur Verfügung stellen“, sagt Schmid – so wie ja auch der Ausbau der Kinderbetreuung zusätzliche Stellen erfordert. Nur die Verwaltung im Rathaus selbst ist weiterhin chronisch knapp besetzt.

Keine Konflikte mit Rat und Verwaltung

Trotzdem ist das Betriebsklima im Rathaus gut. „Ich bin ein Team-Player“, sagt Schmid. Und: „Hier sind lauter erwachsene Leute beschäftigt.“ Außerdem sei er früher ja auch „selbst auf der anderen Seite des Tischs gesessen“. Auch mit dem Gemeinderat kommt der Bürgermeister prima aus. So spricht Schmid auch stets von „wir“ (statt von „ich“).

Dabei kommt dem Schultes sicher auch zugute, dass es zwischen den drei Teilorten keine nennenswerten Konflikte gibt. Anknüpfend an die jahrhundertelange Geschichte als evangelische Insel im katholischen Rottenburger Umland sind die drei Stäble-Dörfer in den vergangenen 40 Jahren harmonisch zu einer Gemeinde zusammen gewachsen.

Nun hofft Schmid auf ein gutes Wahlergebnis am Sonntag. Genauer: auf eine hohe Wahlbeteiligung. Das wird nicht leicht werden, da Schmids Wiederwahl ja schon fest steht. Die Nachfrage nach Briefwahlunterlagen ist bisher nur schwach, sagt der Fachbeamte Martin Bühler im Rathaus. Auf ein konkretes Wahlziel will sich Schmid allerdings nicht festlegen lassen. Nur so viel: Etwas mehr als die 27 Prozent seines Gäufeldener Amtskollegen im vergangenen Jahr sollten es schon sein.

19.01.2012 - 08:30 Uhr

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