Gemeinde Nehren investiert, kommt aber ohne neue Kredite aus
Der Nehrener Gemeinderat hat am Montagabend einstimmig seinen Haushalt verabschiedet. Eine Kinderkrippe gehört zu den wichtigsten Investitionen, für die Geld eingestellt ist.
Anzeige
Gabi Schweizer
Nehren. Lange Zeit galt Nehren als besonders familienfreundliche Gemeinde. Mittlerweile verliert sie dieses Alleinstellungsmerkmal, machte Bürgermeister Egon Betz klar. Denn ringsum bauen die Gemeinden Kindertagesstätten, in denen auch Jungen und Mädchen unter drei Jahren betreut werden. Auf solche Plätze haben Eltern ab 2013 einen Rechtsanspruch; mittlerweile hat die rot-grüne Landesregierung auch die Zuschüsse für die laufenden Kosten erhöht. In Nehren gibt es zwar den Minikindi – aber die 20 Plätze decken nur die Hälfte des Bedarfs. Nun will die Gemeinde in der Auchtertstraße ein weiteres Betreuungsgebäude bauen. 800 000 statt der ursprünglich vorgesehenen 500 000 Euro soll es kosten, 560 000 Euro kommen als Zuschuss zurück.
Egon Betz rechnet in Amtszeiten: Wenn seine erste in sieben Jahren zu Ende ist, möchte er die Schulden der Gemeinde halbiert haben. Derzeit sind es rund vier Millionen Euro, neue Kredite sind für 2012 nicht geplant. Sparen möchte Betz, indem er in die Substanz investiert. Straßen nicht zu richten könne am Ende richtig teuer werden – wenn die Tragschicht Schaden nimmt – nun sind 170 000 Euro eingestellt. Das Rathaus soll barrierefrei werden (50 000 Euro). Das Gebäude in der Luppachstraße 1, das der Gemeinde gehört, sei „energetisch eine Katastrophe“ – man müsse „Sanierungsmittel endlich abgreifen“ (150 000 Euro sind eingestellt). Für Südwest-Ehrenberg II sind 30 000 Euro eingeplant: „Ich hätte in den letzten zwei Monaten 15 Bauplätze verkaufen können“, sagte Betz. 20 000 Euro sind für die Innenentwicklung des Dorfes vorgesehen.
Mit dem Haushalt zeigten sich alle Fraktionen sehr zufrieden. Die SPD hatte zunächst das Schulessen bezuschussen wollen, den entsprechenden Antrag aber zurückgezogen – durch die Fördergelder von Bund und Land habe sich das erübrigt, erklärte Fraktionssprecher Hans Rebmann. Ein Mittagessen kostet regulär 3,30 Euro, arme Familien können es nun für einen Euro bekommen. Über das Bildungs- und Teilhabepaket werde auch die Hausaufgabenzeit bezuschusst, erklärte Tanja Schmidt auf Nachfrage.
Nach wie findet die SPD es wichtig, dass der Viehmarkt, also der kleine Park im Ortskern, hergerichtet wird. Auf einen entsprechenden Antrag hat sie verzichtet. Noch ein Wunsch: Für die Vereinsförderung solle es ein nachvollziehbares Regelwerk geben.
„Der Haushalt ist geprägt von Solidität“, lobte CDU-Sprecher Werner Nill. Seine Fraktion möchte im Bürgerhaus ein Heimatmuseum einrichten. 3000 Euro beantragten Bürgerliche und CDU für Vitrinen und Regale. Was alle befürworteten – mit zwei Einschränkungen: Man brauche ein Konzept, fand Betz – er würde gern in dem Arbeitskreis mitarbeiten, der wiederbelebt werden soll. Zweitens wurden die bereits genehmigten 3000 Euro um 500 verringert – so blieb die Gemeinde insgesamt unter der Summe, die sie aus der Rücklage entnehmen darf. Das sind immerhin 200 000 Euro.
Schwerer geht wohl der zweite CDU-Antrag durch, auch wenn das komplette Gremium ihn gut findet: LKW sollen nicht mehr durchs Dorf fahren. Betz ist im Gespräch mit dem Landratsamt. Aber eine Lösung hat sich bisher nicht abgezeichnet. Gerhard Ziersch (AL) fühlt sich von der Behörde „an der Nase herumgeführt“: In Hirschau und Ohmenhausen habe es schließlich auch geklappt mit Tempo 30 – dort sogar auf einer Landesstraße.
Gerd Klett findet es gut, dass die Gemeinde einerseits spart, andererseits bestimmte Errungenschaften wie das Lehrschwimmbecken und die Schulsozialarbeit nicht anrührt. Eine „Kleinigkeit“ nur mahnte er an: Das Bürger- und Vereinshaus brauche eine Industriespülmaschine. Ziersch holte weiter aus: „Wie soll Nehren in 20 Jahren aussehen?“ Woher kommt das Geld, wenn es keine Bauplätze mehr zu verkaufen gibt? Kann die Gemeinde neue Energiequellen erschließen? Damit sollten sich die Verwaltung, der Gemeinderat und die Bürger beschäftigen. Die Verwaltung prüft gerade, ob sich ein Blockheizkraftwerk für den Minikindi rentiert. „Nehren erzeugt mehr Strom als es verbraucht“, erklärte Betz, über Fotovoltaik und Biogas. Das sei halt ein theoretischer Wert, solange der Strom nicht gespeichert werden kann.