Landkreis Reutlingen mauert beim ÖPNV auf den Härten
Die Busse auf den Härten waren das Thema im Kusterdinger Gemeinderat am Mittwochabend. Eine Abordnung des Landratsamts stellte ein neues Konzept vor, das nicht nur aus Verbesserungen enthält. Ein Grund dafür: Der Kreis Reutlingen verweigert Subventionen des Busverkehrs.
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Ulla Steuernagel
Schüler sind zuverlässige ÖPNV-Nutzer, wie der 13.08-Uhr-Bus nach Kusterdingen gestern am Tübinger Busbahnhof zeigte. Bild: Sommer
Kusterdingen. Der AK Mobilität unter der Leitung von Paul Starrach hatte sich vor kurzem per Fragebogen an die Härten-Bewohner gewandt, um ihre Meinung zum ÖPNV herauszufinden. Die Resonanz, sprich: Unzufriedenheit, war längst nicht so groß wie vor zehn Jahren, als die Härten-Busse noch dünn gesät waren.
Dennoch wurden einige Schwachstellen kritisiert: die schlechten Wochenendverbindungen nach Tübingen und Reutlingen, der Mangel an Nachtbussen in der Woche und in den Ferien, die Schwierigkeit, frühmorgens zum Arbeitsplatz Klinikum zu kommen und der fehlende Pendelverkehr zwischen Kusterdingen und dem Kirchentellinsfurter Bahnhof. Und dass das Thema unter den Nägel brennt, zeigte eine größere Bürgerbeteiligung bei der Sitzung. Ein Schüler wunderte sich über das Verschwinden des 7-Uhr-Busses nach Tübingen, das wiederum zum verspäteten Eintreffen im Carlo-Schmid-Gymnasium führt. Einer Angestellte fehlte eine gesicherte frühe Verbindung von Mähringen ins Klinikum. Und dass man während des Tages schlecht nach Reutlingen komme, kritisierte eine Reutlingerin, die auf den Härten arbeitet.
Eine andere Finanz-Philosophie
Die Männer vom Landratsamt sahen sich nicht imstande, auf alle diese Wünsche einzugehen. Einerseits versicherte Hans-Erich Messner, Erster Landesbeamter und Chef der Abteilung Umwelt und Verkehr: „Wir möchten guten Busverkehr auf den Härten!“ Und: „Die Schulverbingen haben für uns die erste Priorität.“ Andererseits aber ging man für das „Planungsgebiet Ost“ auch von einer Einspar-Perspektive aus. 100 000 Euro sollten es sein, und zum Ausgleich sollte der Landkreis Reutlingen zur Kasse gebeten werden. Dieser hatte bisher bei den Zuschüssen gemauert. Messner umschrieb es als „eine andere Philosophie der Finanzierung“. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, während der Landkreis Tübingen 4,2 Millionen Euro für den ÖPNV ausgibt, ist der den Reutlinger Nachbarn gerade mal 780 000 Euro wert.
Dass nun Tübinger Kreisbewohner Busse sponsern sollen, die auf Reutlinger Gemarkung touren, sieht man im Landratsamt nicht ein. Der Kreis Reutlingen habe jedenfalls deutlich gemacht, dass man „keine Kosten übernehmen wolle“, auch nicht für die Strecke zwischen dem Industriegebiet Mark West und Reutlingen. Und wenn dann noch eine Buslinie, wie die 7605 (Realschule Kirchentellinsfurt bis Reutlingen Bahnhof), zwar im Schulbetrieb ausgelastet ist, aber darüber hinaus nur maue Fahrgastzahlen einfährt, dann stehen Kürzungen im Raum. Das Landratsamt Tübingen revidierte seinen ursprünglichen Plan um die Hälfte: 50 000 Euro will man nun in Zukunft einsparen.
Die wichtigste Linie, die 7611, befördert während der Schulzeiten 1829 Fahrgäste (so wurden in Stichproben ermittelt), zu schulfreien Wochentagen rund 500 weniger. Nach den Osterferien wird es auf dieser Strecke einige Verbesserungen geben (Stichtag ist der 16. April). Zum einen werden, so erklärte Tobias Schmauder vom Landratsamt, die Anschlussverbindungen in Tübingen optimiert, zwischen Kusterdingen und Tübingen soll es auch eine frühe Direktverbindung geben. Zum anderen wird die 7611-Linie zwischen 5 und 20 Uhr im 30-Minuten-Takt pendeln („Dieses Ziel wird bis auf wenige Ausnahmen erreicht.“) Zwischen Tübingen und Jettenburg sollen die Busse im Stunden-Takt fahren. Ausgedünnt werden die Touren nach Reutlingen, was vor allem die Linie 7605 trifft.
Verbindung zwischen den einzelnen Orten
Wolfgang Weiß von der Härtenliste fragte an, ob die Gemeinde Kusterdingen nicht selber Geld in die Hand nehmen könnte, um solche Einsparungen auszugleichen. Er betonte auch, dass manch geringe Auslastung im Nahverkehr auch mit mangelnder Attraktivität zusammenhänge und mit Direktbussen nach Reutlingen verbessert würde.
Dagegen konnte Jörg Kautt (FWV) verstehen, dass man „auf die Kostenbremse treten muss“. Bürgermeister Jürgen Soltau stellte ein „Fragezeichen“ in den Raum, ob nämlich eine schlechtere Anbindung der Teilorte an Kusterdingen, „die Charakteristik unserer Gemeinde richtig erfasst“ habe .