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Glockenklang früh am Morgen

In Kusterdingen hält sich ein lärmender Weihnachtsbrauch

Morgens um fünf ist es am Heiligen Morgen in Kusterdingen vorbei mit der Nachtruhe: Alle Jahre wieder lädt der Liederkranz zum Glockenzug ein.

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sabine lohr
Am 24. Dezember stehen die Kusterdinger früh auf: Morgens um 5 Uhr ziehen die Glocker durch den ... Am 24. Dezember stehen die Kusterdinger früh auf: Morgens um 5 Uhr ziehen die Glocker durch den Ort. Archivbild: Groebe

Kusterdingen. Stockfinster ist es noch, wenn sich morgens um fünf Uhr der Liederkranz und viele, viele Kusterdinger mit dem Nikolaus vor der August-Lämmle-Schule treffen. Sie zünden Fackeln an und haben Schellen dabei – große und kleine, zart klingende und laut bimmelnde. Sogar große Glocken alter Pferdefuhrwerke sind dabei, schön laute.

Läutend ziehen sie durchs Dorf, mit warmen Mützen und roten Backen. Im Bett hält es da keinen mehr. Das ist auch gut so: Denn überall, wo der Glockenzug vorbeikommt, treten die Daheimgebliebenen vor die Tür. Mancher steckt dem einen oder anderen auch etwas zu.

Geläut vertreibt

die Totengeister

Seit gut hundert Jahren gibt es diesen Brauch in Kusterdingen. Und immer war es der Liederkranz, der den Glockenzug organisierte. In den 50er-Jahren wurde der Brauch allerdings abgeschafft, weil er angeblich nicht mehr in die christliche Zeit passte. Doch die Jugendlichen ließen sich durch das Verbot nicht daran hindern, am Vorabend von Heiligabend Glocken schwingend (und krakeelend) durch den Ort zu ziehen.

Die von den Germanen gefürchteten Totengeister, die durch das Glockenläuten vertrieben werden sollten, wurden damit zwar von Kusterdingen ferngehalten, doch vielen gefiel das undisziplinierte Bimmeln der jungen Leute nicht. 1975 führte deshalb der Liederkranz den schönen, alten Brauch wieder ein. Mit dem Glockenläuten beginnen die „zwölf Nächte, auch Raunächte genannt, die bis Drei König andauern. In diesen Nächten, so glaubten die Germanen, wollen die Totengeister die wieder erstarkende Sonne bekämpfen. Diese Geister jedoch haben große Angst vor dem Glockengeläut. Weshalb sie es zumindest in den vergangenen hundert Jahren nicht geschafft haben, die Tage nach dem 24. Dezember wieder kürzer werden zu lassen. Der Brauch war früher auch in anderen Dörfern um Reutlingen herum lebendig. Heute wird er noch in Betzingen gepflegt, wo sich die Glocker schon um vier Uhr treffen und in drei Gruppen durch den Ort ziehen.

Die Kusterdinger indes bleiben beim Glockenzug alle zusammen. Und wärmen sich nach dem langen und lauten Spaziergang durch den Ort mit Kaffee oder Glühwein auf.

Auf den Mittagsschlaf verzichten viele, denn um 13.30 Uhr lädt der Musikverein Jettenburg zum Weihnachtsliedersingen in den Teilort ein. Und danach wird es Zeit, den Baum zu schmücken.

23.12.2011 - 08:30 Uhr

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