Gewerkschafter und Geschäftsleitung gegen Intoleranz
„Respekt! Kein Platz für Rassismus“ – dieses Schild prangt seit gestern am Werkstor von Modine in Kirchentellinsfurt. Betriebsrat und Geschäftsleitung beim Automobilzulieferer sowie die IG Metall unterstützen die bundesweite Kampagne.
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Volker Rekittke
Bekenntnis gegen Rassismus (von links): die Betriebsräte Ersoy Durmus, Birgit Klein und Platon Chatzitheodoridis, von der Firmenleitung Thomas Schmidt und Wolfgang Rommel sowie Betriebsrat Antonio Potenza, der Reutlinger IG-Metall-Bevollmächtigte Dieter Keiper und der Kirchentellinsfurter Modine-Betriebsratsvorsitzende Thomas Koscielniak. Bild: Metz
Kirchentellinsfurt. Das Modine-Werk in Kirchentellinsfurt ist der erste Betrieb im Kreis Tübingen, der sich an der bundesweiten Kampagne gegen Rassismus beteiligt. Die Initiative dazu ging aus von den Beschäftigten-Vertretern, vor allem von Antonio Potenza. Der Stellvertretende Betriebsratsvorsitzende in Kirchentellinsfurt ist zugleich aktiv im Migrationsausschuss der hiesigen IG Metall.
Sie stammen aus Deutschland, Italien und der Türkei, aus Russland und Vietnam, Griechenland und Ghana: „Kolleginnen und Kollegen aus über zehn Ländern arbeiten im Betrieb zusammen“, sagt Potenza. Die Teilnahme an der Aktion bereitet er gemeinsam mit Kolleg(inn)en schon seit einem halben Jahr vor – also schon einige Zeit vor den Enthüllungen über die Nazi-Morde in den vergangenen Wochen. Jedoch: „Diese Ereignisse unterstreichen die Wichtigkeit des Appells für einen respektvollen Umgang miteinander“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Thomas Koscielniak: „Intoleranz, Rassismus und Diskriminierung haben keinen Platz in diesem Betrieb.“
So sieht das auch Wolfgang Rommel. Der Geschäftsführer der Modine-Standorte Kirchentellinsfurt und Pliezhausen griff die Gewerkschafter-Initiative gleich auf: „Weil ich’s gut finde.“ Respekt und Wertschätzung seien eben auch „wichtige Grundlagen von Unternehmensführung“. Auch an den anderen Modine-Standorten in Pliezhausen und Neuenkirchen (Nordrhein-Westfalen) sowie in der Zentrale in Bonlanden sollen nun in den kommenden Tagen solche Schilder gegen Rassismus und für Respekt angebracht werden.
Weitere Betriebe in der Region – etwa Walter in Tübingen oder Stoll in Reutlingen – hat der Zweite IG-Metall-Bevollmächtigte Dieter Keiper schon fest im Blick: „Betriebsräte und Arbeitgeber sind sich einig, dass Rassismus in unseren Betrieben nichts zu suchen hat.“ Die Initiative »Respekt! Kein Platz für Rassismus« ist eine gemeinnützige GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main. Gegründet wurde sie 2010 von Lothar Rudolf, dem Inhaber einer Frankfurter Werbeagentur. Unterstützt wird die bundesweite Kampagne mittlerweile von etlichen Prominenten, darunter Fußballer wie Dante Bonfim Costa Santos, dem ZDF-Sportreporter Thomas Wark und Bülent Ceylan, Comedian mit deutschen und türkischen Wurzeln.
Mehr Informationen zur bundesweiten Kampagne: www.respekt.tv
Von Tübingen nach Kirchentellinsfurt: Modine produziert Alu-Kühler für Daimler
Nach Schließung und Verkauf des Tübinger Modine-Werks (heute residiert in der Halle die Solarfirma MHH) vor eineinhalb Jahren kamen die meisten der 120 Beschäftigten in den Werken Pliezhausen (derzeit 220 Mitarbeiter), in der Modine-Zentrale in Bonlanden (360) sowie im Kirchentellinsfurter Modine-Werk unter. In Kirchentellinsfurt sind aktuell 220 Mitarbeiter/innen beschäftigt, 36 von ihnen sind Leiharbeiter, 14 haben einen befristeten Vertrag. Deutschlandweit beschäftigt das Unternehmen rund 900 Mitarbeiter. Etliche waren 2010 in Folge der Krise, die Modine heftig traf, entlassen worden – 57 allein in Kirchentellinsfurt. Die Produktion der Buntmetall-Wasserkühler, die einst in Tübingen lief, wurde komplett eingestellt. Die Origami-Fertigung (eine spezielle Falt-Technik) von Alu-Kühlern läuft in Kirchentellinsfurt weiter – dorthin wurde ein Teil der Tübinger Maschinen geschafft. 17 Mitarbeiter wurden unlängst weiterqualifiziert, seit kurzem werden nun im Kirchentellinsfurter Werk Alu-Kühler für Daimler produziert. Über neue, fest angestellte Mitarbeiter (statt Leiharbeiter) denke man derzeit nicht nach, so Thomas Schmidt von der Firmenleitung: „Wir schauen erst mal, wie sich das kommende Jahr entwickelt.“