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Schwab soll schöner werden

Studentinnen entwickeln Museums-Konzept

Weniger ist mehr: Eine Überfülle an Büchern und Texten ist nicht mehr zeitgemäß. Ein Studentinnenteam um Bernhard Tschofen, Professor für Empirische Kulturwissenschaften in Tübingen, setzt statt dessen auf eine multimediale Präsentation und knappe, aber prägnante Informationen über Gustav Schwab.

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Gabi Schweizer
„Unser Schwab soll schöner werden“: Darin sind sich (von rechts) Bürgermeister Manfred ... „Unser Schwab soll schöner werden“: Darin sind sich (von rechts) Bürgermeister Manfred Schmiderer, der Geschichts- und Altertumsvereins-Vorsitzende Willi Kemmler und Thomas Schmidt vom Deutschen Literaturarchiv Marbach einig. In Kürze wird die Vitrine in Buchform verschwinden – ein Guckloch gibt den Blick auf den Roßberg frei, den Gustav Schwab bedichtet hat. Das neue Konzept eröffnet jedoch frische Einblicke ins Werk des Lyrikers, Sagenübersetzers und Pfarrers. Bild: Franke

Gomaringen. Die Rhetorik, also die Redekunst, galt in der Antike als wichtige akademische Fertigkeit. Natürlich fiel es auch den Athenern und den Römern nicht leicht, sich geschliffene Formulierungen zu merken. Doch sie bedienten sich der Loci-Methode, assoziierten Inhalte mit einem bestimmten Ort. Umgangssprachlich würde man wohl von einer „Eselsbrücke“ sprechen.

So ähnlich, erklärte Thomas Schmidt vom Deutschen Literaturarchiv Marbach am Dienstagabend den Mitgliedern des Geschichts- und Altertumsvereins (GAV), sollen auch die Gomaringer Gustav-Schwab-Stuben konzipiert sein. Sie beschränken sich nicht auf die für Museumsmaßstäbe bescheidenen 28,5 Quadratmeter, sondern schließen den kompletten Ort mit ein, verbinden die Erinnerung an Gustav Schwab mit Gomaringen.

Vor einem Friseurgeschäft, so hatte EKW-Professor Bernhard Tschofen erklärt, könnte ein Schild auf die schöne Helena verweisen und vorm Haus eines Schmieds („oder Schmiderers“) auf Hephaistos. Gustav Schwabs frühere Arbeitsstätte, die Kirche, soll ebenfalls einbezogen werden und neugierig machen auf die beiden „Stuben“ im Schloss. Ob der Begriff „Stuben“ künftig angebracht ist, scheint fraglich. Die Studentinnen Pia-Maria Hilsberg, Alexandra Mende und Xiaonuo Yuan erkärten ausführlich, wie sie und drei weitere Kommilitoninnen die kleinen Räume gestalten möchten.

Der Richtung Alb gelegene ist den „Wanderungen durch Schwaben“ gewidmet, einem Werk, das Gustav Schwab zwar nicht während seiner Gomaringer Jahre 1837 bis 1841 schrieb, das jedoch zu dieser Zeit gedruckt wurde. Eine Flußlandschaft bedeckt den Boden und zieht sich die Wände hoch, dem Betrachter eine Vorstellung vermittelnd, wo Schwab sich damals befand. Per Touchscreen können die Gäste die wichtigsten (bedichteten) Orte erkunden und Schwabs Texte hören.

Im Flur geht es um die Biografie des Dichters. Der Nachbarraum, die ehemalige Küche der Familie Schwab, erinnert mit seiner kargen Steinoptik an einen mittelalterlichen Ort. Diese historische Ungenauigkeit möchten die sechs Studentinnen gern ändern und zumindest einen Teil der Wand nach Biedermeierart gestalten. Klassisch ist die zentrale Glasvirtrine, die beispielsweise Auskunft gibt über den Inhalt der Sagen.

Dieser zweite Raum ist Hellas gewidmet. Dort erfahren die Besucher etwas über die Entstehung der „Schönesten Sagen des klassischen Alterstums“, die Schwab aus dem Griechischen übersetzte, als er Pfarrer in Gomaringen war. Die Wirkungsgeschichte reicht bis nach Asien, Schwab taucht in Donald-Duck-Heften auf, Metal-Bands wie Iron Maiden beziehen sich auf die griechischen Mythen, etwa mit der Platte „Flight of Taurus“. Auch solche Objekte hat das Team vom Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaften (LUI) in die Ausstellung einbezogen – schließlich soll sie vor allem junge Menschen und Schulklassen ansprechen. Soeben führen die Studentinnen Interviews mit Literatur- und Kultur-Promis, die ihren persönlichen Zugang zu Schwabs Sagenwelt schildern.

Würden solche Videoclips von Profis erstellt, kosteten sie jede Menge Geld. Insgesamt sind nun um die 50 000 Euro veranschlagt – und reichlich Zeit, weil die Studentinnen sich erst einarbeiten mussten. Allerdings schätzt Tschofen den Lerneffekt, den die Studentinnen in drei Semestern erfahren. Auf anderthalb Jahre ist das Projekt angelegt. Unterstützung, auch finanzieller Art, leistet die beim Literaturarchiv angesiedelte Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg (alim), deren Leiter Schmidt ist. Die Arbeitsstelle steuert um die 15 000 Euro bei und war an der Konzeption beteiligt.

Mit der Umsetzung ist das Stuttgarter Büro Ranger Design beauftragt. Um die Kosten niedrig zu halten, wollen die Mitglieder des Geschichts- und Altertumsvereins so viel wie möglich selbst machen. Holzvitrinen bauen beispielsweise. Da scheint es gerade noch zu klemmen. „Hexen können wir nicht! Die Konstruktionszeichnungen müssen da sein!“, forderte Siegfried Deiss, der wiedergewählte Zweite Vorsitzende. Kemmler, Erster im Vorstand, hatte zuvor optimistisch verkündet, das neu gestaltete Museum werde schon im März eröffnet.

Allerdings sind auch einige Interviews noch nicht fertig, und die GAV-Mitglieder meldeten allerhand Wünsche an, welche Aspekte unbedigt berücksichtigt werden sollten – vom literarischen Freundeskreis bis hin zur Albvereinsbewegung. Alles könne man nicht unterbringen, klang bei den Planern deutlich durch. Kreisarchivar Wolfgang Sannwald schlug diplomatisch vor, doch eine Themenliste für die Wechselausstellungen in den Nachbarräumen anzulegen. Das Konzept befürworteten die Mitglieder dennoch einstimmig. Und hoffen nun auf den 70 000. Besucher im Schloss.

12.01.2012 - 08:30 Uhr

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