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Heimat zum Wohlfühlen

Volksbank präsentiert neues Dußlingen-Buch

Dichtes Gedränge in der Volksbankfiliale: Rund 60 geladene Gäste kamen am Mittwochabend zur Vorstellung des neuen Heimatbuches und zur Eröffnung der Ausstellung „Dußlingen – auf den Spuren unserer Geschichte“.

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Ulrich Eisele
Da hat Heimatbuch-Autor Wolfgang Sannwald gut lachen: Strahlend geht in der Volksbank-Schalterhalle ... Da hat Heimatbuch-Autor Wolfgang Sannwald gut lachen: Strahlend geht in der Volksbank-Schalterhalle der goldene Halsreif aus dem Fürstengrab auf dem Eichenbuckel über ihm auf, flankiert von einem Armreif aus Gold, Bronzeringchen, Lanzenspitze und einem eisernen Haken. Bild: Rippmann

Dußlingen. „Heimat ist, wo man sich wohlfühlt.“ Mit diesen Worten begrüßte Reiner Futter vom Vorstand der VR Bank Steinlach-Wiesaz-Härten die Gäste. Das im TAGBLATT-Verlag erschienene neue Heimatbuch von Kreisarchivar Wolfgang Sannwald pries er als „kleines, feines Werk“ an, das „unser kleines Dußlingen“ angemessen repräsentiere.

Weil Bürgermeisters Thomas Hölsch wegen einer Kreistagssitzung verhindert war, überbrachte sein Stellvertreter Herbert Dieter Grüße der Gemeinde. Geschichte sei nicht nur Geschehenes, zitierte er aus Hans-Ulrich Wehlers Gesellschaftsgeschichte, sondern auch „Geschichtetes“, das sich weiterzugeben lohne. Das sei mit dem nun vorliegenden neuen Heimatbuch gelungen. Einen Dank dafür sprach er an alle am Werk Beteiligten aus.

Anschließend versuchte Wolfgang Sannwald mit einem bebilderten Vortrag, Appetit auf das Büchlein zu machen. Er streifte dabei die Ausgrabungen auf dem Eichenbuckel (im Bild), die zu den bedeutendsten Funden aus der Hallstattzeit in Württemberg gehören – vermutlich Grabbeigaben eines Keltenfürsten –, die Geschichte der Adelsfamilie Herter und ging auch auf die „Schweizer Chaussee“ ein, die den Ort nachhaltig prägte. Auch auf historische bedeutsame Betriebe wie die Pulvermühle und die anderen Dußlinger Mühlen, die Irus-Werke und die Brauerei Steinlachburg kam Sannwald zu sprechen.

Fundstücke vom

Eichenbuckel

VR Bankchef Reiner Futter führte anschließend in die kleine Ausstellung ein, die er mit Hilfe einiger guter Bekannter selbst aufgebaut hatte: in der Schalterhalle die Vor- und Frühgeschichte, im Beratungszimmer eine „Lichtstube“ und im Büro gegenüber das „Leben eines Dußlinger Arbeiters im 20. Jahrhundert“. Die Ausstellung bleibt bis 20. Januar aufgebaut.

Bei der Vor- und Frühgeschichte habe ihn sein Freund Siegfried Albert unterstützt, sagte Futter, ein „Kenner vor allem der Jungsteinzeit“. Römische Münzen, Scherben irdenen Geschirrs und im Zentrum Repliken der Goldfunde vom Eichenbuckel bestücken nun eine Vitrine. Die Originale aus dem Besitz des Württembergischen Landesmuseums sind derzeit in einer anderen Ausstellung. Sie kommen aber vielleicht im nächsten Jahr auch noch nach Dußlingen, stellte Futter in Aussicht.

Die „Lichtstube“ sei früher das „Kommunikations- und Kulturzentrum des Ortes“ gewesen, erklärte Futter – und manchmal auch „Heiratsbörse“. Ausgestattet hat sie der VR-Banker mit Flachsbrech, Spinnrocken, Tischen, Stühlen, Kisten und Kesseln aus dem Besitz von Adolf Zürn und Stichen aus Alfred Wellhäusers Sammlung.

Exemplarisches Leben

eines Handwerkers

Das Leben seines Großvaters Georg Dürr diente ihm schließlich als anschauliches Beispiel für den epochalen Wandel im 20. Jahrhundert: politisch von der Kaiserzeit zur Demokratie, verkehrstechnisch vom Pferdefuhrwerk zur bemannten Raumfahrt – und persönlich von der Maßanfertigung von Schuhen zur Fabrikproduktion – was Georg Dürr für die letzten zehn Berufsjahre noch zu einem Berufswechsel zwang: 1961 bis 1971 arbeitete er bei Rollladen-Dieter in Dußlingen.

„Panzer Schorsch“ und das 20. Jahrhundert
Geboren 1906, neun Jahre Schule in Dußlingen, Schuhmacherlehre bei Frauendiener in Tübingen, ist das Leben von Georg „Schorsch“ Dürr durchaus paradigmatisch für das Leben eines Handwerkers in der Steinlachgemeinde. 1928 heiratet er, 1940 wird er zum Militär eingezogen, muss in Frankreich und Rußland kämpfen. Nach Krieg und Gefangenschaft arbeitet er noch bis 1961 als selbstständiger Handwerker, danach bei Rolladen-Dieter. 1981 ist er gestorben. Seinen Spitznamen „Panzer Schorsch“ verdiente sich Dürr übrigens als Fußballer beim Arbeiter-Turn- und Sportbund. „Der steht ja im Tor wie ein Panzer“, sollen Mitspieler nach einem Spiel gesagt haben.


16.12.2011 - 08:30 Uhr | geändert: 16.12.2011 - 11:08 Uhr

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