Reiner Futters letzte Stunde als Dußlinger Gemeinderat
Seit Donnerstagabend ist Reiner Futter nicht mehr Dußlinger Gemeinderat. Die gegenseitigen Anfeindungen der vergangenen Jahre zwischen Fraktionen und Verwaltung haben damit Wirkung gezeigt.
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Eike Freese
„Toleranz und Fairness sind auf dem Altar von Machterhalt und Eitelkeit geopfert worden“: Reiner Futter.
Als Reiner Futter am Donnerstagabend sichtlich bewegt den Sitzungssaal verlassen hatte, blieb nicht nur eine auffallende Leere dort, wo zuvor noch seine zahlreichen Unterstützer aus der Bürgerschaft gesessen hatten. Plötzlich fehlte weit mehr: Pathos, Befangenheit und auch das zuvor labile Gleichgewicht der Stimmungen – all das war aus dem Raum gewichen, in dem Minuten zuvor noch Futter selbst und DWV-Kollege Frank Diez bebend das Ausscheiden des populären Gemeinderats begründet hatten.
Absprachen und ätzende Vorwürfe
Die Gründe für den Rückzug: Wechselseitiges Misstrauen und wiederholte Verletzungen auf beiden Seiten – bis hin zur Demütigung. Futter war 2009, obgleich Stimmenkönig und Vertreter der stärksten Fraktion, in Folge einer Absprache der übrigen Fraktionen nicht zum Ersten Bürgermeister-Vertreter gewählt worden.
Fehlende fachliche Kompetenz wurde von politischen Gegnern selten als Grund für mangelnde Kooperation angeführt – soziale schon eher: So hatte Futter in einem Leserbrief im TAGBLATT, ganz kurz vor der Mössinger OB-Wahl 2010, dem Kandidaten und Dußlinger Bürgermeister Thomas Hölsch öffentlich vorgeworfen, Dußlingen „als Notnagel nach gescheiterten Karriereversuchen“ zu missbrauchen.
Futters Parteifreund Diez monierte am Donnerstagabend vor allem die wachsende Ungleichbehandlung durch Rat und Verwaltung: „Symptomatisch hierfür war eine Anfrage von Reiner Futter“, so Diez, „die in der Sitzung vom Bürgermeister lapidar mit einem Satz abgekanzelt, von DWV-Kollege Harald Müller wortgleich wiederholt aber in einer mehrseitigen schriftlichen Stellungnahme beantwortet wurde.“ Als „traurigen Höhepunkt“ bezeichnete Diez eine Unterstellung in Gemeinderatskreisen, Reiner Futter habe nichtöffentliche Informationen nach Außen dringen lassen – was sich später als falsch herausstellte.
Am Donnerstagabend rangen die Kräfte im Dußlinger Gemeinderat sichtlich um Diplomatie und Deeskalation. SPD-Rätin Renate Schelling überreichte eine Flasche Wein, angelte nach Sprachbildern („Man muss gegen den Strom schwimmen, um zur Quelle zu gelangen“) und lobte Futters „jahrzehntelanges Engagement zum Wohle der Gemeinde“. Bürgermeister Hölsch würdigte Futters „kritische Loyalität zur Verwaltung“ und seinen 17-jährigen Einsatz im politischen Ehrenamt. Hernach verlas Hölsch über Minuten die bedeutendsten Bau- und Planungsprojekte der Gemeinde in den letzten Jahren – und lieferte Futter damit eine Steilvorlage für seine anschließende Stellungsnahme.
Die pure Menge des Geschafften sei „nicht die Messlatte, die ich an mich selbst anlege“, sagte Futter. Der DWV-Rat wollte sich als Mann mit Werten verstanden wissen, „die nicht mehr ganz in die heutige Gesellschaft passen“. Er könne damit womöglich, so Futter sichtlich bewegt, „kein guter, im Sinne eines geschickten, Politikers sein.“
Gesinnung oder Eitelkeit
Damit war dann doch das Fass wieder geöffnet und der Gegensatz von aufrechten Gesinnungspolitikern und machiavellistischen Hinterzimmer-Karrieristen stand im Raum. „Toleranz und Fairness“, fand Futter, seien in Dußlingen „auf dem Altar von Machterhalt und Eitelkeit geopfert worden“.
Angesichts des Pathos der Worte verfolgten zahlreiche Gemeinderäte die Rede mit gesenktem Kopf. Zu Entschuldigungen oder gar Reue sah sich am Donnerstagabend keine der Parteien genötigt. Erst am 17. Oktober hatte Reiner Futter sein Ausscheiden aus dem Gemeinderat gemäß der Landes-Gemeindeordnung beantragt. Als Grund für vorzeitiges Ausscheiden reicht demnach zehnjährige Arbeit für Gemeinde- oder Ortschaftsrat. Mit 2335 Stimmen war Futter im Juni 2009 zum stimmenstärksten Gemeinderat der Dußlinger Geschichte gewählt worden.