Gymnasiasten büffelten einen Tag ohne Strom und Gas
Wie würde ein Schulalltag gänzlich ohne Energieverbrauch aussehen? Schüler/innen und Lehrer/innen am Karl-von-Frisch-Gymnasium testeten dies gestern beim „Aktionstag Energie“.
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Kathrin Löffler
Dick eingepackt, verbrachten Schüler/innen am Karl-von-Frisch-Gymnasium gestern einen „Tag ohne Energie“ im ungeheizten Neubau der Schule. Sie wollten darauf aufmerksam machen, wie viel Energie im Schulalltag benötigt wird. 122000 Euro Gas-, 28252 Euro Strom- und 481000 Euro Papierkosten hatte das Gymnasium im Jahr 2009. Bild: Rippmann
Dußlingen. „Ich war eben auf dem Klo und brauchte dafür meine Stirnlampe.“ Solche Sätze fielen am Montag auf dem Höhnisch. In den Klassenzimmern saßen Menschen, die man dem Anblick nach eher in einem alpinen Skigebiet vermutet hätte: dick eingepackt mit Snowboard-Hosen, Mützen, Schals und Winterjacken, Vermummte. In der Pause scharte man sich auf dem Hof um eine kleine Feuerstelle. Die Heizung lief an diesem Schultag nämlich nicht.
Julia Dieter, Lisa Witzke, Beat Seemann und Sven Herrmann, alle in Jahrgangsstufe zwei, gehören zum „E-Team“. Die Gruppe um Lehrer Dirk Wütherich befasst sich mit Themen rund um Energie und Entsorgung und hatte die Idee zu diesem Versuch. Sie wollten ins Bewusstsein führen, wie viel Energie im Schulalltag benötigt und verbraucht wird. Von allen. Konsequent: „Das ist kein Energiespartag“, betont Sven. Bloß reduzieren macht fürs E-Team für diese Aktion keinen Sinn. Außer im Sekretariat – denn das muss erreichbar sein – waren Strom und Gas tatsächlich komplett abgeschaltet.
An einem neblig-kühlen Spätherbsttag kann das schon mal ungemütlich werden. Also verknüpfte man den Aktionstag mit dem „Motto-Tag“, an dem sich immer alle nach einem bestimmten Thema kleiden. Das diesjährige Motto „Winter“ war dann angesichts unbeheizter Schulräume auch nicht unpassend.
122 000 Euro für Gas, 28 252 für Strom, 481 000 für Papier: Das sind die Kosten des Gymnasiums von 2009. „Wir wollen Vorbild sein im Energiesparen“, sagt Dirk Wütherich. Erdöl und Erdgas gingen zur Neige, der CO2-Ausstoß spiele bei der Klimaerwärmung eine große Rolle, aber: „Es ist ein Unterschied, ob man über etwas spricht oder es erlebt, die Auseinandersetzung damit findet ganz anders statt“, so sein Eindruck.
Das war auch im Lehrerzimmer festzustellen. Die Gesamtlehrerkonferenz habe zunächst einstimmig für die Durchführung des Aktionstages gestimmt, erzählt Schulleiter Fritz Gugel. Hinterher hätten dann aber alle gefragt, ob es denn trotzdem einen Kopierer gebe. Natürlich nicht! Genauso wenig funktionierten Kaffeemaschine oder Tageslichtprojektor. Es gab keine Filmchen im Unterricht, nur Flip-Charts und die gute alte Tafel.
Keine Klingel hat geläutet
In der Physikstunde, in der das Thema Akustik eigentlich mit Zuhilfenahme von elektrischen Geräten hätte erörtert werden sollen, ging man auf den Hof und brüllte. Keine Klingel läutete die Pause ein, die Klassenzimmer wurden nur vom einfallenden Tageslicht, Kerzen oder Teelichtern erhellt. „Ich finde es faszinierend, dass man spürt, von was man alles abhängig ist“, so der Rektor, und: „Einen Tag lang macht das vielleicht Spaß, aber 14 Tage lang wäre heftig.“
Am Anfang gab es noch Skepsis. Die Schüler hätten erst nicht so begeistert geklungen, erzählte Beat Seemann. In Verbindung mit dem Winter-Mottotag sei es dann aber gut aufgenommen worden. Die Kleineren hätten es spannend gefunden. Vergangene Woche hat das E-Team mit Durchsage und Elternbrief alle auf den energiefreien Tag vorbereitet.
Gestern Morgen gab es noch einmal „einen kleinen Input“, so Beat Seemann. Der Hausmeister habe alles heruntergefahren und anschließend habe „ganz normal“ der Unterricht stattgefunden. „Es funktioniert trotzdem“, sagt Julia Dieter. Mit Erdkunde- und Bio-Lehrern soll später alles ausgewertet werden und jeder Schüler sich etwas vornehmen, was er selbst verändern könne.