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Ohne Geld vom Land geht es nicht

Schönbuchbahn-Verband fordert „grüne“ Zuschüsse für Elektro-Züge

„Jetzt müssen den Ankündigungen Taten folgen“: Gemeinsam appellieren die Landräte von Böblingen und Tübingen an die grün-rote Landesregierung, die Elektrifizierung der Schönbuchbahn mit kräftigen Zuschüssen für die neuen Elektrozüge zu unterstützen. Ohne solche Förderzusagen hänge das Zukunftsprojekt „in der Luft“.

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Martin Mayer
Artikelbild: Schönbuchbahn-Verband fordert „grüne“ Zuschüsse für Elektro-Züge

Böblingen / Dettenhausen. Über 40,2 Millionen Euro an Baukosten fallen nach jetzigem Planungsstand für die geplante Elektrifizierung der Schönbuchbahn an. Weitere 40 Millionen Euro werden die zehn neuen Elektrofahrzeuge kosten, die sich der Zweckverband anschaffen muss. Diese Zahlen nannte gestern der Böblinger Kreis-Verkehrsdezernent Andreas Wiedmann bei der Verbandsversammlung im Böblinger Landratsamt.

75 Prozent an Zuschüssen erhofft sich der Zweckverband für die Baukosten aus dem Topf des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG). Der Böblinger Landrat Roland Bernhard hatte daher für die Verbandsversammlung sämtliche absehbaren Kosten für das Elektrifizierungsprojekt zusammenstellen lassen. Um die Schönbuchbahn für ihre demnächst zu erwartenden 10 000 Fahrgäste pro Tag fit zu machen,

muss die Strecke teilweise zweigleisig ausgebaut werden. Das wird nach neuen Berechnungen rund 26,7 Millionen Euro kosten.

Weitere 12,7 Millionen Euro sind für den Bau einer neuen Werkstatt- und Abstellanlage in Böblingen vorgesehen.

Und 800 000 Euro kostet die in Dettenhausen geplante Verlängerung der Wartungshalle an der Endstation und der Bau eines zweiten Bahnsteigs. An diesem zweiten Bahnsteig soll in Zukunft ein zusätzlicher Zug bereitgestellt werden, der starten kann, sobald der Gegenzug einläuft. Umständliches Wenden entfällt, die Schönbuchbahn würde drei Minuten gewinnen und pünktlicher werden.

Während die Bauarbeiten in Dettenhausen bereits aufs kommende Jahr vorgezogen werden, sind der zweigleisige Teilausbau und der Bau der dreigleisigen Werkstatthalle in Böblingen mit ihren sechs Zug-Abstellplätzen erst für 2015/2016 geplant.

Teurer wurde das inzwischen auf 40,25-Millionen angewachsene Zukunftsprojekt aber nicht nur durch die für nötig befundene neue Böblinger Werkstatt-Anlage. Wenn die Schönbuchbahn künftig alle Viertelstunden fahren soll, muss in Böblingen auch der Bahnübergang an der Herrenberger Straße durch eine Straßenunterführung ersetzt werden. Die über 16 000 Fahrzeuge, die dort täglich die Schiene kreuzen, sollen für rund sechs Millionen Euro in einen Tunnel verlegt werden und die Bahnstrecke künftig in gut sieben Meter Tiefe unterqueren.

Einstimmig billigte die Verbandsversammlung den derzeitigen Planungsstand. Einhellige Meinung war auch, dass die Arbeiten an der Strecke „unter Betrieb“ organisiert werden müssen. Die Schönbuchbahn könne es sich nicht leisten, Fahrgäste zu verlieren oder gar den Schülerverkehr nicht zu bedienen. Die Verbandsverwaltung soll nun bis März die GVFG-Zuschussanträge einreichen und das weitere Planfeststellungsverfahren vorbereiten.

7,25 Millionen Euro wird den Zweckverband allein die Planung des Zukunftsprojekts „Elektrifizierung“ kosten. Daher ist der Verband, wie es hieß, auch dringend auf Förderzuschüsse des Landes zum Kauf der notwendigen zehn Elektrofahrzeuge angewiesen. „Wenn das Land sich hier nicht bewegt, hängt dieses wichtige Projekt in der Luft“, erklärte der Tübinger Landrat Joachim Walter. Die Landeszuschüsse zu den Elektrozügen seien „unverzichtbar“. Der Böblinger Landrat Roland Bernhard akzentuierte den Appell: „Das Land muss hier springen – sonst wird’s für uns eng“. Die Elektromobilität auf der Schiene sei doch „ein grünes Vorhaben“, hieß es, und der Holzgerlinger Bürgermeister Wilfried Dölker fügte an: „Wir haben einen Anspruch darauf, dass diese Fahrzeuge gefördert werden.“

Dölker drängte auch darauf, dass der Zweckverband gleich im Januar die Ausbaupläne der Schönbuchbahn in den Gemeinderäten der Streckengemeinden vorstellt – auch um örtliche Optimierungs-Vorschläge für Bahnübergänge und Haltepunkte zu besprechen.

Gestern verabschiedete die Verbandsversammlung schon mal einstimmig die Streckenunterhaltungs-Vorhaben fürs kommende Jahr – und auch den Wirtschaftsplan für 2012. Darin sind für die Übergangszeit bis zur Elektrifizierung unter anderem auch Mittel enthalten, um zwei zusätzliche RegioShuttles fürs Sauschwänzle zu kaufen. Die neuen Züge will der Verband gebraucht erwerben – kostengünstig.

14.12.2011 - 08:30 Uhr

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