Gemeinderat drückt beim Bau des Einkaufsmarkts aufs Tempo
„Noch dieses Jahr“ – wenn es nach der Firma Edeka geht: „spätestens im November“ – soll der neue Lebensmittelmarkt in Dettenhausen eröffnet werden. Für Bürgermeister Thomas Engesser ist das „ein schönes Ziel“ – aber als Zielvorgabe auch „sportlich“. Der Gemeinderat billigte schon mal einmütig den Bauantrag.
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Martin Mayer
So könnte der neue Einkaufsmarkt auf den Fronlachwiesen vom Parkplatz her aussehen. Die Zufahrt von der Tübinger Straße (links) würde bergab durch eine Linksabbiegespur erleichtert. Etwas oberhalb wird kurz vor der Einmündung der Bebenhäuser Straße für Fußgänger ein Überweg mit einer Insel in der Straßenmitte („Querungshilfe“) angelegt.
Dettenhausen. „Ich halte das für sehr gelungen“, erklärte Manfred Aberle als Sprecher der FWV-Fraktion, nachdem Frank Meng von der Firma Edeka am Dienstagabend dem Gemeinderat den Bauantrag für den Lebensmittelmarkt auf den Fronlachwiesen vorgestellt hatte. Die Planung folge, so Aberle, den Absprachen und Anregungen, die bei der Bürgerversammlung im Oktober zu dem neuen Supermarkt getroffen wurden (wir berichteten). Auch Bürgermeister Thomas Engesser zeigte sich von der Planung überzeugt: „Das ist kein Blechhütte wie bei manchen Discountern.“
Ohne weitere Debatte und mit zwei einstimmigen Beschlüssen trieb der Gemeinderat das Vorhaben am Dienstag weiter voran:
Um den zugehörigen Bebauungsplan für das „Sondergebiet Lebensmittelmarkt Fronlach“ gebilligt zu bekommen und verabschieden zu können, wurden die Anregungen aus Behörden, Nachbargemeinden und Bürgerschaft aufgegriffen und eingearbeitet.
Und im Vorgriff wurde der Bauantrag der Firma Edeka schon mal per Ratsbeschluss genehmigt – mit dem Vorbehalt, dass der Bebauungsplan erst Rechtskraft bekommt, wenn weitere Gutachten vorliegen.
Das Regierungspräsidium (RP), der Regionalverband und die Nachbarkommunen Tübingen und Weil im Schönbuch haben die Gemeinde Dettenhausen nämlich darauf hingewiesen, dass sogenannte „großflächige Einzelhandelsbetriebe“ in Gemeinden wie Dettenhausen, die nur als „Kleinzentrum“ gelten, nur ausnahmsweise in Betracht kommen. Schließlich haben zusätzliche Vollsortimenter mit Parkplätzen am Ortsrand nicht nur Folgen für den Handel im eigenen Ort, sondern tangieren als neue Konkurrenten auch die „Kaufkraftbindung“ in den Nachbargemeinden. Dies merkt etwa die Stadt Tübingen in ihrer Stellungnahme an.
Ein weiteres Gutachten soll alles bestätigen
Auf Wunsch des RP wird Dettenhausen die eigene Einschätzung, dass es für den zusätzlichen Einkaufsmarkt „keinen geeigneten Alternativstandort“ im Ortskern gibt, nun nochmal von einem Gutachter bekräftigen lassen – auch wenn FWV-Sprecher Rainer Wizenmann dies als „haarsträubend“ empfand. Zudem soll das Dettenhäuser Einzelhandelskonzept vom März 2010 zu einem „Zentren- und Märktekonzept“ fortgeschrieben und mit Blick auf die Fronlachwiesen erweitert werden. Obendrein müsse weiterer Einzelhandel in Dettenhausens Gewerbegebieten ausgeschlossen werden.
Die Kosten für die von RP und Regionalverband verlangten Gutachten und Konzept-Erweiterungen nannte Bürgermeister Engesser „ordentlich, aber noch nicht fünfstellig“. Architekt Werner Gerhardt von dem gleichnamigen Stadtplanungs-Büro, das den Bebauungsplan ausarbeitet, empfahl dem Gemeinderat dennoch, alle Anregungen aufzugreifen. Mit diesen Gutachten beantworte Dettenhausen auch die Bedenken aus Tübingen und Weil im Schönbuch.
Der 1350 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassende Einkaufsmarkt erhält ein begrüntes Dach und wird rings um Gebäudekomplex und Parkplatz mit Hecken und Bäumen eingegrünt. Ein „monetärer Ausgleich“ von 5000 Euro fließt laut Planer Gerhardt auf ein Konto für weitere Ausgleichsvorhaben. Die Anregungen der Bürger zu Gebäudehöhe, Lärmschutz (mit Gabionen-Wall) und zur Ableitung des Niederschlagswassers wurden durchweg in den Plan aufgenommen und eingearbeitet.
Neuer Überweg über die Tübinger Straße
Bei der versprochenen „Querungshilfe“ über die Tübinger Straße oberhalb des geplanten Marktes entschied sich die Ratsmehrheit sogar für die teurere Variante. Etwas unterhalb der Einmündung der Bebenhäuser Straße soll eine Verkehrsinsel in der Straßenmitte den Fußgängern, die aus dem Wohnviertel im Dettenhäuser Osten zu dem Supermarkt kommen, das Überqueren der Tübinger Straße erleichtern.
Dazu wird von der Bebenhäuser Straße aus bergab ein kurzes Gehwegstück angelegt. Der angrenzende Hang wird mit Gabionen abgestützt. Diese Variante, die auch „vom RP favorisiert“ werde, kommt auf Baukosten von etwa 72 000 Euro. Mit ihrer Mehrheit von sieben gegen vier Stimmen setzte die FWV diese optisch gefälligere und „harmonischere“ Variante für den Überweg durch.
Die Räte von CDU, SPD und ULD hätten eine 20 000 Euro billigere Alternative vorgezogen. Bürgermeister Engesser enthielt sich: „20 000 Euro sind kein Kleingeld“.