Vietnamesische Katholiken feierten ihr Neujahrsfest
Farbenpracht, tiefer Glaube und traditionelle Bräuche – die große Gemeinde der vietnamesischen Katholiken in der Diözese Rottenburg-Stuttgart kam am Samstag zu ihrem Neujahrsfest in der Krebsbachhalle zusammen.
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Jürgen Jonas
Bodelshausen. Múa Lân heißt Drachentanz. Der Drachentanz gehört einfach zum vietnamesischen Neujahrsfest, zu dem viele, viele Vietnamesen jeden Alters, die im Land leben, am Samstag in die Krebsbachhalle in Bodelshausen strömten. Waren es tausend? Alle gehören jedenfalls zur vietnamesischen katholischen Gemeinde der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Sie haben viele Bräuche aus ihrer Heimat bewahrt. Der farbenprächtige Drachentanz erzählt mit aufwändig gestalteten Figuren die Geschichte von der Befreiung eines Dorfes von Dämonen durch einen Mönch mit dickem Bauch, der den Drachen zu Hilfe holt, mit dessen lärmunterstützter Hilfe die bösen Geister vertrieben werden können. Der Tanz kam auf die Bühne als Bestandteil des umfangreichen Programms, das sich bis Mitternacht hinzog.
Der farbenprächtige Drachentanz erzählt mit aufwändig gestalteten Figuren die Geschichte von der Befreiung eines Dorfes von Dämonen durch einen Mönch mit dickem Bauch, der den Drachen zu Hilfe holt. Auftritt beim vietnamesischen Neujahrsfest in der Krebsbachhalle. Bild: Franke
Um halb drei hatten sich die Katholiken schon zu Gebeten für ihr Heimatland versammelt, danach besuchten sie einen Gottesdienst in der Peter-und Pauls-Kirche und kamen dann in der Krebsbachhalle zur Feier zusammen, aus unterschiedlichen Regionen, Heidenheim, Künzelsau, Ravensburg, Schorndorf, Stuttgart und Reutlingen. Die Neujahrsfeste finden an wechselnden Orten statt, aber in so einer schönen Halle sei es noch nie gewesen, bemerkte Thi Anh-Dung Nguyen, die in Reutlingen zu den rührigen Mitgliedern der Gemeinde zählt.
Mit den „boat-people“ nach Deutschland
Was sie besonders freut: Der Erlös der Veranstaltung kommt über die Caritas-Organisation in Vietnam armen Leuten zugute. „Wir teilen, dazu verpflichtet uns die Nächstenliebe“, sagte Thi Anh-Dung, die 1979 als junges Mädchen mit den „boat-people“ nach Deutschland kam und von Pflegeeltern in Künzelsau aufgenommen wurde. Sie trägt wie ihre zweijährige Tochter ein traditionelles Kleid, Ao Dai genannt.
Die Wände waren mit den Bildwerken eines Hobby-Künstlers geschmückt, die einen stolzen Drachen zeigten oder einen Gelehrten beim Schriftzeichenmalen. Eine lange Wandzeitung wies auf den Grund hin, warum viele gläubige Vietnamesen ihre Heimat verlassen haben. Die politischen Verhältnisse schienen und scheinen ihnen unerträglich. Die Seelen unschuldig Getöteter gäben solange keine Ruhe, hieß es da, bis Mutter Vietnam wieder frei werde von der Kommunisten-Mafia in der Regierung.
Die deutsche und die vietnamesische Nationalhymne wurden zu Beginn gesungen, mit Räucherstäbchen nach altem konfuzianischem Brauch der Ahnen gedacht, bevor Le Ngoc Can, zweiter Vorsitzender der gesamten Gemeinde, die Gäste begrüßte. Bürgermeister Uwe Ganzenmüller, der die Gäste in der „guten Stube“ willkommen hieß und die Vorzüge der wirtschaftsstarken Gemeinde pries – besonders ihre Orientierung auf die Bedürfnisse von Familien – empfahl den Damen den Besuch des Fabrikverkaufs der Firmen McCain und Speidel.
Gerhard Wolf, Lektor der katholischen Gemeinde Bodelshausen, vertrat für Pfarrer Hubert Rother die Seelsorgeeinheit Steinlach-Wiesaz, in der viele Vietnamesen ins Gemeindeleben eingebunden sind – in Gomaringen etwa die Mesnerin und der Hausmeister der Kirche. Trotzdem wisse man zu wenig über das Heimatland der Gäste, deshalb sei die Begegnung eine gute Gelegenheit, seine Kenntnisse zu erweitern, sagte Wolf.
Auch mit der Esskultur des fernen Landes und deren Erzeugnissen wurde reichlich aufgewartet. Vom quadratischen Klebereiskuchen über Bienenwabenkuchen, Reismehlkugeln mit Mungobohnen-Füllung und fritierten Sesamkugeln bis zu Dampfnudeln mit Fleisch und Reisnudelsuppe gab es eine Fülle von Speisen.
Uralte künstlerische Tradition des Landes
Das Tet-Fest zu Neujahr, im „Jahr des Drachens“, bot dann vieles aus der uralten künstlerischen Tradition des Landes auf, gab aber auch Einblicke in moderne Formen.
Die großen, kraftvoll geschlagenen Trommeln gaben den Rhythmus, viele Tänze und Theaterstückchen wurden gezeigt, man hörte, von der großen Gesangsgruppe der Gesamtgemeinde, ein Lied mit den Worten des verstorbenen Kardinals Nguyen Van Thuan, der trotz der Bedrückungen sagte: „Ich habe noch eine Heimat“. Kinder und Jugendliche aus Schorndorf gaben den zwölf Tierkreiszeichen tanzend Gestalt, die Künzelsauer beschrieben den „Regen in der Heimat“. Beteiligt waren viele Gruppen, die Kung Fu Schule Hac Long aus Sindelfingen, die Drachenband Kim Ho oder die vietnamesische Sprachschule aus Stuttgart.