Vor 50 Jahren wurde der evangelische Kindergarten in Entringen eröffnet
Bitterkalt soll es gewesen sein am dritten Advent 1961. Die Kinder nahmen mit einem Umzug Abschied von der Kelter. Im neuen Kindergarten freute sich die Erzieherin dann nicht nur über eine neue Heizung.
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Mario Beisswenger
Das ist der erste Abgangsjahrgang des evangelischen Kindergartens in Entringen. Am dritten Advent 1961 wurde er eröffnet. Links die bis 1975 tätige Leiterin Martha Eisele. Die Vierte von rechts in der ersten Reihe ist ihre Nachfolgerin Ursula Schwarz, damals noch Hiller. Bild: Evangelischer Kindergarten
Entringen. „Wir genossen die herrlich sonnigen Räume, die sauberen WC und vor allen Dingen die wunderbare Ölheizung.“ Kindergartenleiterin Martha Eisele setzte die Vorzüge ihres neuen Kindergartens ganz nach vorne in ihrem Jahresbericht. Das neue Gebäude, damals am Ortsrand von Entringen mit freiem Blick auf die Schule gebaut, brachte einen heute kaum mehr nachvollziehbaren Qualitätssprung.
Zuvor waren die Kinder in der Kelter untergebracht – unter Umständen, die sogar das Gesundheitsamt auf den Plan riefen. Eine Zeitzeugin beschreibt das so: „Mit den Klos war es schon ein Drama und die Mäuse sind auch rumgesprungen.“ Ortschronist Reinhold Bauer schreibt in seinem Rückblick auf die Kindergartengeschichte von Entringen dezent: „Die sanitären Anlagen ließen zu wünschen übrig.“ Allein schon deshalb, weil die in ein Brett gesägten Klobrillen wohl etwas zu groß für die Kinder waren. Es bestand tatsächlich die Gefahr, dass die Kinder abstürzten.
Die Kelter diente seit der Jahrhundertwende um 1900 als Kleinkinderschule. Ein Inventar von 1938 zählt die spartanische Einrichtung auf. Es gab zwölf Lampen, einen Stecker, eine Wasserleitung mit einem Hahn und einen Waschkessel. Kein Wunder, dass sich Schwester Martha, seit 1946 dort tätig, so über das neue Gebäude freute.
Die Kirchengemeinde nahm damals ein Projekt mit Kosten von umgerechnet etwa 100 000 Euro auf sich. Um die Finanzierung anzuschieben, gab es eine Haussammlung, die allein umgerechnet 6500 Euro einbrachte. Die Hälfte der Kosten übernahm die bürgerliche Gemeinde. Die baute erst 1974 im Neubaugebiet Steigle / Baumgart ihren eigenen Kindergarten. 2009 modernisierte die Kirchengemeinde ihre Einrichtung für rund 400 000 Euro. Die einst gepriesene Ölheizung wurde durch einen Pellet-Brenner ersetzt.
Eng ging es zu
im Kindergarten
Was sich Ursula Brändle, seit 28 Jahren Leiterin des evangelischen Kindergartens, kaum mehr vorstellen mag, ist die Größe der Kindergruppen, die vor 50 Jahren in die sonnigen Räume zogen. Ausgelegt war der damals 120 Quadratmeter große Kindergarten nämlich auf 80 Kinder. Tatsächlich betreute ihre Vorvorgängerin in Spitzenzeiten dann eine Gruppe mit 41 Kindern und eine mit 49. Dabei hatte Schwester Martha nur eine zusätzliche feste Mitarbeiterin. Heute besuchen 50 Kinder die Einrichtung und werden von mehreren Erzieherinnen betreut, die sich 3,6 Stellen teilen.
Immerhin habe ihre Kollegin damals bei weitem noch nicht so viel Arbeit mit der Dokumentation gehabt wie heutige Erzieherinnen. Eiseles Jahresbericht ist handgeschrieben und legt nicht Rechenschaft über die Einhaltung eines Orientierungsplanes ab, sondern berichtet über praktische Dinge, etwa die Schwierigkeiten der Kinder, den richtigen Platz für ihre Überschuhe zu finden. Auf ganzen sechs Zeilen handelt sie fürs Jahr 1962 die Zeit zwischen Ostern und Erntedankfest ab.
Eisele schrieb statt individueller Berichte lediglich den Abschnitt „Kinder-Erlebnisse“. Da beschreibt sie zum Beispiel, wie sie einem Buben nach dem Nasenbluten das Gesicht wäscht. Natürlich habe der gebrüllt, als er das Blut sah. Als es dann weggewischt war, hat er sich vergewissert: „Tut es jetzt nicht mehr weh?“ Damit hatte es sein Bewenden.