Seit knapp einem Jahr sitzt der Zirkus Bross in seinem Winterquartier in Pfäffingen fest. Grund dafür sind Brandschäden am Zirkuszelt. Nun wird der Vermieter ungeduldig und verlangt den Abzug.
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Micha Betz
Zirkuskinder im Pfäffinger Winterquartier: Danny, Nandino, Zwergpony Max, Jeffrey und Michelle (von links nach rechts). Im Hintergrund ist die Lagerhalle mit den Wohnwagen der Artisten und Zirkusmitarbeiter zu sehen.Bild: Betz
Pfäffingen. Hinter dem Edeka-Supermarkt in Pfäffingen haben die Leute um Zirkuschefin Regina Frank Quartier bezogen (wir berichteten). Die große Lagerhalle auf dem Gelände wurde früher von einem Versandhaus genutzt, bis dieses insolvent ging. Seitdem verwaltet die Gewerbeimmobilienfirma Fiedler aus Reutlingen das Grundstück und versucht es als Teil der Konkursmasse zu verkaufen. Der Zirkus Bross war bereits unter dem Vorbesitzer auf das Gelände gekommen. Um eine Lösung zu finden, schloss Firmeninhaber Gerhard Fiedler im Februar 2011 einen Mietvertrag mit den Zirkusleuten, der bis Ende April gelten sollte.
Seitdem leben die sechs Familien in ihren Wohnwägen auf dem Grundstück und in der Lagerhalle. Lamas, Pferde und Hunde tummeln sich auf dem Platz. Die insgesamt 40 Zirkustiere sind in einem Stall untergebracht.
Mysteriöser Zeltbrand brachte den Zirkus in Not
„Es war im Mietvertrag ausgemacht worden, dass der Zirkus Ende April 2011 weiterziehen und das Grundstück verlassen sollte,“ sagt Gerhard Fiedler. Doch seitdem habe sich nichts getan. Man wolle niemanden in Not bringen, sagt der Geschäftsführer, doch Abmachungen müssten eingehalten werden. Trotz mehrfacher Aufforderungen sei der Zirkus bislang nicht vom Gelände verschwunden. Statt dessen seien immer mehr Fahrzeuge in der Lagerhalle untergestellt worden und das, obwohl der Zirkus die Halle laut Vertrag gar nicht nutzen dürfe.
Die Zirkusleute widersprechen diesen Vorwürfen. „Herr Fiedler war hier und hat uns den Schlüssel für die Halle übergeben,“ sagt die Zirkuschefin Regina Frank. Das Verhältnis zum Vermieter bezeichnet sie allgemein als gut. Man habe immer miteinander geredet, doch eine Aufforderung das Gelände zu räumen sei bislang nicht ergangen. Bislang hat die Firma auf rechtliche Schritte verzichtet, doch man wolle diese künftig nicht ausschließen, sagte Gerhard Fiedler gegenüber unserer Zeitung.
Die Situation des Zirkus ist angespannt. Am 5. Februar hatte – wie berichtet – ein Unbekannter einen Brand an den Bus mit den Tierfuttervorräten gelegt. Der Bus und die Vorräte wurden dabei völlig zerstört. Die Polizei sagt, dass der Täter zwar von einer Videokamera des benachbarten Supermarktes gefilmt wurde, doch bislang fehlt von ihm jede Spur.
Ende Februar ereignete sich dann ein weiterer folgenschwerer Zwischenfall: Das Zirkuszelt, das zusammengefaltet auf einem Wagen in der Halle lag, wurde angezündet. Von wem ist bisher unklar. Doch obwohl die äußerlichen Brandspuren verhältnismäßig harmlos schienen, handelt es sich laut Regina Frank um einen Totalschaden: „Die Zeltplane hat sich durch das Feuer so sehr verzogen, dass sie nun zu kurz ist. Wir können das Zelt nicht mehr aufbauen.“ Auch bekäme der Zirkus unter diesen Umständen keine Genehmigung für den Zeltaufbau mehr.
Denn der TÜV müsse die Sicherheit des Zeltes an jedem Vorstellungsort aufs Neue prüfen und die sei nun nicht mehr gegeben. Aus diesem Grund musste das Zelt in die Reparatur gegeben werden – für mehrere tausend Euro. Die Versicherung zahlt nicht, weil der Versicherungsschutz nur für das aufgebaute Zelt gilt. „Wir wollen ja so schnell wie möglich weiterziehen und wieder Auftritte geben,“ beteuert Regina Frank. „Doch momentan fehlt uns einfach das Geld, um das Zelt in der Werkstatt auszulösen.“ Seit 1861 besteht der Zirkus Bross schon, sagt sie. 1961 ist sie zusammen mit ihren Eltern, einem Pferd und einem Wagen aus der DDR in den Westen geflohen. Hier haben sie den Zirkus dann neu aufgebaut. „Doch nun sitzen wir hier fest.“
Durch den Zeltbrand hat der Zirkus bereits eine Saison verpasst. Über Spenden kam bisher nur wenig Hilfe zusammen. „Die Stimmung unter unseren Leuten ist betrübt,“ sagt Regina Frank. Neben dem Ärger mit dem Vermieter machen den Zirkusleuten auch Anfeindungen aus der Bevölkerung zu schaffen. Als im Dezember für ein paar Tage kein Strom da war, warfen die Zirkusleute kurzerhand einen Dieselgenerator an, dessen Lärm aber die Anwohner belästigte.
Im Frühjahr würde der Zirkus gern weiterziehen
Doch auch unberechtigte Vorwürfe treffen die Zirkusleute: „Jedes Mal wenn Leute mit ihren Autoradios vor dem Gelände stehen und Lärm machen heißt es ‚das sind die Rabauken vom Zirkus‘,“ sagt Regina Frank. Solche Unterstellungen seien auf Dauer verletzend. Die Weihnachtszeit sei besonders schlimm gewesen: „Kein Mensch hat mal gefragt, wie es uns geht. Dabei haben wir doch niemandem etwas getan,“ sagt Regina Frank. Sie hofft, dass sich die Situation im Frühjahr bessert. Im März beginnt die neue Zirkussaison, dann will der Zirkus weiterziehen.
Hilfe für den Zirkus und Warnung vor Trittbrettfahrern
Den Zirkusleuten fehlt es vor allem an Futter für die Tiere. Pro Monat müssen rund 1000 Euro für Heu, Hafer und Kraftfutter aufgewendet werden. Ein Heuballen für 50 Euro hält beispielsweise vier bis fünf Tage. Wer Futter- und Geldspenden geben möchte, kann sich bei der Zirkuschefin Regina Frank melden (Telefon: 0177/3988642.). Die Zirkuschefin warnt außerdem vor Trittbrettfahrern: Immer wieder komme es vor, dass sich Personen als Zirkusmitglieder ausgäben und versuchten, an der Haustüre Textilien wie zum Beispiel Socken zu verkaufen oder Geld für Tierfutter zu sammeln. Nach Angaben von Regina Frank verkauft der Zirkus jedoch keine Textilien und sammelt auch kein Geld an der Haustüre. Im Zweifelsfall solle man immer zuerst beim Zirkus anrufen und nachfragen.