Der Pfäffinger Stuckateurbetrieb Braun wird 50 Jahre alt
Am Valentinstag 1962 gründete Hans Braun seinen Stuckateurbetrieb, damals noch in Unterjesingen. Ihr 50. Jubiläum begeht die inzwischen in zweiter Generation geführte Firma in Pfäffingen.
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Uschi Hahn
Die Wärmedämmung gehört heute zu den Hauptaufgaben im Stuckateurgeschäft. Hier bereiten die Brüder Hans-Dieter (rechts) und Reiner Braun die Innenwände einer Wohnung in Pfäffingen für die Innendämmung vor. Bild: Mozer
Pfäffingen. Zu seinen ersten Aufträgen Anfang der 60er Jahre gehörte das Verputzen der Wurmlinger Kapelle. Noch gut erinnert sich der heute 77-jährige Hans Braun an den Aufwand, die nötigen Gerätschaften den Berg hinauf zu transportieren: „Wir haben alles mit dem Traktor hochgezogen.“ Alles, bis auf die schweren Sandsäcke. „Die hat jemand aus Wurmlingen mit seinem Allrad hochgebracht“, berichtet der Seniorchef, der mit seiner Familie und der Firma im Dezember 1964 nach Pfäffingen in den Wiesweg umzog.
Der Putz an der Kapelle hält noch heute. Ansonsten hat sich viel verändert im Stuckateur-Handwerk, wie Hans-Dieter Braun erzählt. Der 44-Jährige hat den Betrieb 1995 vom Vater übernommen. Auch sein 52-jähriger Bruder Reiner arbeitet mit in der Firma – als einer von drei Angestellten. Während früher die Zutaten für den Putz – Sand, Zement, Gips oder Kalk – noch vor Ort gemischt wurden, wird heute alles zusammen als Trockenmörtel im Sack angeliefert. Das erleichtert die Arbeit, hat aber auch Nachteile. Denn neben den natürlichen Baustoffen sind in den Fertigmischungen häufig auch Zusatzstoffe wie Kunstharze enthalten. Damit lässt sich der Mörtel zwar besser verarbeiten. Macht aber auch Probleme. Denn Kunstharz dünstet aus. „Problematisch“ sei das vor allem im Innenbereich, sagt Hans-Dieter Braun. Denn dort beeinflussen die Kunstharz-Ausdünstungen das Raumklima.
Braun selbst achtet „sehr darauf, was in dem Sack drin ist“. Doch der „Trend zu Naturbaustoffen fängt erst langsam an“, wie der Stuckateurmeister sagt. Was auch eine Preisfrage ist. Weil die Kunstharze die Verarbeitung erleichtern, sparen sie Zeit und damit Geld. Und aufs Geld wird beim Bauen eben sehr geachtet.
Handwerker wie Braun bekommen heute ihre Aufträge häufig von größeren Bauträgern, die die Preise drücken, wo immer es geht. „Die Leute wollen für wenig Geld ganz viel“, sagt Sonja Braun, die im Büro dafür sorgt, dass der Betrieb ihres Mannes läuft. Doch nicht nur im privaten Sektor gibt es Preisdumping. Wegen des immer stärkeren Preisdrucks bieten die Brauns bei öffentlichen Ausschreibungen meist gar nicht mehr mit. „Wir wollen unsere Mitarbeiter ja ordentlich bezahlen“, sagt die 41-jährige Sonja Braun.
Für die größten Veränderungen im Stuckateurgewerbe sorgt aber der Trend zum Energiesparen. Das Dämmen von Fassaden gehört heute zu den Hauptaufgaben des Betriebes, berichtet Hans-Dieter Braun, der selbst auch als Gebäude-Energie-Berater tätig ist. „Heute baut man so, dass die Wärme im Haus bleibt“, sagt der Handwerksmeister. Die eine Konsequenz ist, dass „die Lüftung wichtiger wird“. Die andere, dass der Putz nicht mehr so lange hält. Früher habe man mit wesentlich härteren Steinen gebaut. Entsprechend robust konnte auch der Putz auf dem Mauerwerk ausfallen. Zur Wärmedämmung verwende man heute „weichere Steine mit großen Luftkammern und dünnen Wänden“, erklärt Braun. Darauf passe auch nur ein „weicherer Putz, den man öfter streichen muss“.
Apropos streichen: Auch da hat sich viel verändert. Zwar hat der Senior-Chef schon in den 60er Jahren Fassaden farbig verputzt. Allerdings ging es da um zarte Gelb- oder Rosatöne. Heute verlangt die Kundschaft schon mal Knalliges wie Lindgrün Dunkelblau oder Weinrot. „Das gibt es erst seit etwa zehn Jahren. Früher waren die Pigmente nicht da“, erklärt Braun Junior die neue bunte Fassaden-Welt.
Die hat es auch der ältesten Tochter von Hans-Dieter und Sonja Braun angetan. Sehr zur Überraschung der Eltern und Großeltern will die Älteste von vier Geschwistern Stuckateurin werden. Zur Vorbereitung macht die 18-Jährige gerade eine Maler-Lehre. Gut möglich also, dass die Pfäffinger Firma Braun auch ihr nächstes rundes Jubiläum als Familienbetrieb feiern kann.