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Ganz unten

Ganz schön eisig, dieser Winter

Die Mitbewohner werden schimpfen, dachte ich, ein paar Schritte entfernt. Die Haustür – Metall, drei Jahre alt – fällt seit einigen Tagen nicht mehr ins Schloss. Gewohnheitsmäßig ließ ich sie einfach los, hörte aber keinen Schnapper beim Weitergehen. Die Zeit ist knappst bemessen, damit ich nicht lang an der Bushaltestelle frieren muss.

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Artikelbild: Ganz schön eisig, dieser Winter

Der Vierer kommt, stinkt drinnen mal wieder nach Diesel, ist aber einigermaßen warm. Eine freundliche Mitfahrerin hat sich wetterkundig gemacht im „Morgenjournal“ von ARD und ZDF, bei n-tv und bei N24. Es soll so kalt bleiben, mindestens nächste Woche noch. Aber grau statt sonnig. Danke!

An der Brunsstraße kriegt der Busfahrer die Tür nicht zu. Ich stehe auf und zerre an den Flügeln. Es klappt. Am Nonnenhaus klappt es nicht mehr. Der Fahrer kommt, dreht einen Knebel auf, es zischt, er drückt die Tür zu und dreht den Knebel wieder andersrum. Bis zum Bahnhof kommen wir irgendwie durch. Verspätung; ich haste zum Gleis 3, Zug nach Rottenburg. Kein Zug da. An der Anzeige läuft der Text: „Bitte nicht einsteigen, Zug endet hier.“ Doch da steht gar nichts zum Einsteigen. Schon gar nicht mein Zug. Die Anzeige schweigt sich diesbezüglich aus.

Der leere Bahnsteig ist verdächtig. Ich eile in die Haupthalle ans Hauptdisplay: 10.05 Uhr, Fahrtziel Horb: „Zug fällt aus.“ Klasse. Große Wanne Tee mit Milch bei „XXL“. Draußen schreibt der Sheriff Parksünder vor der Post auf. Bei minus 12 Grad, Hut ab! Keine Ausrede: Der Parkscheinautomat ist nicht eingefroren. Gut, dass mein Auto in der Garage steht. Am Samstag fuhr ich damit nach Reutlingen, weil ich spontan einen Termin beim Friseur erhalten hatte. Der eigentlich Terminierte konnte nicht kommen: Auto sprang nicht an. Hihi.

10.35 Uhr fährt der nächste Zug nach Rottenburg. Von Gleis 1. Das ist gut, da kann ich im Gebäude warten und aufs große Display starren. Zug 10.37 Uhr nach Stuttgart, das Laufband kündet von 10 Minuten Verspätung. Bevor mein Zug um 10.36 Uhr einrollt, erhasche ich gerade noch, wie sich die Info für Fahrtrichtung Stuttgart ändert: „Dieser Zug fällt heute aus.“

Meiner fährt, sechs Minuten später zwar, aber er fährt. Schon beim Bahnbetriebswerk stoppt er. „Der hält an jeder Schranke an“, sagt ein Fahrgast, das war heute Früh schon so. Beim Weilheimer Bahnübergang hält er nicht, fährt aber ganz langsam. „Wahrscheinlich muss der Zugführer schauen, ob die Schranken eingefroren sind“, denke ich mir. Die Schranken sind unten. Es hatte auch gar nichts mit der Kälte zu tun (Bericht unten).

Meine Mutter ruft an, sie wohnt bei Berlin. Dort ist es vier, fünf Grad kälter. Sie friert, sagt sie. Sie bekomme nicht mehr als 15 Grad in ihre Wohnung und verbringe die meiste Zeit mit der Katze im Bett.

Jetzt noch über die zugige Neckarbrücke in Rottenburg. Die Enten sammeln sich dort, wo die Eisdecke auf dem Fluss noch Löcher hat. Memmen!

Die Redaktion scheint nicht überhitzt. Unten die hölzerne Eingangstür krümmt sich vor Kälte, sie lässt sich kaum zudrücken. Um halb zwölf rufe ich den Heizungsmonteur an. Er kommt, dreht die Pumpe auf Maximum. Mehr geht nicht, sagt er. Ich zieh’ meine Jacke wieder an. Hoffentlich friert das Klo nicht ein.

Gert Fleischer

07.02.2012 - 07:30 Uhr | geändert: 07.02.2012 - 07:52 Uhr

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