Heutzutage ist fast jeder Jugendliche täglich im Netz, schaut fern oder benutzt zumindest sein Handy. Wie ist es wohl, einen Tag ohne zu leben? Ich habe es im Selbstversuch getestet.
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Janosch Beyer, 21
Früher beliebt: die Marke Bremsklotz. Nebenan zu sehen: die Evolution des Mobiltelefons.Bilder: Beyer, Foumany
7:30 Uhr: Aufstehen wie jeden Tag. Normalerweise weckt mich das Handy. Für heute habe ich mal den alten Wecker herausgeholt. So kommt man wenigstens raus, wenn es so laut piepst, dass das Trommelfell bald nachgibt. Also dann. Aufstehen und die übliche Morgenroutine.
Beim Anziehen der fast schon automatische Griff zum Handy. Doch im letzten Moment besinne ich mich und denke an das Experiment. Heute bleibt das Handy also zuhause. Dann muss mir jetzt eben die Küchenuhr sagen, wann ich los muss. Eine Armbanduhr habe ich schon lange nicht mehr. Also dann auf ins Ambrosianum, meine Schule, wo ich derzeit die Sprachen für die Theologie lerne. Die ersten zwei Stunden erst einmal Altgriechisch, ab und zu der Griff an die Hosentasche, weil irgendetwas fehlt. Es ist einfach ungewohnt, mit einer so leeren Tasche durch die Gegend zu laufen. Außerdem fehlt es mir, ab und zu auf die Uhr zu schauen, um herauszufinden, wann die nächste Pause ist – nur zur zeitlichen Planung natürlich. Sonst vermisse ich aber nichts. Und merke: Wenn ich nicht ständig auf die Uhr schaue, ist der Unterricht viel schneller vorbei. Erste Lektion. So läuft der Tag dahin. Nach dem Mittagessen hab ich einen Arzttermin, soviel weiß ich noch. 16 Uhr. Zum Glück habe ich ihn erst ein paar Tage vorher ausgemacht, denn normalerweise stehen die Termine im Handykalender. Also gehe ich beim Lernen ab und zu in die Küche – ich hoffe einfach, dass die Mikrowellenuhr stimmt. Ich fahre etwas früher los, damit ich auch ja pünktlich bin. Dem Blick der Arzthelferin nach bin ich das und werde in das Wartezimmer gewiesen. Und dann fängt es an: Es liegt immerhin ein „Spiegel“ herum, doch die Wartezeit zermürbt mich. Und zwischen den einzelnen Untersuchungen wieder warten. Wie schön wäre es jetzt, ein paar SMS schreiben zu können, so nach dem Motto: „Bin gerade beim Arzt und langweile mich, wie geht es dir so?“ Aber nein. Ich blättere in der „Bunten“ und in „Bild der Frau“, doch irgendwie fühle ich mich in meinen Vorurteilen bezüglich Frauenzeitschriften bestätigt. Auf dem Heimweg finde ich dank Kirchenuhr heraus, dass ich zwei Stunden beim Arzt war. Abends fernsehen, Mails checken, im Internet surfen – all das ist heute verboten. So komme ich auf die Idee, ich könnte doch mal das Buch weiterlesen, welches ich im Zug angefangen habe. Dabei merke ich dann wieder, dass gute Unterhaltung nicht von „Flimmerkisten“ abhängt. Und das Fazit? Nach dem Experiment „ohne“ kann ich sagen, dass ein Tag ohne moderne Kommunikationsmedien durchaus möglich ist und seine gute Seiten hat. Man kommt viel früher ins Bett, weil man nicht ewig vor Facebook hängt, man kommt mal wieder zum Lesen, eine Armbanduhr ist durchaus ersetzbar. So ab und zu geht es gut, eine Dauerlösung ist es heutzutage aber nicht mehr.