„Wenn ich drei Tage nicht in Facebook ,on‘ bin, ruft die Polizei!“ Diese Facebook-Gruppe existiert nicht ohne Grund. Denn für viele gehört ein täglicher Besuch auf Facebook mittlerweile dazu.
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Maike Wilhelm, 16
Neuigkeiten will niemand verpassen, und fast alle Infos sind auch in Facebook wiedergegeben. Wer macht was am Wochenende, und welche neuen Bilder gibt es? Für manche scheint es nicht begreiflich, wieviel Zeit man damit verbringen kann. Überhaupt ist es für Leute, die nicht selbst registriert sind, schwer, das Netzwerk zu verstehen.
Mit der kostenlosen Anmeldung erstellt jeder Nutzer ein Profil über sich und kann Fotos oder Videos hochladen. Auf der dazugehörigen Pinnwand können Freunde Einträge hinterlassen, aber auch private Nachrichten und Chatgespräche kann man führen. Über eine Startseite können Facebook-Nutzer/innen die neuesten Aktivitäten ihrer Freunde verfolgen und natürlich kommentieren und „liken“ („mögen“).
Veranstaltungen werden fast alle über Facebook geregelt, ebenso Gruppen für die Schule oder die Freizeit. Fast jede Webseite hat den bekannten „Gefällt mir“-Button verlinkt. Berühmtheiten und Unternehmen sind sowieso zu finden. 800 Millionen Menschen haben einen Facebook Account. Der Marktwert des sozialen Netzwerks wird auf 50 Milliarden US-Dollar geschätzt, das sind umgerechnet mehr als 39 Milliarden Euro – so war jedenfalls der Stand vor einem Jahr, genaue Zahlen sind nicht bekannt. Der Wert scheint aber rasant zu steigen. Denn immer mehr Leute werden vom Facebook-Fieber eingeholt.
Werbung fürs Ich – auch das ist Facebook
Das hätte sich der Gründer und größter Anteilseigner Marc Zuckerberg wohl nicht träumen lassen. Denn ursprünglich war die Internetplattform nur für Studenten der US-amerikanischen Harvard University gedacht. Mit Mitte Zwanzig hat Zuckerberg die Welt revolutioniert, nicht ohne Grund wurde sein Leben schon 2010 mit „The Social Network“ verfilmt.
Selbstverständlich ist, dass ein Phänomen wie Facebook gleichzeitig Gefahren mit sich bringt. Lücken im Datenschutz sowie die Speicherung und Veröffentlichung von Nutzerdaten sind immer wieder genannte Kritikpunkte. Tatsache ist aber, dass niemand gezwungen wird, sich auf Facebook zu registrieren. Natürlich ist es schwer, der einzige im Freundeskreis zu sein, der nicht am Internetleben teilnimmt. Aber auch als Facebook-Nutzer kann man selbst entscheiden, was man von sich Preis gibt oder was man für sich behält. Es gibt viele Menschen, die ihr Leben extrem mit dem Netzwerk teilen, täglich verraten, wo sie was machen und mit wem. Aber sie tun es freiwillig. Wahrscheinlich ist den meisten jedoch nicht bewusst, wie weite Kreise diese Informationen ziehen.
Mittlerweile kann und muss man sagen, dass ein Facebook-Profil oft den ersten Eindruck von Leuten ersetzt. Kennt man jemanden nur flüchtig, schauen viele nach, wie sich die Person auf Facebook verhält. Was sie postet, welche Bilder es gibt oder welche Aktivitäten sie nennt. Jeder Schritt, den wir auf Facebook machen, hinterlässt bei anderen einen bestimmten Eindruck. Und den kann man natürlich beeinflussen!
So kommt es, dass Facebook immer mehr als Vermarktungsmöglichkeit für die eigene Person genutzt wird. Seit dem 16. Dezember 2011 gibt es eine neu freigeschaltete Benutzerfunktion namens Chronik, die das unterstützt. Mit ihr werden alle Informationen in Zeitspannen gesammelt und wiedergegeben, vergleichbar mit einem Facebook-Lebenslauf. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis sie sich unter allen Nutzern verbreitet hat und jedes Mitglied eine Visitenkarte seiner Person im Netz hat. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich bedacht im Netzwerk zu verhalten. Allzu groß ist sonst die Gefahr, dass Menschen anhand ihres Auftretens in Facebook vorschnell beurteilt werden.
Auch Firmenchefs nutzen soziale Netzwerke, um Bewerbungen besser beurteilen zu können. Die Gefahr, Opfer von Internetmobbing zu werden, ist mit einem auffälligen Netzprofil vielleicht ebenfalls größer. Und die 16-jährige Thessa aus Hamburg erlebte einen Schock, als auf ihre per Facebook beworbene Geburtstagsparty 1600 Gäste kamen – sie hatte das Häkchen nicht angeklickt, das die Einladung nur für geladene Gäste sichtbar gemacht hätte.
Doch trotz solcher Risiken heißt es nicht, dass man seinen Facebook-Account sofort kündigen sollte. Für die meisten jungen Menschen ist das Netzwerk nicht mehr wegzudenken aus ihrem Alltag. Über Facebook werden viele Kontakte gepflegt. Mit Urlaubsbekanntschaften oder Austauschschülern kann man problemlos weiter schreiben. Es ist möglich, sich mit vielen Menschen auszutauschen, auch wenn Leute bezweifeln, dass man mit mehreren hundert Leuten „befreundet“ sein kann.
Nordafrika: Eine Revolution durchs Netz
In Nordafrika wurde, durch die auf Facebook vereinte Gemeinschaft, eine Revolution ausgelöst. Die Welt hat sich verbunden. Noch weiß keiner, wohin genau diese unendlichen Verknüpfungen und Datensammlungen wirklich führen. Das bleibt abzuwarten und kritisch zu verfolgen. Auch wenn es manchen vielleicht Angst macht, dass die eigenen Daten für immer im Netz stehen werden, geht es doch allen gleich. Denn Facebook hat ganze Generationen in seinen Bann gezogen und verbindet Menschen auf eine Weise, wie es sie noch nie zuvor gab. Warum soll alles Neue immer schlecht sein? Mit dem Internet kam Facebook, und die Welt wurde verändert. Es ist ein Schritt ins Unbekannte, aber wir gehen ihn zusammen!