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Kaffee, Gespräche

Bahnhofsmission: Ohne Ehrenamtliche geht nichts

Das Nachtcafé der Bahnhofsmission Tübingen ist für etwa 1300 Menschen pro Jahr Anlaufpunkt für Gespräche, Hilfe und zum Aufwärmen im kalten Winter. FLUGPLATZ hat die Ehrenamtlichen dort bei der Arbeit besucht.

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Janosch Beyer, 21
Das Nachtcafé im Bahnhof ist auch eine Anlaufstelle für Obdachlose – sie sollen dort keine ... Das Nachtcafé im Bahnhof ist auch eine Anlaufstelle für Obdachlose – sie sollen dort keine Ausgrenzung erfahren. Schlafplätze allerdings gibt es bei der Bahnhofsmission nicht. Karikatur: Rafael Winniger, 22

Tübingen. Sonntagabend, das kleine Nachtcafé der Bahnhofsmission ist geöffnet. Beim Eintreten sind zwei ehrenamtliche Helfer und eine Frau dort. Hanno, 23, studiert internationale Volkswirtschaftslehre und hilft ungefähr drei Mal im Monat beim Nachtcafé.

Katharina beim Kaffeekochen... Katharina beim Kaffeekochen...

Heute zusammen mit Katharina, 26, die Latein, Theologie und Psychologie studiert. Die zwei reden gerade mit der Frau. Das ist eine der wichtigsten Aufgaben der Nachtcafé-Helfer: Gesprächspartner für die Leute sein. So kommen viele, vor allem im Sommer, die einfach nur jemanden zum Reden brauchen. Im Winter ist es dann eher eine Anlaufstelle für Obdachlose und Bahnreisende, die sich ein wenig aufwärmen und einen Kaffee oder Tee trinken wollen.

... und Hanno (rechts) im Gespräch mit einem Besucher. Bilder: Janosch Beyer ... und Hanno (rechts) im Gespräch mit einem Besucher. Bilder: Janosch Beyer

Natürlich haben die Mitarbeiter/innen der Bahnhofsmission noch andere Aufgaben: Sie helfen Menschen, die ihr Geld verloren haben, ihre Zugverbindung nicht wissen, verletzt sind oder Begleitung beim Zugfahren benötigen. „Früher haben wir die Leute im Rollstuhl oder diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, über die Schienen begleitet, doch seit es die Aufzüge gibt, hat sich das erledigt. Trotzdem kommen immer wieder ältere Menschen oder Blinde, die Hilfe brauchen“, erzählt Hanno. Damit ist der Aufzug für die Bahnhofsmission eine große Erleichterung.

Artikelbild: Bahnhofsmission: Ohne Ehrenamtliche geht nichts

Es wird etwas später, ein Mann kommt herein, er weiß nicht genau, wann sein Zug geht; dass es aber noch etwa eine Stunde dauert. Ein Freund habe ihm von der Bahnhofsmission erzählt, und jetzt ist er froh, dass er im Warmen sitzt und einen Kaffee bekommt.

Der Begriff Nachtcafé ist ein bisschen irreführend: Die Räume sind ab 22 Uhr geschlossen. Für die Nacht bietet die Tübinger Wohnungslosenhilfe Schlafplätze an – für Männer in der Kiesäckerstraße 2, für Frauen in der Eisenhutstraße 50 (siehe Artikel auf der ersten Lokalseite) – allerdings müssen Menschen, die ein warmes Bett benötigen, spätestens um 21 Uhr dort sein.

Gut, dass es bei der Bahnhofsmission die Freiwilligen gibt, die sich um die Spätschicht kümmern. Hauptamtliche gibt es dann nicht. Die meisten der etwa 25 Helfer/innen sind Student(inn)en oder Frührentner/innen, einige Hausfrauen sind auch dabei. „Wir haben Helfer im Alter von 21 bis ungefähr 70 Jahren hier“, so Sylvia Takacs, die hauptamtliche Leiterin der Tübinger Bahnhofsmission.

Die Beweggründe der beiden Ehrenamtlichen ähneln sich. So kam Hanno nach seinem FSJ zum Studium nach Tübingen. „Ich wollte hier in Tübingen auch etwas Soziales machen. In eine Vorlesung kam dann ein Mitarbeiter der Bahnhofsmission, der uns etwas über die Projekte erzählt hat. Also schaute ich es mir einmal an und fand die Arbeit sinnvoll. Das Nachtcafé würde ohne Ehrenamtliche nicht existieren.“ So ähnlich ging es auch Katharina: „Ich habe immer die Erfahrung gemacht, wie gut es mir eigentlich geht. Also beschloss ich, in meiner freien Zeit doch mal etwas Nützliches zu tun. Es ist schön, einmal selber zu helfen.“

Der Abend neigt sich dem Ende zu, bis 22 Uhr können die Gäste bleiben. Danach müssen auch die eifrigsten Ehrenamtlichen mal nach Hause. „Schade, dass man hier nicht auch übernachten kann“, sagt die Besucherin, die mit ihrem Abendessen an einem der Tische sitzt. Als Resümee sagt Hanno dann schließlich noch: „Ich kann jedem die Arbeit hier nur ans Herz legen. Die Bahnhofsmission sagt zwar den meisten Leuten etwas, doch die meisten wissen nicht, was sie genau macht. Man macht hier eine sehr sinnvolle Arbeit.“

Info Das Nachtcafé am Tübinger Bahnhof ist mittwochs bis sonntags von 17.30 bis 22 Uhr geöffnet.

07.02.2012 - 08:30 Uhr

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