Über eine Studierendenzeitung, die selbst Dauerstudenten überlebt
Generationen Tübinger Studenten kennen das Heft, das schon so manche Auferstehung hinter sich hat: „Kupferblau“ gibt es seit 1997.
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katharina mayer
Die Kupferblau-Redaktion in ihren Räumen im Clubhaus, die sie sich mit dem Asta teilt. Privatbild
Tübingen. Irgendwann in grauer Vorzeit muss es an der Eberhard-Karls-Uni schon eine Studierenden-Zeitung gegeben haben. Wann das war und wie sie aussah, wusste aber keiner mehr, als es 1997 um die Gründung einer neuen Zeitung ging. Damals, erinnert sich der ehemalige Chefredakteur Ralph Schill, lagen in diversen Uni-Gebäuden Flyer aus. Geladen wurde zu einem Treffen im Clubhaus, welches heute noch der Redaktionssitz ist.
Spontan und ohne Erwartungen sei er hingegangen, erzählt Schill – und stieß auf „einen munteren Haufen von Leuten aus allen möglichen Fachrichtungen“. Wenn auch mit deutlichem Überhang der Sozial- und Geisteswissenschaften. Die Namenssuche für das, was eine Zeitung werden sollte, „uferte aus“. Gefunden habe ihn dann eine Medizinstudentin, zusammengesetzt aus „dem zentralen Hörsaalgebäude in Tübingen und vielleicht der Druckfarbe“. Der Kupferbau, obwohl er Schills Meinung nach „architektionisch nicht so viel hergibt“, zierte den Titel der ersten Ausgabe. „Inhaltlich wollte man damals einen breiten Brückenschlag von Hochschulpolitik bis zu Lyrik, Comic, Satire“, erzählt Schill. „Wir hatten Spaß daran, uns ein bisschen auszutoben.“ Mit einer Foto-Lovestory etwa. Oder einer Serie über „kühne Orte“ in Tübingen, an denen jeder mal vorbeigelaufen ist, aber niemand weiß, was drinnen vor sich geht – wie die Taxizentrale in der Wilhelmstraße. „Bis heute meine Lieblingsrubrik“, sagt Schill.
Manche machten als
Journalisten Karriere
Bis 1999 war er dabei, dann war die Luft raus: die Arbeit am Heft hing „einfach immer an wenigen“. Einige wechselten die Uni, andere waren fertig mit dem Studium. Es folgte der geordnete Rückzug. „Wir hatten die Meinung, dass wir dieses Baby über die ersten kränkelnden Kinderjahre großgezogen haben, jetzt könnten sich über die Kindergartenjahre andere kümmern.“
Die Zeit bei Kupferblau will der Biologe nicht missen. Zwar sei er nicht in den Journalismus abgewandert wie andere, die damals für die Uni-Zeitung geschrieben haben und heute bei namhaften Zeitschriften, der Tagesschau oder dem SWR arbeiten. Ab und an publiziert er noch Texte, und das gern, die sind jedoch eher wissenschaftlicher Natur. Schön sei es, nicht mehr so viel Verantwortung wie damals zu tragen. Heute wolle er nicht darüber nachdenken, was im Fall einer Pleite passiert wäre. Damals seien sie wohl etwas blauäugig gewesen.
Von 1997 bis 2006 erschien Kupferblau durchgängig. Dann gab es eine einjährige Pause. „Es gab ganz einfach keine Leute mehr“. Nur die alten Chefredakteure JanKühnel und Peter Meuer waren noch da und starteten 2007 einen Workshop für interessierte Neulinge. Die bildeten beim Neustart die Redaktion, damals kam auch Sascha Geldermann dazu, der zwischen 2009 und 2011 als Chefredakteur fungierte.
Die Inhalte hätten sich geändert, sagt er. „Vor dem Neustart war es viel Literatur und sowas. Jetzt machen wir eine wirkliche Zeitung.“ Politik, Kultur, Sport und Unileben. Kurzmeldungen werden auf dem „Schiebeparkplatz“ untergebracht, dessen reales Vorbild sich an der Wilhelmstraße befindet. Die Jungredakteure sind selbstbewusst „Wir haben schon den Anspruch, die Uni-Zeitung zu sein, die wirklich jeden Aspekt abdeckt.“
Nachwuchssorgen kennt die Kupferblau-Redaktion nicht mehr. Kein Interessent werde „aussortiert“, sagt Geldermann. Stattdessen setzt die Redaktion auf Information und Integration. „Fördern und viel Freiraum lassen“ sei das Prinzip. Und „wer keine Ahnung hat vom Journalismus, dem greifen wir eben unter die Arme“.
Rund 15 Redakteure gehören derzeit zur Stammbelegschaft, sagt Chefredakteur Christoph Leidinger. Ein paar Wochen vor Redaktionsschluss kommen stets „unsere ganzen verlorenen Schafe“ wieder zurück. Bei allem Interesse für das Weltgeschehen – Stellung beziehen wollen die heutigen Macher nicht. „Wir sind politisch neutral und finanzieren uns natürlich selbst.“
Jetzt druckfrisch:
die neueste Ausgabe!
Ein Zuschuss vom Asta und das Clubhaus-Fest bilden traditionell die Grundlage der Kalkulation. Was dann noch fehlte, wurde durch Anzeigenakquise erledigt. Dafür gibt es in der Kupferblau-Redaktion eigene Arbeitskreise. Und auch dieses Mal hat es mit der Finanzierung hingehauen, die aktuelle Ausgabe, Nummer 26, ist fertig und gedruckt. Zwei große Themen prägen das Heft: Die Debatte um die Zivilklausel und das Clubhaus-Fest, das keines mehr sein darf.