Ausstellung illustriert die Symbiose zwischen Mensch und Mikrobe
Was macht krank? Dass mikroskopisch kleine Organismen tödliche Krankheiten wie Pest und Tuberkulose verursachen, hat Robert Koch Anfang des 20. Jahrhunderts gezeigt. Ihm ist eine Ausstellung gewidmet, die derzeit auf der Morgenstelle zu sehen ist.
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Angelika Bachmann
Interaktive und historische Exponate illustrieren die Geschichte und den modernen Stand der Infektionsmedizin. Bild: Metz
Tübingen. Die Krokodile waren es nicht. Auch wenn Robert Koch sie im Verdacht hatte, Wirte des Erregers der Schlafkrankheit zu sein. Im Auftrag der Kolonialregierungen suchte der Arzt und Mikrobiologe bei einer Forschungsexpedition 1906/07 nach den Übertragungswegen der Epidemie, die damals Hunderttausende von Menschen rund um den Victoriasee und im Kongo-Becken tötete.
Robert Koch (rechts) mit seinem Assistenten Friedrich Karl Kleine bei der Schlafkrankheits-Expedition am Victoriasee 1906/07: Der Forscher vermutete, dass Krokodile bei der Verbreitung der tödlichen Schlafkrankheit eine Rolle spielten. Bild: Robert-Koch-Institut
Weniger die menschlich-medizinische Fürsorge war es, die die Kolonialmächte damals dazu brachte, einen der berühmtesten Forscher nach Afrika zu schicken, so lernt der Besucher bei der Ausstellung auf der Morgenstelle. Es war vor allem die Sorge, dass die Seuche den ökonomischen Ertrag aus den Kolonien mit der Zeit merklich schmälern würde – wenn etwa die Kautschuk-Sammler massenhaft starben. Wenig bekannt ist heute auch, dass Koch und andere Mediziner Patienten in Afrika in Lagern internierten, zwangsbehandelten und mit Menschenversuchen Medikamente gegen die Schlafkrankheit erprobten.
„MenschMikrobe – Das Erbe Robert Kochs und die moderne Infektionsmedizin“ ist die Ausstellung betitelt, die bis zum 12. März im Hörsaalzentrum auf der Morgenstelle zu sehen ist. Sie wirft auch einen Blick auf die weniger rühmlichen Seiten der Medizingeschichte des Titelhelden, wenngleich im Mittelpunkt dessen Verdienste stehen. Schließlich war Koch der Begründer einer neuen Ära in der Infektionsmedizin. Er hat herausgefunden, dass tödliche Krankheiten wie Pest und Cholera durch mikroskopisch kleine Organismen ausgelöst werden. Er hat Techniken erfunden, sie im Labor zu züchten und sichtbar zu machen. Er war der erste, der Bakterien unterm Mikroskop fotografiert hat.
Oft führen Mensch und Mikrobe ja eine völlig harmonische, symbiotische Beziehung. Mikroorganismen erfüllen im biologischen System des Körpers nützliche Funktionen. Etwa auf der Haut. Im Darm leben hunderte von hilfreichen Bakterienspezies. „Der Mensch ist ein wandelnder Zoo“, sagt der Mediziner und Wissenschaftsjournalist Martin Lindner, der die Ausstellung im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Robert-Koch-Instituts konzipiert hat. Tübingen ist bereits der siebte Standort dieser Ausstellung.
An zehn Stationen spannt sie einen Bogen von den ersten (Fort-)Schritten der Mikrobiologie bis zur Gegenwart. An allen Stationen findet der Besucher neben Schautafeln auch eine Audiostation. Erzählerisch werden Episoden wiedergegeben – von besagter Afrika-Expedition Robert Kochs bis zur mittelalterlichen Pest-Epidemie. Kurze Erklärtexte richten sich an Kinder. Interaktive Exponate und Tastfelder dürften so manchen Studenten auf seinem Weg durch das Hörsaalzentrum stoppen.
Ebenso eine große Kommode: Zieht man deren Schubfächer auf, entdeckt man Wachsmodelle: ein mit Pocken übersätes Gesicht, die weiß belegte Zunge eines Diphtheriekranken. Drastisch wird einem so vor Auge geführt, welch enormer Segen für die Menschheit es ist, dass manche Infektionskrankheiten – nicht zuletzt dank der wissenschaftlichen Leistungen von Robert Koch und seinen Nachfolgern in der modernen Mikrobiologie – als ausgerottet gelten können.
Jeden Mittwoch Vorträge
Die Ausstellung „MenschMikrobe“ ist bis zum 12. März im Hörsaalzentrum auf der Morgenstelle zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr. Am 9. Februar ist bis 22 Uhr geöffnet. Es gibt täglich kostenlose Führungen um 10, 15 bis 17 Uhr (für Einzelpersonen und Familien, ohne Anmeldung). Gruppen und Schulklassen müssen sich anmelden, E-Mail: mensch.mikrobe@med.uni-tuebingen.de. Zudem gibt es mittwochs um 18 Uhr im Hörsaal 1, Auf der Morgenstelle, Vorträge, die sich in allgemein verständlicher Sprache auch an Nichtwissenschaftler wenden. Den ersten Vortrag am heutigen Mittwoch, 25. Januar, hält Prof. Karl Forchhammer. Sein Thema: „Unsichtbar, doch allgegenwärtig: Mikroorganismen, die unsere Erde bewohnbar machen.“